In den Niederlanden muss sich der Besitzer des landesweit größten Coffee-Shops vor Gericht verantworten – bei einer Razzia waren 230 Kilo Cannabis gefunden worden, erlaubt sind 500 Gramm.
Seit Balkenende gilt das "deutsche Prinzip" in der holländischen Politik: "wir haben ein Problem? Verbieten wir's!" Der Einkauf von Marihuana ist nach wie vor verboten, was bleibt den Betreibern legaler Coffeeshops übrig, als sich illegaler Quellen zu bedienen? In der Gemeinde Eindhoven wurde zwar darüber nachgedacht, Hanf selbst anzubauen, um diesen schizophrenen Zustand zu beenden, aber man fürchtete die Folgen in der EU (Sarkozys Tobsuchtsanfälle oder sowas) und kniff den Schwanz wieder ein. Seit neuestem wird stattdessen in der Grenzregion zu Deutschland diskutiert, folgende Regeln einzuführen: maximal 3g pro Besucher und Tag, das ausschliesslich an angemeldete Kunden aus der eigenen Gemeinde, Bezahlung nur gegen Kreditkarte. So bekommt keiner der bösen Belgier und Deutschen etwas ab, und der Drogentourismus wird verschwinden. Denkt man sich so. Tatsächlich wird er nur verlagert. Das war's dann wohl mit der Tolerierung. Welcher Kiffer, der sich noch nicht das letzte Neurönchen seines Hirns weggekifft hat, wird da wohl mitmachen? Man merkt schon heute, dass der deutlich restriktivere Umgang mit Drogen dazu führt, dass sich die Kriminellen die Hände reiben, die sogenannten Runners laufen durch die Strassen der Grenzstädte und passen die Drogen suchenden Besucher ab, um sie weg von den legalen hin zu den eigenen Verkaufsstellen zu lotsen. Die Trennung weicher und harter Drogen ist damit hinfällig, weil man in den illegalen Kaschemmen eben auch deutlich mehr Profit versprechendes bekommt, sprich: Koks z.B. Am Ende werden die Verhältnisse in NL sich denen in Deutschland annähern. Vier Prozent User in der Bevölkerung werden dann die Kriminalitätsraten um genau denselben Prozentsatz erhöhen. Und Kriminelle hat man ja nie genug. Drogen verbieten, ein wirklich toller Trick, und wie man aus der Geschichte weiss, hat der ja auch schon immer vorzüglich funktioniert.
03.11.2009 16:43 Uhr:
von aso:
@ sire: Solche Gedankenspiele hätte zur Folge, daß ein Schwarzmarkt in der Nähe der Shops für Ausländer entstünde...worauf die Anwohner sicher gern verzichten würden...
Die Politiker sind in der Tat irre: In Zeiten leerer Kassen werden Steuermillionen verschenkt...die woanders wiederum wegen der Kriminalisierung verpulvert werden...
Robert Crumb: Das ganze Universum ist komplett wahnsinnig...
03.11.2009 15:55 Uhr:
von Phil:
@Julia is mir schon klar. war jetzt auch nicht unbedingt spezifisch auf diesen einen artikel gemünzt, hab eben nur beim überfliegen diese zwei dinger gefunden. das passiert ja nicht nur euch. hab mal in einer knapp 10-zeiligen meldung in der printausgabe (!) der sz sage und schreibe 5 rechtschreib- bzw. grammatikfehler gefunden. war allerdings im sportteil (grins). ich ärgere mich nur immer wahnsinnig, dass mittlerweile scheinbar nicht mehr genug zeit vorhanden ist, artikel ordentlich korrektur zu lesen. ich bin da vielliecht auch etwas zu pingelig, aber bei leuten wie mir, die immer noch wert auf qualitätszeitungen legen und der deutschen rechtschreibung halbwegs mächtig sind (zugegeben hier gerade nicht ;-) leidet darunter auch das ansehen des seriösen journalismus insgesamt. sorry, eigentlich voll am inhaltlichen thema des artikels vorbei, mußt ich hier aber jetzt mal los werden, gerade weil ich taz.de eigentlich ganz gern les.
