Letztens waren BudZillus sogar im Fernsehen. Gut, es war ZDF neo. Und sie kamen auch nur als Überraschung aus einem Schrank. Aber erstens war es ein großer Schrank, denn immerhin bot er offensichtlich sechs Musikern und ihren Instrumenten ausreichend Platz. Und zweitens machten BudZillus mindestens so viel Stimmung wie der ebenfalls anwesende Hellmuth Karasek, obwohl der gar nicht über Literatur sprach, sondern nur einen Witz nach dem anderen aufsagte.
Beides, Karasek und BudZillus, war auf jeden Fall und vor allem: gute Unterhaltung. Und warum auch nicht. Schließlich bringt die schon 2005 gegründete Berliner Band auch auf ihrem neuen Album, "Auf Gedeih und Verderb", mal wieder auf den Punkt, was mittlerweile ein recht sicheres Rezept zur Verbesserung der Gemütsverfassung ist - Tanzbares mit osteuropäischem oder auch mal jamaikanischem Einschlag, verziert mit verständlichen deutschen Texten und ausgestattet mit einer grundsätzlich positiven Botschaft, die aber mit ein wenig modischer Melancholie abgedämpft wird, sobald es gar zu gut gelaunt wird. Dazu, ein latentes Fernweh bedienend, ein paar Surfharmonien, den Klezmer für die gepflegte Wehmut und, damit die Omas nicht auch noch mitkommen wollen, eine überschaubare Dosis einer aus der Punktradition stammenden Rotzigkeit.
Allerhand auf einmal
Schon richtig. Das ist allerhand auf einmal. Es fügt sich aber erstaunlich symbiotisch zueinander. Und funktioniert vor allem auf der Bühne natürlich hervorragend. Die Humpta-hoppel-Rhythmen, die bei BudZillus von Kristian Zeppelins tiefergelegtem Kontrabassbanjo und den allgegenwärtigen Bläsersätzen systematisch abgestützt werden, setzen noch den motorisch Allerunbegabtesten in Bewegung.
Folgerichtig handeln manche Songs auf diesem zweiten Album von nichts weiter als der Musik und ihren Voraussetzungen und Wirkungen. "Wir spiel'n weiter / Wir spiel'n einfach weiter", versprechen sie. Oder: "Was auch passiert, was auch geschieht / Was uns bleibt, ist dieses Lied." Es geht also um kaum mehr als um Selbstvergewisserung, Verbrüderung mit dem Publikum und - an anderer Stelle - um bloßes Anfeuern: "Hoi, hoi, hoi".
Das ist konsequent, aber wiederum auch nicht alles. Der Rest der Lieder beschäftigt sich zwar nicht eben mit allzu ernsthaften Themen, sondern mit Heimweh und vollen Hosen, mit der blöden Erwerbsarbeit und anderen doofen Dingen, mit denen man sich so rumschlagen darf. Wenn es dann doch etwas ernsthafter werden soll, flüchten BudZillus allerdings gern ins Englische: "The Ship Is Sinkin' " ist nahezu gesellschaftskritisch interpretierbar. Der Songtitel "I.H.I.E.I.H." steht für "I hope I end in hell". Im dazugehörigen Song geht es um die Überforderung durch das ganz alltägliche Leben. Aber um das auszuhalten, dazu ist die Musik von BudZillus mit ihrem Extremeskapismusangebot natürlich hervorragend geeignet.
Denn, seien wir ehrlich: BudZillus spielen uns noch einmal die Russendisko, allerdings aufbereitet für die deutsche Mainstreamgesellschaft. Ohne die peinigenden Klagelieder fehlt die depressive russische Seele. Was dann übrig bleibt, ist ein Soundtrack, der jede Miesepetrigkeit noch effektiver vertreibt, als es selbst ein Witze erzählender Hellmuth Karasek jemals könnte. THOMAS WINKLER
Die Musik von BudZillus vertreibt Miesepetrigkeit sehr effektiv
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