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  • 12.11.2008

Nur Schleswig-Holstein ist Energie-Vorbild 

Eine bundesweite Studie über den Ausbau erneuerbarer Energien sieht Schleswig-Holstein in der Spitzengruppe. Während Bremen, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern im Mittelfeld rangieren, hinkt Hamburg hinterher

Vorbildliche Energiepolitik im Norden, die gibt es nur in Schleswig-Holstein. Eine umfangreiche, vom Bundesumweltministerium geförderte Studie sieht nur das nördlichste Bundesland in der Gruppe der Länder, die beim Ausbau erneuerbarer Energien die Nase ganz vorn haben. Im Ranking aller 16 Bundesländer landete Schleswig-Holstein hinter Brandenburg, Baden-Württemberg und Bayern immerhin auf Platz vier.

Überraschend: Das Windland Niedersachsen rangiert nur auf Platz acht, noch eine Position hinter Mecklenburg-Vorpommern. Während die Autoren der Studie Bremen (Platz 11) im unteren "Mittelfeld" einordnen, gehört Hamburg auf Rang 13 zu den "Schlusslichtern" des Vergleichs.

Im Auftrag der Agentur für Erneuerbare Energien (AEE) untersuchten das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) und das Zentrum für Solarenergie- und Wasserstoff-Forschung (ZSW) welche der 16 Bundesländer Vorreiter in Sachen regenerativer Energieversorgung sind. Die umfangreiche Studie bewertet 49 Indikatoren, die Aufschluss über das politische Engagement und die erreichten Erfolge im Bereich einer nachhaltigen Energieproduktion geben. Geprüft wurde auch, wie weit der wirtschaftliche Strukturwandel in Richtung Öko-Energie fortgeschritten ist und wie viele Menschen in diesem Sektor arbeiten.

Schleswig-Holstein besticht dabei vor allem durch eine erfolgreiche Standortpolitik für Unternehmen im Feld der erneuerbaren Energien sowie bei der Erforschung und Entwicklung entsprechender Technik. Das Land erhielt darum die von der AEE im Rahmen der Studie vergebene Auszeichnung bundesweiter "Leitstern" bei "Wirtschaft und Technologie" zu sein. Zahlreiche Unternehmen der Windbranche haben ihren Sitz in Schleswig-Holstein, das bereits 40 Prozent des Energiebedarfs aus Windkraftanlagen deckt.

In Niedersachsen vermissen die Autoren der Studie hingegen vor allem ein ehrgeiziges, differenziertes Energiekonzept der Landesregierung. Zwar seien die Niedersachsen bei der installierten Windenergie-Leistung noch immer ganz vorn, doch stocke der Ausbau dieser Energiequelle seit Anfang des Jahrzehnts.

Auch bei der solaren Stromerzeugung liegt das Land laut Studie nur im Mittelfeld. Niedersachsen investiere zwar allein 30 Prozent der Gesamtausgaben aller 16 Länder in die Forschung und Entwicklung erneuerbarer Energien, doch die Ausbeute dieses hohen Mitteleinsatzes falle vergleichsweise bescheiden aus.

Gleich viermal steht Hamburg ganz am Ende des Rankings. Besonders die solare Wärmegewinnung und Stromerzeugung lässt zu wünschen übrig. Während die Energieerzeugung aus Biomasse einen hohen Stellenwert genießt, sieht es bei dem Einsatz von Pelletanlagen ganz schlecht aus. Auffällig: Obwohl es nirgends weniger Forschungseinrichtungen gibt, die sich mit erneuerbaren Energien befassen, sind in diesem Bereich die Studienmöglichkeiten gut und ist die Anzahl der Patente hoch.

Beides gilt auch für Bremen, wo zudem aber auch die Forschungskapazitäten in diesem Bereich gut ausgebaut sind. Allerdings kritisieren die Verfasser der Untersuchung, dass die amtierende Landesregierung "noch kein Energie- oder Klimaschutzprogramm vorgelegt" hat.

Mecklenburg-Vorpommern besticht durch eine Spitzenposition bei der Nutzung der Regenerativ-Energieträger Wind und Biomasse, ist bei der Erzeugung von Solarstrom allerdings bundesweites Schlusslicht. Obwohl vergleichsweise viele Menschen in der Wind- und Photovoltaikbranche arbeiten, bewerten die Forscher die Ansiedlungsstrategien des Landes für Ökoenergiefirmen als so katastrophal, dass sie MV hier zum Schlusslicht stempeln. MARCO CARINI

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