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  • 14.10.2011

Körperteile gesucht

Finanzielle Anreize zu Organspenden

In Großbritannien wird nach Wegen gesucht, die Bereitschaft der Bevölkerung zu erhöhen, Körperteile zu spenden. Die Nachfrage von Forschern und Ärzten nach Blut, Spermien, Eizellen, Gewebe oder Organen übersteigt das Angebot. Das einflussreiche britische Bioethikgremium Nuffield Council on Bioethics hat deshalb jetzt vorgeschlagen, dass die Kosten für die Beerdigung von Spendern übernommen werden sollen. Mit einem solchen Angebot könne die Zahl der Organspender deutlich erhöht werden, und das sei dringend nötig, heißt es in dem Bericht des Nuffield Council.

Die Regelung könnte demnach so aussehen: Wer sich auf die Liste für eine Organspende im Todesfall setzen lässt und unter Umständen stirbt, unter denen eine Spende möglich ist, dessen Beerdigung sollte über das staatliche Gesundheitssystem bezahlt werden. Für die Beerdigungen von Organspendern zu zahlen wäre ethisch unbedenklich - "es wäre auch eine Anerkennung durch die Gesellschaft", sagte die Leiterin der Untersuchung, Professorin Marilyn Strathern. Um die Reaktion der Öffentlichkeit zu testen, empfiehlt der Rat ein Versuchsprogramm.

Patientenvertretungen kritisierten den Vorschlag. Kranke Menschen könnten sich dadurch verpflichtet fühlen, sich zur Organspende bereit zu erklären, um ihren Familien Kosten zu ersparen, sagte Roger Goss von der Organisation Patient Concern. Es sei erschreckend, dass das Gremium einfach davon ausgehe, ein solcher Schritt sei ethisch unbedenklich, und ausschließlich die Frage stelle, ob auf diesem Weg mehr Spender gewonnen werden könnten.

Man begrüße den Beitrag des Rates zur Diskussion um Organspenden, hieß es in einer Mitteilung der Gesundheitsbehörde. Dieser müsse aber ausführlich geprüft werden. Der Vorschlag gehört zu einem Bericht, den das Nuffield Council nach einer 18-monatigen Untersuchung herausgegeben hat. Dabei ging es darum, wie Menschen auf ethisch unbedenklichem Weg dazu bewegt werden könnten, mehr Körperbestandteile zur Verfügung zu stellen. Wie in Deutschland wird die lange Warteliste von Organempfängern angeführt, um die Anreize zur Erhöhung der Spendenbereitschaft zu rechtfertigen. In Großbritannien warteten rund 8.000 Menschen auf ein Spenderorgan, hieß es. DPA/WLF