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  • 05.10.2012

Dialysen nicht mit den Kassen abgerechnet

TRANSPLANTATION In München gibt es weitere Verdachtsfälle vorsätzlicher Manipulation von Patientendaten: Dem Klinikum rechts der Isar fehlen Belege, dass Blutwäschen tatsächlich erfolgt sind

BERLIN taz | Die Zahl der Verdachtsfälle vorsätzlicher Manipulationen von Patientendaten am Münchner Klinikum rechts der Isar steigt. "Wir sind uns inzwischen ziemlich sicher, dass manipuliert wurde", sagte eine Sprecherin des Klinikums am Donnerstag der taz. "Wir schließen nicht aus, dass es mehr als ein Fall gewesen sein könnte."

Wie die taz aus Klinikkreisen erfuhr, geht man am Klinikum davon aus, dass bei zwei leberkranken Patienten die Angaben über vermeintlich erfolgte Dialysen ebenfalls gefälscht worden sein könnten. Am Dienstag hatte der Ärztliche Direktor noch erklärt, zunächst müsse wohl nur bei einer der neun entdeckten "Auffälligkeiten" von Manipulation ausgegangen werden. Es ging um einen hohen Blutwert.

In den beiden nun zusätzlich unter Manipulationsverdacht stehenden Fällen verfügt das Klinikum nach Informationen der taz über keine Nachweise, dass die beiden Dialysen aus den Jahren 2010 und 2011 tatsächlich erfolgt sind. Es fehlten nicht nur die Dialyseprotokolle, die normalerweise während jeder Blutwäsche erstellt würden, sagten Mitarbeiter der taz. Die Dialysen seien auch nicht bei den Krankenkassen abgerechnet worden. Bei einer durchschnittlichen Vergütung teilstationärer Dialysen von 290 Euro pro Tag gilt ein zufälliges Vergessen der Abrechnung als eher unwahrscheinlich.

Zudem fehlen Belege, wonach die schwer Kranken von einem Transportdienst zur Dialyse gefahren worden sind. "Wir haben keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass die Dialysen stattgefunden haben, und müssen derzeit mit allem rechnen", erfuhr die taz aus Mitarbeiterkreisen.

Gegenüber der für die Organvergabe verantwortlichen Stiftung Eurotransplant hatten die Ärzte dagegen angegeben, die Dialysen seien durchgeführt worden. Dadurch waren die Patienten auf der Warteliste nach oben gerückt und hatten eine Spenderleber bekommen.

Über einen weiteren Verdacht streiten Klinikum und Bundesärztekammer. Es geht um einen Tumorpatienten mit Metastasen, der nach Einschätzung des Ärztepräsidenten wegen seiner fortgeschrittenen Erkrankung nicht mehr hätte transplantiert werden dürfen. Das Klinikum dagegen hält die Operation, so die Sprecherin, "weiterhin für richtlinienkonform" und hat nach Informationen der taz zur Klärung einen Medizingutachter eingeschaltet. HEIKE HAARHOFF