Das taz Print-Archiv

Hier können Sie in alten taz-Ausgaben blättern:

 

  • 03.08.2009

Der Kranich wächst

LUFTVERKEHR EU gibt grünes Licht für Großkauf: Lufthansa darf die Austrian Airlines schlucken

BRÜSSEL dpa | Der Weg ist frei: Nach zähen Verhandlungen hat die Europäische Union grünes Licht für die Übernahme der angeschlagenen österreichischen Fluglinie Austrian Airlines (AUA) durch die Lufthansa signalisiert. EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes kündigte an, ihren Kommissarskollegen Zustimmung zu der kurz zuvor nachgebesserten Offerte vorzuschlagen. Damit kann die Lufthansa nach der Übernahme der belgischen Brussels Airlines ihren Expansionskurs fortsetzen.

Nach dem ursprünglichen Übernahmeangebot der Lufthansa hatte sich Kroes besorgt über den Wettbewerb und damit das Preisniveau auf einigen Strecken von und nach Wien geäußert. Die Brüsseler Behörde führte außerdem Gespräche mit Konkurrenten. Lufthansa habe schließlich "ein verbessertes Angebot vorgelegt, um die wettbewerbsrechtlichen Bedenken in diesem Fall auszuräumen", erklärten die Wettbewerbshüter. Welche Nachbesserungen die Lufthansa genau angeboten hat, wurde zunächst nicht bekannt. Grundsätzlich dürfte es beispielsweise um die Aufgabe von Start-und-Lande-Rechten ("Slots") gehen. Der Preis für die Komplettübernahme der AUA von bis zu 382 Millionen Euro ist nur dann fällig, wenn sich die erwarteten wirtschaftlichen Erfolge einstellen. Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber sagte, die EU-Kommission "untermauert damit ihre Strategie, der europäischen Luftfahrt eine Chance zu geben, im globalen Wettbewerb langfristig bestehen zu können".

Österreichs Finanzminister Josef Pröll sprach von einem wirtschaftspolitischen Meilenstein. Allerdings werde über die zu Beginn der Verhandlungen festgesetzten 500 Millionen Euro Zuschuss hinaus kein Steuergeld für den Verkauf eingesetzt.

Der Wiener Flughafen macht sich derweil Hoffnungen, für die Lufthansa nach dem AUA-Kauf der Knotenpunkt für Flüge nach Osteuropa zu sein. "Wir gehen davon aus, dass wir einer der vier Hubs sein werden, neben Frankfurt, München und Zürich", sagte Vorstandssprecher Herbert Kaufmann. Die AUA hatte über die Drehscheibe Wien ein ausgedehntes Streckennetz nach Ost- und Südosteuropa aufgebaut. Die Lufthansa ist mit mehr als 100.000 Beschäftigten eine der größten Fluggesellschaften der Welt und hat mehr als 500 Flugzeuge in der Konzernflotte. Austrian Airlines mit rund 8.000 Mitarbeiter verfügt über rund 100 Flugzeuge. AUA hatte 2008 rund 10,7 Millionen Fluggäste, Lufthansa zählte 70,5 Millionen Passagiere.

Dieser Artikel ...

ist mir was wert!