03.11.2009 15:35 Uhr:
von julia seeliger:
@Phil Danke für deine Anmerkung. Verstehe bitte aber auch, dass wir hier bei taz.de nicht optimal ausgestattet sind und dass so etwas auch mal passieren kann - gerade, wenn man in Eile Agenturmeldungen mit Faktenfehlern bekommt und diese dann noch inhaltlich anfüttern muss (weil die Agenturen das offenbar nicht hinkriegen, drogenpolitisch kompetente Berichterstattung zu liefern)
03.11.2009 15:26 Uhr:
von southtexaner:
hallo,
@sire wurde schon versucht, scheiterte an der holländischen verfassung (oder das pendant dazu), wäre eine diskriminierung von ausländern, es gab einen prozess in den 90ern dazu, u.a. deswegen wurde dann die 5 gramm grenze eingeführt, damit die niederländischen behörden zumindest ne handhabe gegen die ausländer haben die mehr kaufen ( was meist kein problem darstellt, weil ich kann ja in verschieden shops gehen um mir nen grösseren vorrat zuzulegen, was meistens nichtmal notwendig ist) wäre übrigends schön wenn da mal ne neue liberalisierungsdiskusion um das thema entstehen würde, seit wolfgang neskowitschs urteil 1992 (?) ist da nicht mehr viel passiert weder in D noch in Frankreich oder belgien
@atollo es gibt keine direkten steuern auf hasch und gras weil der verkauf ist ja illegal und auf illegale produkte darf man keine steuern nehmen . meines wissens nach bezahlen die betreiber ne abgabe der sich nach ihrem kaffeeverbrauch richtet daher auch der namen: kaffeeshop
@alle gibt das hanf endlich frei (nicht dulden, erlauben!) , gerne mit steuern und altersbegrenzung! southtexaner
03.11.2009 15:23 Uhr:
von Phil:
Mensch Leute, redigiert doch mal eure Artikel ordentlich! Das nervt!
"Im Rahmen des seit mehr als 30 Jahre(n) laufenden Modellversuchs..."
"In den meisten Kommunen darf ein Coffee-Shop bis zu 500 Gramm Cannabis lagern und bis zu fünf Gramm pro Person und Tag (zu) verkaufen."
03.11.2009 14:36 Uhr:
von olle:
@sire:
>Lösung: Verkauf nur an Einheimische nach >Legitimierung per Ausweis oder Pass, "Belgier >und Franzosen" [sonst noch jemand?] eröffnen >dann eben eigene Coffeshops.
wer da sonst noch hingeht? Vielleicht ein paar Deutsche? :p Und warum gehen Deutsch, Belgier, Franzosen denn nach Holland um Gras zu kaufen? Richtig, weils in unseren Ländern eben illegal ist.
03.11.2009 14:35 Uhr:
von Flo:
Weiß jemand wie groß die Gewinnspanne nach Abzug der Einkaufspreise und der Steuern pro Gramm dort ist? Würde mich echt mal intressieren. Achja...und atollos Frage fänd ich auch intressant. 500g pro Tag scheint mehr auch sehr Mager für einen gut besuchten Coffeeshop. Naja für dt. Verhältnisse käm das einer Revolution gleich^^ :P
03.11.2009 14:14 Uhr:
von julia seeliger:
Lieber Hajü - ich hab die Meldung bearbeitet, das ist jetzt schon raus. Aber danke für die Anmerkung.
Man sollte das mal den Nachrichtenagenturen sagen.
03.11.2009 13:44 Uhr:
von atollo:
was nimmt der hollandische staat an steuern ein, durch den tolerierten verkauf von cannabisprodukten???
hat da wer ne zahl??
03.11.2009 13:39 Uhr:
von Hajü K.:
"Die Coffee-Shops werden jedoch oft von kriminellen Gruppen beliefert, die den Anbau und den weiterhin verbotenen Großhandel mit Cannabis kontrollieren." Dazu hat die niederländische Regierung mit ihren Restriktionen gegenüber einem legalen Anbau selbst beigetragen. Es ist immer das Gleiche; der Entliberalisierung und der Verschärfung der Prohibition folgt die Kriminalisierung. PS. zur Spamvermeidung sollte ich "Gras" eintippen, sehr witzig!!
03.11.2009 13:07 Uhr:
von sire:
Lösung: Verkauf nur an Einheimische nach Legitimierung per Ausweis oder Pass, "Belgier und Franzosen" [sonst noch jemand?] eröffnen dann eben eigene Coffeshops.
