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  • 14.07.2011

Der spanisch-mexikanische Philosoph Adolfo Sánchez Vázquez ist am 8. Juli im Alter von 95 Jahren an den Folgen einer Lungenentzündung gestorben. Mit 21 war Sánchez Vázquez Herausgeber der Tageszeitung Ahora der Juventud Socialista Unificada. Er brach sein Philosophiestudium bei Ortega y Gasset in Madrid ab, um im Spanischen Bürgerkrieg aufseiten der PCE gegen den franquistischen Staatsstreich zu kämpfen. Nach dem Sieg der Faschisten emigrierte er nach Mexiko, dort war er seit 1959 Professor der Universidad Nacional Autónoma de México (UNAM) in Mexiko-Stadt. Sánchez Vázquez hat sich um die undogmatische Weiterentwicklung des Marx'schen Erbes insbesondere in der spanischsprachigen Welt verdient gemacht. Seine Bücher wurden in neun Sprachen übersetzt. Ausgehend von einer kritischen Lektüre des Marx'schen Originalwerkes - dessen Übersetzungen ins Spanische er zum Teil erstmals veröffentlichte -, entwickelte er eine eigenständige Theorie der Praxis. "Praxis" ist für Sánchez Vázquez diametral dem heute vorherrschenden Praktizismus gegenübergestellt. Er zeigte, wie Marx' Rückgriff auf den deutschen Idealismus notwendig ist, um den allzu leicht autoritär zu wendenden mechanischen Materialismus bis Feuerbach zu überwinden. STEFAN GANDLER

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