Das taz Print-Archiv

Hier können Sie in alten taz-Ausgaben blättern:

 

  • 05.03.2008

Osmani-Brüder vor Gericht

Mit der fast zweistündigen Anklage-Verlesung hat der Prozess gegen die Brüder Osmani begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft den Geschäftsleuten Anstiftung und Beihilfe zur schweren Untreue vor

VON ELKE SPANNER

Zunächst begrüßen die Brüder sich so, wie sich Geschäftspartner begegnen: Sie geben sich die Hand. Dann nehmen sie sich doch kurz in den Arm. Beide sind im dunklen Anzug gekommen, und wäre Burim Osmani nicht in Handschellen hereingeführt worden, hätte man ein geschäftliches Treffen vermuten können. Heute aber verhandeln die beiden nicht über Immobiliengeschäfte. Heute geht es um ihre persönliche Zukunft. Bashkim und Burim Osmani sind vor dem Hamburger Landgericht wegen Anstiftung und Beihilfe zur Untreue im besonders schweren Fall angeklagt.

Die Familie Osmani umrankt ein geheimnisvoller Mythos. Deshalb ist der Gerichtssaal voll. Um allen Zuschauern Platz zu bieten, wurde der Prozessauftakt eigens in den großen Plenarsaal verlegt. Die Osmanis stehen für die Verwirklichung des Traumes, vom Tellerwäscher zum Millionär aufzusteigen - wenn ihnen dabei auch nicht nur ehrenwerte Taten zugerechnet werden. Als namenlose Flüchtlinge sind sie Anfang der Achtzigerjahre nach Hamburg gekommen, heute haben sie auf dem Kiez ein mächtiges Firmenimperium aufgebaut. Von Verbindungen zur Organisierten Kriminalität wird gemunkelt, ebenso von besten Kontakten zu Entscheidungsträgern in der Politik. Auf all das aber hat das Landgericht Würzburg keine Hinweise gefunden, das bis Ende Februar über ein dubioses Immobiliengeschäft von Burim Osmani zu Gericht saß. Es hat schlicht den Vorwurf des Betruges abgearbeitet, und zum Schluss ein juristisches Urteil gefällt. Auch vor dem Hamburger Landgericht ist kein Hauch von Rotlichtmilieu zu spüren. Auch diese Strafkammer hat es mit reinen Vermögensdelikten zu tun, wenn auch in einer Größenordnung, die ihresgleichen sucht. Nach der Mittagspause haben sich die Zuschauerbänke schon deutlich geleert.

Kurz zusammengefasst: Laut Staatsanwaltschaft haben die Brüder Osmani im Zusammenspiel mit einem Vorstand und einem Aufsichtsratsmitglied die Volksbank Lauenburg fast in den Konkurs getrieben. Sie haben sich Kredite in Höhe von insgesamt rund 30 Millionen erschlichen, sagt die Anklage. Zwischen 2003 und 2005 soll Burim Osmani in neun, Bashkim Osmani in zwölf Fällen über Strohmänner Kredite ergaunert haben. Sie selbst hätten diese Darlehen nicht bekommen können, ihr Kreditrahmen war längst ausgeschöpft. Also mussten Bekannte und Geschäftspartner ran. Ein Hausmeister, der ein Monatsgehalt von 900 Euro hatte, bekam ein Darlehen in Höhe von mehreren hunderttausend Euro. Lutz R. ein weiterer Bekannter, bekam einen Kredit in Höhe von mehr als zwei Millionen Euro, ein weiterer ein Darlehen in Höhe von knapp zwei Millionen Euro. Das Geld floß laut Anklage gleich weiter zu den Osmani-Brüdern. Burim Osmani soll auf diese Weise rund zehn Millionen, Bashkim Osmani gar 20 Millionen Euro zu Unrecht erhalten haben.

Die beiden Angeklagten arbeiteten laut Anklage mit dem ehemaligen Vorstandschef der Volksbank Carsten Heitmann sowie mit dem Aufsichtsrat Hauke Hillmer zusammen. Die hatten die Scheingeschäfte entgegen der banküblichen Sorgfalt und ohne die vorgeschriebenen Überprüfungen abgeschlossen. Das Geld hatten sie Kellnern, Hausmeistern und Drittliga-Kickern anvertraut, ohne deren Kreditwürdigkeit zu prüfen. In den meisten Fällen hatten diese Immobiliengeschäfte vorgegeben. Ein Kunde wollte angeblich ein Eckgrundstück an der Reeperbahn erwerben, ein anderer ein Hotel in Skopje bauen. Die Liegenschaften aber, so die Staatsanwaltschaft, hatten nicht den behaupteten Wert.

Im Gegenzug hätten die Beschuldigten den Bankern persönliche Vorteile zukommen lassen. Letztlich musste das Lauenburger Kreditinstitut durch Sanierungsmaßnahmen und Ausfallbürgschaften der Bankenaufsicht vor der Zahlungsunfähigkeit bewahrt werden. Heitmann und Hillmer wurden im November vom Landgericht Lübeck wegen schwerer Untreue zu viereinhalb und drei Jahren, neun Monate Haft verurteilt.

Sie hatten ein Geständnis abgelegt. Darin hatten sie eingeräumt, bei der Vergabe von Krediten in Höhe von 17 Millionen Euro keine ausreichenden Sicherheiten verlangt und damit die Gefährdung der Rückzahlungen in Kauf genommen zu haben. Obwohl sie die Mauscheleien eingestanden haben, behaupten die Osmanis, dass sie zu Unrecht angeklagt seien. Rechtsanwalt Thomas Bliwier hat für seinen Mandanten Bashkim Osmani angekündigt, dass der sich im Laufe des Verfahrens umfassend zu den Vorwürfen äußern werde.



Die Osmanis

Der 44-jährige Burim Osmani sitzt seit Mai 2006 in Untersuchungshaft. Ende Februar verurteilte ihn das Landgericht Würzburg zu drei Jahren Haft wegen Beihilfe zum Betrug. Im Jahr 2004 hatte er 33 Seniorenwohnungen zum Schein gekauft, jedoch am selben Tag einen Rückkaufvertrag geschlossen. Der Kaufvertrag wurde einer Bank vorgelegt, die an Osmanis Geschäftspartner einen Kredit in Höhe von mehr als zehn Millionen Euro bewilligte, ohne den Rückkaufvertrag zu kennen. Mindestens 300.000 Euro soll Osmani dafür kassiert haben, befand das Landgericht Würzburg. Nach der Verhaftung seines Bruders hatte sich Bashkim Osmani, der mit internationalem Haftbefehl gesucht wurde, nach Kroatien abgesetzt. Die Staatsanwaltschaft ging von einer Flucht aus, Osmani beteuerte in Interviews stets, er habe dort nur Geschäfte abwickeln wollen. Im Februar stellte er sich den Hamburger Behörden, nachdem sein Anwalt "sicheres Geleit" ausgehandelt hatte. EE

Dieser Artikel ...

ist mir was wert!