Leserkommentare
03.11.2009 17:01 Uhr:
von Drops:
Seit Balkenende gilt das "deutsche Prinzip" in der holländischen Politik: "wir haben ein Problem? Verbieten wir's!"
Der Einkauf von Marihuana ist nach wie vor verboten, was bleibt den Betreibern legaler Coffeeshops übrig, als sich illegaler Quellen zu bedienen? In der Gemeinde Eindhoven wurde zwar darüber nachgedacht, Hanf selbst anzubauen, um diesen schizophrenen Zustand zu beenden, aber man fürchtete die Folgen in der EU (Sarkozys Tobsuchtsanfälle oder sowas) und kniff den Schwanz wieder ein. Seit neuestem wird stattdessen in der Grenzregion zu Deutschland diskutiert, folgende Regeln einzuführen: maximal 3g pro Besucher und Tag, das ausschliesslich an angemeldete Kunden aus der eigenen Gemeinde, Bezahlung nur gegen Kreditkarte. So bekommt keiner der bösen Belgier und Deutschen etwas ab, und der Drogentourismus wird verschwinden. Denkt man sich so. Tatsächlich wird er nur verlagert.
Das war's dann wohl mit der Tolerierung. Welcher Kiffer, der sich noch nicht das letzte Neurönchen seines Hirns weggekifft hat, wird da wohl mitmachen? Man merkt schon heute, dass der deutlich restriktivere Umgang mit Drogen dazu führt, dass sich die Kriminellen die Hände reiben, die sogenannten Runners laufen durch die Strassen der Grenzstädte und passen die Drogen suchenden Besucher ab, um sie weg von den legalen hin zu den eigenen Verkaufsstellen zu lotsen. Die Trennung weicher und harter Drogen ist damit hinfällig, weil man in den illegalen Kaschemmen eben auch deutlich mehr Profit versprechendes bekommt, sprich: Koks z.B.
Am Ende werden die Verhältnisse in NL sich denen in Deutschland annähern. Vier Prozent User in der Bevölkerung werden dann die Kriminalitätsraten um genau denselben Prozentsatz erhöhen. Und Kriminelle hat man ja nie genug.
Drogen verbieten, ein wirklich toller Trick, und wie man aus der Geschichte weiss, hat der ja auch schon immer vorzüglich funktioniert.
03.11.2009 16:43 Uhr:
von aso:
@ sire:
Solche Gedankenspiele hätte zur Folge, daß ein Schwarzmarkt in der Nähe der Shops für Ausländer entstünde...worauf die Anwohner sicher gern verzichten würden...
Die Politiker sind in der Tat irre:
In Zeiten leerer Kassen werden Steuermillionen verschenkt...die woanders wiederum wegen der Kriminalisierung verpulvert werden...
Robert Crumb: Das ganze Universum ist komplett wahnsinnig...
03.11.2009 15:55 Uhr:
von Phil:
@Julia
is mir schon klar. war jetzt auch nicht unbedingt spezifisch auf diesen einen artikel gemünzt, hab eben nur beim überfliegen diese zwei dinger gefunden. das passiert ja nicht nur euch. hab mal in einer knapp 10-zeiligen meldung in der printausgabe (!) der sz sage und schreibe 5 rechtschreib- bzw. grammatikfehler gefunden. war allerdings im sportteil (grins). ich ärgere mich nur immer wahnsinnig, dass mittlerweile scheinbar nicht mehr genug zeit vorhanden ist, artikel ordentlich korrektur zu lesen. ich bin da vielliecht auch etwas zu pingelig, aber bei leuten wie mir, die immer noch wert auf qualitätszeitungen legen und der deutschen rechtschreibung halbwegs mächtig sind (zugegeben hier gerade nicht ;-) leidet darunter auch das ansehen des seriösen journalismus insgesamt. sorry, eigentlich voll am inhaltlichen thema des artikels vorbei, mußt ich hier aber jetzt mal los werden, gerade weil ich taz.de eigentlich ganz gern les.
