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  • 30.09.2011

die wahrheit

DAS WETTER: DER GENERALDIREKTOR

Der Generaldirektor war ein strenger, aber gerechter Mann mit ausgezeichneten Manieren. Sein maßgeschneiderter Anzug saß an ihm wie eine zweite Haut. Sein Scheitel war schnurgerade gezogen, die Brille blitzblank geputzt, sein Schnurrbart ordentlich gestutzt und gezwirbelt, und seine Schuhe waren stets auf Hochlack poliert. Der Generaldirektor besaß vollendete Umgangsformen und behandelte alle Menschen höflich und respektvoll, nie konnte man ihn bei einem Verstoß gegen die Etikette ertappen. Sein Händedruck war sanft, aber fest, ebenso wie seine Stimme. Jedermann achtete ihn, und er wurde zu den elegantesten und exklusivsten Bällen und Empfängen eingeladen. Die Frauen schmachteten ihn voller Begehr an, und die Mädchen wünschten ihn sich zum Vater. Aber wehe, wehe, wenn er allein war. Kaum, dass sich die Tür seines Hauses hinter ihm geschlossen hatte, warf er sich in Unterhemd und Unterhose aufs Sofa, soff literweise Dosenbier, rülpste und furzte und schaute Pornos. So war er halt auch, der Generaldirektor.

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