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  • 19.04.2013

Streit über Genpatente

KREBSGENE Myriad-Patente vor US-Gericht

Der Grundsatzstreit über die Zulässigkeit der Patentierung menschlichen Erbguts ist vor dem obersten Gerichtshof der USA gelandet. Das Gericht berät derzeit, ob das Privatunternehmen Myriad Genetics einen Test auf erhöhte Brust- oder Eierstockkrebsanfälligkeit exklusiv vermarkten darf, weil es die Patente auf krebsauslösende Gene besitzt. Geklagt hatte die Bürgerrechtsbewegung American Civil Liberties Union (ACLU) mit der Unterstützung von mehr als 150.000 Genforschern, Ärzten und Laborangestellten.

Der Streit über die Patentierbarkeit von einzelnen Genen schwelt schon, seitdem damit begonnen wurde, die Erbinformationen zu sequenzieren. Inzwischen sind schon auf ein Fünftel der 24.000 menschlichen Gene Patentansprüche angemeldet worden. Im aktuellen Fall geht es um die Gene mit den Abkürzungen BRCA1 und BRCA2, die Brust- oder Eierstockkrebs auslösen können und die Myriad Genetics 1998 patentieren ließ.

Für die Gentests fordert das Unternehmen Lizenzgebühren in Höhe von 3.000 bis 4.000 Dollar. Es argumentiert, es habe nur wegen der Aussicht auf gute Gewinne die hohen Kosten für die Dekodierung der Gene und die Entwicklung der Tests tragen können. Kritiker werfen Myriad Genetics hingegen vor, die Erforschung der Gene durch andere Institutionen zu blockieren und damit die Tests für eine Vielzahl von Patienten unerschwinglich zu machen.

Das Urteil des Supreme Court soll im Juni fallen. Es dürfte Auswirkungen auf zahlreiche Bereiche der Gentechnik und Medizin haben, denn auch für den Umgang mit vielen Krebsarten und anderen Krankheiten wurden Patentverfahren angemeldet.

Mehrere Richter ließen in der ersten Anhörung Anfang dieser Woche erkennen, dass sie Patente auf menschliche Gene nicht für sinnvoll halten. Richterin Elena Kagan warf die Frage auf, ob es möglich wäre, eine Pflanze im Amazonas-Becken zu patentieren, nur weil sie so schwer zu entdecken sei. Die Richterin Sonia Sotomayor sagte, sie könne sich ein Patentverfahren für ein bestimmtes Plätzchen-Rezept vorstellen, "nicht jedoch für Salz, Mehl und Eier".

Der von Myriad engagierte Anwalt Gregory Castanias war damit überhaupt nicht einverstanden. Er meinte, Gene seien aus seiner Sicht ein "menschliches Konstrukt". Sie seien somit auch patentierbar. AFP, WLF