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  • 28.02.2009

Ein Irak ohne US-Soldaten

Die US-Regierung erklärt, ihre Truppen von 140.000 Soldaten erst bis 2011 aus dem Irak abziehen zu wollen

WASHINGTON taz Die Pläne von Barack Obama zum Truppenrückzug aus dem Irak stießen auch in den Reihen der Demokraten auf Unmut. Nicht nur kündigte der US-Präsident den Rückzug der US-Truppen aus dem Irak in 19 statt in 16 Monaten an. Auf scharfe Kritik stieß auch der Plan, nach dem Abzug der Kampftruppen bis August 2010 weiterhin bis zu 50.000 Soldaten im Irak zu belassen. Das wären über ein Drittel der gegenwärtigen Truppenstärke von rund 140.000 Mann und alles andere als ein vollständiger Rückzug.

Die Parlamentssprecherin der Demokraten, Nancy Pelosi, nannte die Zahl von 50.000 Soldaten "zu hoch". Auch der demokratische Fraktionschef im Senat, Harry Reid, sei unzufrieden, berichteten US-Medien. Der rasche und vollständige Rückzug aus dem Irak war ein zentrales Versprechen Obamas im Wahlkampf gewesen.

Nun sollen etwa 35.000 bis 50.000 Soldaten zur Unterstützung der irakischen Truppen und zum Schutz amerikanischer Einrichtungen im Zweistromland bleiben. Nach den Worten von US-Verteidigungsminister Robert Gates werden sie vor allem die Aufgabe übernehmen, irakische Truppen auszubilden und zu unterstützen. Allerdings sprach Gates auch von Spezialeinsätzen gegen Terroristen. "Es wird eine ganz andere Mission sein, als wir sie jetzt haben", meinte Gates.

Wie es in Fernsehberichten hieß, sollen die verbliebenen rund 50.000 Mann dann etappenweise im Jahr 2011 abgezogen werden. Dezember 2011 - das war auch die Frist, auf die sich George W. Bush und die Regierung in Bagdad für den vollständigen Abzug aller amerikanischen Soldaten geeinigt hatten.

Obama reagiere damit auf die Empfehlungen der Militärführung, hieß es aus Medienberichten. Die Verlängerung der Abmarschfrist um drei Monate diene dazu, die Fortschritte bei der Sicherheitslage im Irak zu festigen. Gegenwärtig unterhalten die USA im Irak rund 140.000 Mann, darunter 14 Kampfbrigaden mit jeweils etwa 4.000 Soldaten und zehntausenden Unterstützungskräften. Medienberichten nach ist die 19-Monate-Frist ein Kompromiss, den Gates und Generalstabschef Michael Mullen dem Präsidenten zur Entscheidung vorgelegt hatten.

ADRIENNE WOLTERSDORF

"Es wird eine ganz andere Mission sein, als wir sie jetzt haben", sagt der Verteidigungsminister

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