KOLUMNE VON CHRISTOPH BIERMANN
"Peter Hein ist der Ewald Lienen des Punk", ist ein schöner Satz, gegen den nicht einmal Peter Hein Einspruch erhebt. Vielleicht liegt das daran, dass er nichts gegen einen guten Slogan hat, seit er für die Fehlfarben einen längst historischen erfunden hat: "Keine Atempause, Geschichte wird gemacht. Es geht voran!" Außerdem ist Lienen für Hein immer noch "Zettel-Ewald", und er selbst würde auch immer mit Zetteln hantieren. Stimmt, auf der Bühne des Blue Shell in Köln entfaltete es einen ganz eigenen Charme, als der Sänger nicht mehr so ganz textsicher das Begleitheft zur CD herausholen muss, um einen Text zu singen. Wobei Peter Hein auch noch eine Brille aufsetzt, die verblüffende Ähnlichkeit mit dem Modell hat, das Ewald Lienen trägt, wenn er herausfinden möchte, was eigentlich auf seinen Zetteln steht.
Konzerte mit Bands, die es schon ganz lange gibt, haben mitunter etwas Gruseliges, und das ist bei Family 5, die zum ersten Mal vor 26 Jahren auftraten, nicht anders. Die Band ist immer noch erstaunlich frisch und angenehm selbstironisch, ein Teil ihres Publikums jedoch ist etwas zu dick geworden und gönnt sich bei den Songs von Family 5 einen seltsamen Trip in eine bessere Zeit - die Vergangenheit. Und um die Kumpel zu Hause auch daran teilhaben zu lassen, rufen sie kichernd an und halten das Mobiltelefon hoch.
An der Theke steht einer im Sweatshirt des FC Schalke 04 und sagt einen Satz, von dem man glaubt, dass er durch den Time-Tunnel ins Jahr 2008 gerutscht ist: "Samstag spielen die Mimmis im Okie Dokie." Wozu man erklären muss, dass besagtes Okie Dokie vor sehr vielen Jahren ein ziemlich legendärer Punktreff in Neuss war und die Mimmis eine so genannte Funpunk-Band, die auch einen hübschen Werder-Bremen-Verherrlichungssong im Programm hatten. Family 5 indes spielte ihren einzigen Fußballsong nicht. Auch dieser huldigt einem Klub, der jedoch anders als die Richtigmacher von der Weser das Scheitern zur Kunstform erhoben hat: "Fortuna".
Gemeint ist Fortuna Düsseldorf, vor gut einem Jahrzehnt mal meistbesungener Klub des Landes. Das lag daran, dass Fortuna und Punk vor Ort verschwippschwägert waren. In Düsseldorf verehrten die lokalen Bands gerne Johnny Thunders und The Clash, Fußball und Bier (während ein paar Kilometer rheinaufwärts in Köln etwa minimales Geplucker aus dem Computer bevorzugt wurde und die Fußballsongs den Karnevalsbands überlassen wurden). Außerdem passte Fortuna ganz gut in eine Zeit, als der Trotz des Undergrounds, generelle Bockigkeit und das Motiv des Scheiterns noch einigermaßen interessant waren und die Sieger die kulturelle Lufthoheit noch nicht übernommen hatten.
Später gerieten Peter Hein, Ewald Lienen und Fortuna Düsseldorf etwas aus der Sicht, und man konnte das bedauern, selbst wenn man nicht immer ihrer Meinung war. Wenn man sich also von Lienen nicht erklären lassen wollte, was man zu essen, zu trinken oder zu rauchen hatte. Wenn man Techno mit Peter Hein nicht für Teufelszeug halten mochte und wenn einem Fortuna Düsseldorf mit seiner ganzen Unfähigkeit, eine vernünftige Mannschaft zusammenzustellen, genauso auf die Nerven ging wie der teilweise ähnlich strukturierte FC St. Pauli.
Doch inzwischen ist es selbst an einem Abend mit dicken Männern, die etwas zu sehnsuchtsvoll alte Hits mitsingen, Grusel hin oder her, schon wieder ganz in Ordnung. Fortuna Düsseldorf spielt nun in einem Stadion, das mit seinen bunten Sitzen zwar aussieht wie ein Ikea-Kinderparadies, wird demnächst aber vielleicht ja doch mal zumindest in die zweite Liga geboxt. Ewald Lienen hat einen Athener Klub namens Panionios bis in den Uefa-Cup geführt, und Peter Hein liest nicht mehr nur Zettel ab, sondern auch aus seinem ersten Buch vor. Die Bilanz könnte schlechter ausfallen. Außerdem kann man sich in diesem Zusammenhang auch an eine Zeile aus "Fortuna" erinnern. "Es wird doch nicht besser, wenn wir zu Hause bleiben", heißt es da, und das gilt schließlich nicht nur für Fußball.
Am Münchner Hauptbahnhof gibt es eine Schule, die keine Schule ist, die kein Geld vom Land bekommt – und die mit Jugendlichen lernt, die kein Recht auf Bildung haben.von FELIX MÜLLER

... nicht mehr Hartz IV, so will es Ministerin von der Leyen. Der neue Name soll "von unten" kommen. taz.de macht schon mal ein paar Vorschläge.

Wie jetzt, mit 17 schon alles erreicht? Milliarden gemacht, Romane geschrieben und die Charts geknackt? Auf wen wir wirklich neidisch sind.

Ein Jahr Obama: Nicht nur die Weltpolitik ist seine Bühne. Jetzt gibt es tatsächlich ein Obama-Musical.

Wär doch schade, wir hätten sie nicht notiert...


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