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  • 28.02.2009

ERBE UND ERHALT

Der Sündenfall: Gleich nach dem Ende der DDR landeten 3 Millionen druckfrische Bücher auf dem Müll. Die Leipziger Kommissions- und Großbuchhandelsgesellschaft, zentraler DDR-Bücherauslieferer, hatte sie auf die Halde gekippt, darunter Klassiker ebenso wie Bildbände, Lyrik oder Märchenbücher. Nicht nur der Großhandel, auch Privatleute und Bibliotheken trennten sich in dieser Zeit von den gedruckten Hinterlassenschaften der DDR. Die Rede ist von weiteren 80 Millionen Büchern.

Die Initiative: Peter Sodann, damals noch Intendant in Halle, begann 1990, alles zu sammeln, was zwischen dem Kriegsende am 8. Mai 1945 und dem 3. Oktober 1990 in der sowjetisch besetzten Zone, später in der DDR erschienen war. 50.000 Bände umfasste die Sammlung, die er in seinem Theater unterbrachte. Als 2005 Sodanns Intendantenvertrag nicht verlängert wurde, gründete er mit 17 Interessierten in Merseburg den Verein zur Förderung, Erhaltung und Erweiterung einer Sammlung von 1945-1990 im Osten Deutschlands erschienener Literatur (Peter-Sodann-Bibliothek) e. V. Dessen Ziel ist es, eine Präsenzbibliothek aufzubauen.

Die Situation: Der Verein bekam von der Stadt Merseburg einen ehemaligen Kindergarten und eine Turnhalle zur Verfügung gestellt. In der Kita werden die gespendeten Bücher gesichtet, verschlagwortet und katalogisiert. Anschließend werden sie in Kisten verpackt und in einer nahe gelegenen Turnhalle eingelagert. Die Bedingungen für die 250.000 Bücher sind denkbar schlecht, in der Halle herrschen eisige Kälte und 96 Prozent Luftfeuchtigkeit. Noch einen Winter dort würde die DDR-Bibliothek nicht überstehen. AM

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