Das taz Print-Archiv

Hier können Sie in alten taz-Ausgaben blättern:

 

  • 10.12.2011

Hohe Nachfrage zum halben Preis

FRACHT Deutsche Reeder blicken optimistisch in die Zukunft und wollen mehr Ausbildungsplätze schaffen

Die Reeder in Deutschland hoffen nach einem schwierigen Jahr auf bessere Preise für den Schiffstransport. Ein ruinöser Kampf um Marktanteile habe in diesem Jahr die Frachtraten unter ein auskömmliches Niveau gedrückt, sagte Michael Behrendt, Chef der Hamburger Frachtreederei Hapag Lloyd und Präsident des Verbandes Deutscher Reeder (VDR), am Freitag in Hamburg. "Das ist angesichts steigender Ladungsmengen schwer nachvollziehbar und irrational", räumte er ein.

Die Containerschiffe seien bis zu 95 Prozent ausgelastet gewesen. Die Branche habe sich den Ratenverfall selbst zuzuschreiben. "Das ist so, als wenn Apple sagen würde, wir verkaufen das iPhone wegen der hohen Nachfrage zum halben Preis."

Die Rahmenbedingungen für die Schifffahrt seien dennoch sehr gut. Die Weltwirtschaft wachse, der Welthandel und damit der Schiffsverkehr ebenso. Im kommenden Jahr sei mit einem Zuwachs von sieben Prozent zu rechnen.

Die deutschen Reeder seien insgesamt gut aufgestellt, um von dieser Entwicklung überdurchschnittlich zu profitieren. "Es kommen zwar neue Schiffe auf den Markt, aber es wird nicht zu nennenswerten Überkapazitäten kommen", sagte Behrendt. Wachstumspotenzial sehen die Reeder außerdem bei Spezialschiffen, beispielsweise für die Offshore-Windenergie. Ein Problem blieben die hohen Kosten für Treibstoff, der sich um 50 Prozent verteuert hätte.

Die deutsche Handelsflotte, eine der größten der Welt, ist in den vergangenen zwölf Monaten um knapp drei Prozent auf fast 3.800 Schiffe gewachsen. Die Containerschiffsflotte von 1.756 Schiffen mit einer Kapazität von knapp 4,8 Millionen Containern (TEU) nimmt mit Abstand die Spitzenposition in der Welt ein.

Nachdem der Bund beschlossen hat, jährlich 60 Millionen Euro für Ausbildung und Beschäftigung in der Seeschifffahrt bereitzustellen, wollen die Unternehmen weitere Eigenleistungen von 30 Millionen Euro aufbringen. "Wir haben seit 2003 rund 40 Prozent mehr Arbeitsplätze an Land geschaffen, ein Plus von 30 Prozent auf See und die Anzahl der Ausbildungsplätze verdoppelt", sagte Behrendt. "Wir wollen diese Erfolgsgeschichte fortschreiben."  (dpa/taz)

Dieser Artikel ...

ist mir was wert!