Das taz Print-Archiv

Hier können Sie in alten taz-Ausgaben blättern:

 

  • 17.09.2005

Pfeifen verboten

Sowohl der HSV als auch seine Fans müssen sich noch an die Bedingungen des Fußball Europa-Cups gewöhnen

So richtig europäisch war der HSV-Fußball schon seit Jahren nicht mehr. Die Bedeutung des Spiels brachte der Stadionsprecher nach zehn Minuten all denen noch einmal nahe, die sich der historischen Dimension des Augenblicks wohl nicht so ganz bewusst waren. "An die Fans in der Nordkurve", lautete die unmissverständliche Ansage beim Uefa-Cup-Erstrunden-Hinspiel gegen den FC Kopenhagen in der AOL-Arena, "Bitte unterlasst das Pfeifen mit den Trillerpfeifen! Der Schiedsrichter fühlt sich in seiner Konzentration gestört."

Ja, im Europapokal sind Disziplin und das Befolgen von Regeln noch gern gesehene Werte. Dass die HSV-Fans auf die Bitte ihres Stadionsprechers erst einmal gehörig pfiffen und diese dadurch kontraproduktiv erscheinen ließen, dürften selbst die striktesten Regelhüter des europäischen Fußball-Dachverbandes geflissentlich ignoriert haben. Es muss eben nur alles seine Ordnung haben - auch neben dem Platz, oder besser: vor allem dort. Werbebanden, auf denen sich Unternehmen präsentieren, die nicht zum Sponsoren-Pool der Uefa zählen, gehören abgedeckt. Keine Widerrede!

Und so blickten die Zuschauer an diesem nasskalten Abend auch auf eine breite, blaue Bande, auf der in gleichen Abständen nur drei kleine rote Kreuze zu sehen waren. Denn, nach Auflehnung steht keinem Klub der Sinn, schließlich verspricht der Uefa-Cup auch erheblichen finanziellen Gewinn. Ob der für den HSV aber wie gewünscht ausfällt, muss nach dem Hinspiel gegen den FC Kopenhagen bezweifelt werden: Es endete mit einem dürftigen 1:1. An der eng gestaffelten Defensive der dänischen Gäste nämlich bissen sich die Hamburger die Zähne aus. Lediglich einmal, nach einem haarsträubenden Fehler von Bo Svensson, gab es ein Durchkommen. Rafael van der Vaart (35.) traf aus kurzer Entfernung zur Führung. Fünf Minuten später gelang Elric van Heerden nach einem beeindruckenden Solo gegen fünf Gegenspieler das 1:1, das für den HSV angesichts zweier Aluminiumtreffer der Dänen am Ende sogar noch schmeichelhaft war. "Wir haben alles versucht, aber müssen auch froh darüber sein, dass wir nicht noch verloren haben. Es gibt noch ein Spiel, und wir holen uns den Einzug in die nächste Runde", kündigte HSV-Kapitän Daniel van Buyten an. Christian Görtzen

Dieser Artikel ...

ist mir was wert!