taz: Frau Brockmann, sieht Lily nicht etwas zu heiter aus?
Pamela Brockmann: Die Figur sieht grundsätzlich nicht nach Hunger aus und könnte auch ein fröhliches Kind darstellen. Hier geht es aber nicht um Therapie, sondern es werden Informationen vermittelt. Das klappt auch über Wörter und Gesten. Der Text kommt von einem Erwachsenen, aber mit der Puppe können sich Kinder besser identifizieren und hören eher zu.
Ist das Thema nicht zu ernst für ein Puppenspiel?
Meiner Ansicht nach ist für das Puppenspiel kein Thema zu ernst. Kinder machen sich viel mehr Gedanken, als wir mitbekommen - auch über Krankheit oder Tod. Es kommt also nicht darauf an, die Kinder vor diesen Themen zu schützen, sondern sie richtig zu vermitteln. Das Optimum wäre, wenn Eltern mit ihren Kindern fernsehen und mit ihnen darüber sprechen.
Warum wird gerade das Puppenspiel moralisch aufgeladen, etwa auch beim Kasperle?
Dazu muss man wissen, dass der Ursprungskasper gar nicht so moralisch war. Der hatte sich auch mit Prügeln gewehrt. Im Laufe der Entwicklung des Puppenspiels hat man aber gemerkt, dass diese Form von Wissensvermittlung sehr erfolgreich ist, weil sie den Kindern Spaß macht. So ist dann unter anderem der Polizeikasper entstanden.
INTERVIEW: SEBASTIAN FISCHER
Der Historiker Christian Gerlach hat extrem gewalttätige Gesellschaften untersucht. Sein Ergebnis: Auch die Zivilbevölkerung kann Auslöser von Massengewalt sein.