03.11.2009 15:35 Uhr:
von julia seeliger:
@Phil
Danke für deine Anmerkung. Verstehe bitte aber auch, dass wir hier bei taz.de nicht optimal ausgestattet sind und dass so etwas auch mal passieren kann - gerade, wenn man in Eile Agenturmeldungen mit Faktenfehlern bekommt und diese dann noch inhaltlich anfüttern muss (weil die Agenturen das offenbar nicht hinkriegen, drogenpolitisch kompetente Berichterstattung zu liefern)
03.11.2009 15:26 Uhr:
von southtexaner:
hallo,
@sire
wurde schon versucht, scheiterte an der holländischen verfassung (oder das pendant dazu), wäre eine diskriminierung von ausländern, es gab einen prozess in den 90ern dazu, u.a. deswegen wurde dann die 5 gramm grenze eingeführt, damit die niederländischen behörden zumindest ne handhabe gegen die ausländer haben die mehr kaufen ( was meist kein problem darstellt, weil ich kann ja in verschieden shops gehen um mir nen grösseren vorrat zuzulegen, was meistens nichtmal notwendig ist)
wäre übrigends schön wenn da mal ne neue liberalisierungsdiskusion um das thema entstehen würde, seit wolfgang neskowitschs urteil 1992 (?) ist da nicht mehr viel passiert weder in D noch in Frankreich oder belgien
@atollo
es gibt keine direkten steuern auf hasch und gras weil der verkauf ist ja illegal und auf illegale produkte darf man keine steuern nehmen . meines wissens nach bezahlen die betreiber ne abgabe der sich nach ihrem kaffeeverbrauch richtet daher auch der namen: kaffeeshop
@alle
gibt das hanf endlich frei (nicht dulden, erlauben!) , gerne mit steuern und altersbegrenzung!
southtexaner
03.11.2009 15:23 Uhr:
von Phil:
Mensch Leute, redigiert doch mal eure Artikel ordentlich! Das nervt!
"Im Rahmen des seit mehr als 30 Jahre(n) laufenden Modellversuchs..."
"In den meisten Kommunen darf ein Coffee-Shop bis zu 500 Gramm Cannabis lagern und bis zu fünf Gramm pro Person und Tag (zu) verkaufen."
03.11.2009 14:36 Uhr:
von olle:
@sire:
>Lösung: Verkauf nur an Einheimische nach >Legitimierung per Ausweis oder Pass, "Belgier >und Franzosen" [sonst noch jemand?] eröffnen >dann eben eigene Coffeshops.
wer da sonst noch hingeht? Vielleicht ein paar Deutsche? :p Und warum gehen Deutsch, Belgier, Franzosen denn nach Holland um Gras zu kaufen? Richtig, weils in unseren Ländern eben illegal ist.
03.11.2009 14:35 Uhr:
von Flo:
Weiß jemand wie groß die Gewinnspanne nach Abzug der Einkaufspreise und der Steuern pro Gramm dort ist? Würde mich echt mal intressieren. Achja...und atollos Frage fänd ich auch intressant.
500g pro Tag scheint mehr auch sehr Mager für einen gut besuchten Coffeeshop. Naja für dt. Verhältnisse käm das einer Revolution gleich^^ :P
03.11.2009 14:14 Uhr:
von julia seeliger:
Lieber Hajü - ich hab die Meldung bearbeitet, das ist jetzt schon raus. Aber danke für die Anmerkung.
Man sollte das mal den Nachrichtenagenturen sagen.
03.11.2009 13:44 Uhr:
von atollo:
was nimmt der hollandische staat an steuern ein,
durch den tolerierten verkauf von cannabisprodukten???
hat da wer ne zahl??
03.11.2009 13:39 Uhr:
von Hajü K.:
"Die Coffee-Shops werden jedoch oft von kriminellen Gruppen beliefert, die den Anbau und den weiterhin verbotenen Großhandel mit Cannabis kontrollieren." Dazu hat die niederländische Regierung mit ihren Restriktionen gegenüber einem legalen Anbau selbst beigetragen. Es ist immer das Gleiche; der Entliberalisierung und der Verschärfung der Prohibition folgt die Kriminalisierung.
PS. zur Spamvermeidung sollte ich "Gras" eintippen, sehr witzig!!
03.11.2009 13:07 Uhr:
von sire:
Lösung: Verkauf nur an Einheimische nach Legitimierung per Ausweis oder Pass, "Belgier und Franzosen" [sonst noch jemand?] eröffnen dann eben eigene Coffeshops.