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  • 28.05.2011

Ehec-Krise noch nicht vorbei: weitere Tote

ERNÄHRUNG Inzwischen fünf bestätigte Todesfälle und neue Infektionen mit dem Darmkeim. Unklar bleibt, wo Gurken aus Spanien verseucht wurden. Verkauf fand in konventionellen Läden und in Bio-Fachgeschäften statt

VON JOST MAURIN

BERLIN taz | Der gefährliche Ehec-Erreger breitet sich weiter aus. Und trotz erster Spuren zu einer Quelle des aktuellen Ausbruchs haben die Behörden immer noch keine Klarheit über Ursache und Übertragungsweg. Am Freitag starb in einem Bremer Krankenhaus eine nachweislich angesteckte Seniorin aus Cuxhaven, wie Niedersachsens Gesundheitsministerium mitteilte. Damit steigt die Zahl der Toten im Zusammenhang mit Ehec auf sechs. Bei fünf davon ist bereits bestätigt, dass der Keim die Todesursache war.

Auch die Zahl der Patienten mit der schwersten Komplikation der Ehec-Erkrankung, dem hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS), nahm erneut zu: an einem Tag um etwa 60 auf 276, wie das bundeseigene Robert-Koch-Institut berichtete. Normalerweise gibt es in einem ganzen Jahr 65 Fälle. HUS-Patienten leiden unter Nierenversagen und blutigem Durchfall.

Schwerpunkt bleibt Hamburg, wo laut Gesundheitsbehörde nun 400 Ehec-Infektionen und Verdachtsfälle registriert sind. "Die Hoffnung, dass der Höhepunkt der Erkrankungswelle erreicht ist, erfüllt sich leider nicht", sagte Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks. Hamburg könne an Wochenenden nur noch mithilfe anderer Bundesländer die Versorgung neuer Fälle sicherstellen.

Das Robert-Koch-Institut und das Bundesinstitut für Risikobewertung warnen weiter davor, Tomaten, Gurken oder Blattsalate roh zu essen. Denn viele HUS-Patienten hatten diese Gemüse besonders häufig verzehrt. Am Donnerstag hatten die Behörden bekannt gegeben, dass sie den Erreger auf drei spanischen Salatgurken und einer aus den Niederlanden gelieferten gefunden hätten. Viele Supermärkte nahmen daraufhin alle spanischen Gurken aus dem Sortiment. Medien berichteten, der Erreger komme aus dem Land.

Doch bisher sei nicht erwiesen, wo die Gurken kontaminiert wurden, sagte ein Sprecher der EU-Kommission, die sich eingeschaltet hat. "Es kann auch beim Be- und Entladen sowie beim Transport passiert sein." Deshalb ist immer noch eine Verseuchung in Deutschland möglich.

Die beiden spanischen Lieferanten der positiv getesteten Gurken erklärten der taz, sie hätten bei Tests keine Ehec-Erreger auf ihren Gurken gefunden. "Mit Gülle wird hier nirgends gedüngt", sagte Enrique Vargas, der das betroffene Unternehmen Costa de Almería (Marke: Hortofrutícola) leitet. Wer einmal in den Folienzelten in der spanischen Provinz Almería war, kann das bestätigen. Die Pflanzen werden mit Schläuchen Tropfen für Tropfen direkt an der Wurzel mit Nährlösung gedüngt. Eine Gurke, die in Gülle liegt - so etwas gibt es in Almería nicht. Gülle wird als möglicher Überträger des Keims genannt, den besonders Wiederkäuer tragen.

Einer der deutschen Abnehmer, der Hamburger Biogroßhändler Behncken's Vierländer Gemüsestand, bestätigte der taz, dass eine positiv getestete Lieferung von insgesamt rund 2.000 Gurken bei ihm beschädigt ankam. Es war gemutmaßt worden, dass die Gurken deshalb kontaminiert wurden. Die Gesundheitsbehörde schloss das aber aus, weil auch Proben anderer Großhändler positiv waren.

Geschäftsführer Uwe Behncken hatte die betroffene Charge nach eigenen Angaben an etwa 50 Biofachhändler geliefert - die meisten in Norddeutschland, zwei in Dänemark.

Mitarbeit: R. Wandler, Madrid

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