8.400 Gaslaternen werden peu à peu durch Stromleuchten ersetzt, die wesentlich billiger und umweltfreundlicher sein sollen. Die Freunde der alten Laternen sind entsetzt. VON ADÉLA JUREÈKOVÁ
Die 44.000 Gaslaternen gehören zu den Besonderheiten Berlins - aber es werden immer weniger Foto: DPA
Für die Freunde der altmodischen Gaslaterne gibt es eine gute und eine schlechte Nachricht. Die Schlechte: Bis 2015 werden laut einem Senatsbeschluss 8.400 Peitschenmaste, auch Gasreihenleuchten genannt, durch strombetriebene Straßenlaternen ersetzt, die deutlich niedrigere Energie- und Wartungskosten verursachen. Die gute Nachricht: An der TU werden gerade Leuchtdioden entwickelt, die das goldgelbe Gaslicht imitieren.
Die 44.000 Gaslaternen gehören zu den Besonderheiten Berlins. Mehr als die Hälfte der europaweit noch mit Gas betriebenen Lampen beleuchtet die Hauptstadt und verleiht ihr eine verträumte, aber immer seltenere Atmosphäre. Die meisten Straßenlaternen in Berlin, rund 186.000, werden mit Strom betrieben.
Die Gaslaternen markieren die Frontlinie im Kampf zwischen der Romantik des Vergangenen und dem Pragmatismus der Gegenwart. Bettina Grimm von der Initiative Pro Gaslicht ist davon überzeugt, dass Gaslaternen das angenehmste und qualitativ hochwertigste Licht werfen. "In Berlin gehören sie außerdem zum kulturellen Erbe und stiften Identität", betont sie.
Die wirtschaftlichen Argumente, die für Strom sprechen, wiegen beim Senat jedoch schwerer. Marko Rosteck, Sprecher der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, zählt sie auf: Elektroleuchten seien so viel sparsamer, dass sich die 25 Millionen Euro, die der Senat in den Umbau zu investieren plant, in fünf bis sechs Jahren amortisieren würden. Darüber hinaus seien sie viel umweltfreundlicher: Allein durch den Austausch der 8.400 Peitschenmaste sollen 9.200 Tonnen Kohlendioxid jährlich eingespart werden. Grimm dagegen ist überzeugt, dass die Zahlen nicht realistisch sind. "Die Strompreise schießen in die Höhe, auch der Umbau wird sicher mehr kosten."
Eine Hoffnung darauf, dass man sowohl den Anforderungen an die Lichtfarbe als auch denen ans Budget gerecht werden könnte, bieten die Leuchtdioden.
Stephan Völker vom Fachgebiet Lichttechnik an der TU Berlin hat sich an ihrer Entwicklung beteiligt. "Wir haben den Prototyp einer ,LED-Gasleuchte' für Berlin entwickelt, die das gleiche goldgelbe Licht wirft wie Gas, aber viel effizienter ist", erklärt er. "Die können direkt in die historischen Laternen eingebaut werden." Wofür die Gasleuchte 1.250 Watt brauche, leiste eine LED-Leuchte mit nur 70 Watt. "Es ist so, als würden Sie eine Dampflok mit einem Hochgeschwindigkeitszug vergleichen." Anfang April wird ein Prototyp der LED-Laterne vorgestellt. Als nächstes wird dann eine Musterstraße mit den neuen Dioden beleuchtet.
Offen bleibt allerdings die Frage, was danach kommt. Selbst wenn das Licht bei den Berlinern gut ankommt, wird es wahrscheinlich nur sehr begrenzt eingesetzt. Der Grund: Die Leuchtdioden sind zu teuer. "Die mit LEDs ausgestatteten Laternen werden wohl zu keinem Massenphänomen. Man wird die Leuchten eher in repräsentativen Gebieten einsetzen", vermutet Völker.
Die Initiative Pro Gaslicht zeigt sich den Dioden gegenüber skeptisch. "Wir haben noch nie LEDs gesehen, die das gleiche Licht geben würden wie Gas. Es geht auch nicht darum, die Gaslaternen auszunehmen und etwas Neues hineinzusetzen. Wir wollen, dass sie erhalten werden", sagt Grimm.
Während Berlin aufs Sparen durch moderne Technologien setzt, werden in anderen Städten Europas neue Gaslaternen aufgestellt. So sind in Prag in den letzten Jahren etwa 400 neue Laternen angezündet worden, weitere sollen folgen. Die Technologie dafür kommt aus Berlin - von der Mariendorfer Firma Braun.
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Leserkommentare (2)
16.10.2009, 16:08 | André Braun:
In Berlin ist eine Firma die sich mit der Umrüstung von Gasleuchten beschäftigt....
12.03.459, 12:50 | Uwe Isenbügel:
LEDs in historischen Leuchten / Ersatz für Gaslicht Sehr geehrte Damen und He...