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  • 09.06.2011

Christine Lagarde und der IWF

  Strauss-Kahns Fall: Seit 2007 führte der Franzose Dominique Strauss-Kahn den Internationalen Währungsfonds (IWF). Er legte sein Amt am 18. Mai nieder. Am 14. Mai soll er in einem New Yorker Hotelzimmer eine Angestellte aus Guinea sexuell bedrängt haben. Er steht jetzt wegen versuchter Vergewaltigung vor Gericht. Übergangsweise führt der US-Amerikaner John Lipsky, bisher Erster Stellvertreter, die Geschäfte.

  Die Nachfolge: Am 25. Mai meldete Frankreichs 55-jährige Finanzministerin Christine Lagarde ihre Kandidatur für Strauss-Kahns Nachfolge an und erhielt danach die Unterstützung des G-8-Gipfels - der sieben wichtigsten Industrienationen plus Russland. Die Schwellenländer Brasilien, Indien, China und Südafrika sowie andere Nationen sind dagegen. Bislang ist der einzige offizielle Gegenkandidat Mexikos Zentralbankchef Agustín Carstens. Die Frist zur Kandidatenaufstellung läuft am 10. Juni ab. Traditionell wird der IWF seit seiner Gründung 1946 von einem Europäer geführt, die Weltbank von einem US-Amerikaner. Dies wird von den Schwellenländern zunehmend hinterfragt.

  Lagardes Problem: Am Freitag soll eine Richterkommission in Frankreich darüber entschieden werden, ob gegen Lagarde ein Gerichtsverfahren eröffnet wird. Ihr wird in der Affäre Tapie die Veruntreuung öffentlicher Gelder vorgeworfen. Sollte die Klage zulässig sein, wird das Gericht "Cour de justice de la République" den Fall behandeln. Dies ist eine aus zwölf Parlamentariern und drei hochrangigen Berufsrichtern zusammengesetzte Sonderinstanz, die sich um Vergehen von Ministern in Ausübung ihrer Amtstätigkeit kümmert. Ob es am Freitag überhaupt zu einer Entscheidung kommt, ist derzeit offen. (dj, rb)

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