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  • 25.09.2009

die wahrheit

Bienen gegen Westerwelle

BUNDESSTICHWAHL Deutschlands Imker und ihre Honigsammler warnen vor Schwarz-Gelb

Wenn Sie zugunsten der deutschen Honigbiene wählen wollen, dann votieren sie am Sonntag auf keinen Fall für die FDP. Obwohl Schwarz-Gelb an sich eine bienenfreundliche Farbe ist, warnt die Imkerei "Honighäuschen" aus Bonn alle Honigfreunde eindringlich vor diesem fatalen Fehler. "Die Imker stellen sich der FDP in den Weg und positionieren sich mit ihren Hinweisen", tönt es kämpferisch aus ihrem Newsletter. Dort erhalten Honigzüchter auch klare Orientierungshilfen, zum Beispiel: "Wer als Imker CDU oder FDP wählt, kann als Türke auch gleich die NPD wählen."

Den Freunden der Hautflügler "gruselt" es vor Schwarz-Gelb, denn sie haben das Zehn-Punkte-Programm der FDP gelesen. "Darin steht, dass die FDP sich stark macht für grüne Gentechnik, ein absolutes Unding für Imker" - höchste Zeit für Aufklärung also, kurz vor der Wahl sollen die Politiker den Stachel im Fleisch spüren. Obwohl die Bestäubungssaison bereits zu Ende ist, schwärmen die Bienenfreunde im ganzen Land aus, um das Volk vor den klebrigen Worten der Politiker zu warnen, insbesondere aber vor Guido, dem Gentechniklobbyisten und seiner zuckersüßen Komplizin Angela …

Um dem Ernst ihres Anliegens Nachdruck zu verleihen, ist der FDP-Mann zurzeit als "Bannmaske" im Internet bei honighaeuschen.de ausgestellt. Besondere Kennzeichen: kleine Hörnchen aus genmanipuliertem Mais auf der Stirn und Heuschrecken auf den Brillengläsern. Wer Sinn und Zweck der Politikerfratze noch nicht verstanden hat, den klärt der Bienenfachmann auf: "Bienen werden gebraucht, Heuschrecken weniger." Die "Bannmaske" dient dem traditionsbewussten Imker nicht umsonst als Wahlkampfinstrument. Schließlich ist sie unverzichtbares Utensil des Bienen-Schutzheiligen Ambrosius. Der hält von alters her alles Übel vom Bienenstock fern - also auch, so hoffen die Imker, die emsigen Vertreter der FDP, die das Wahlvolk umschwirren und ihm Lügen über die Wohltaten der Gentechnik ins Ohr summen.

Dass Politiker die Imkerinteressen künftig ernster nehmen müssen, beweisen andere spektakuläre Aktionen. So nahm zum Beispiel ein Bonner Imker mit 30.000 Honigbienen an einer SPD-Wahlveranstaltung in der Bundesstadt teil. Als er und sein summender Bienenstock am Einlass misstrauisch begutachtet wurden, verkündete er, er wolle ein Zeichen setzen, verteilte Honigtöpfchen und Schutzkleidung an die verdutzten SPD-Anhänger und ließ seine Bienen zugunsten von Rot-Grün in den Nachthimmel fliegen.

Um politisch sauber zu bleiben, räuchern die Bienenzüchter nun auch die eigenen Reihen aus. Besonders Angehörige der FDP sollten das Weite suchen, bevor die Honigzüchter ihren Killerinstinkt voll ausbilden. So wird im Imkerbrief mitgeteilt, dass bereits ein Landesverband des Deutschen Imkerbunds - bisher von einem FDP-Mitglied geführt - kurz vor der "Umweiselung" steht. In der Imkersprache heißt das: Die alte Bienenkönigin wird wegen Unfruchtbarkeit vorzeitig entlassen. AGNES STEINBAUER

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