Oberflächlich sind die Konflikte Taiwans mit China auf der Frankfurter Buchmesse nicht anzusehen. Erst im Detail treten sie hervor - etwa in den unterschiedlich bestückten Pavillons. VON PHILIP WALTHER
Werben eigenständig und betreiben sogar einen eigenen Pavillon unabhängig vom offiziellen "Mutterland" China: Verlagshäuser aus Taiwan. Foto: dpa
Jeder Besucher der Frankfurter Buchmesse wird vor dem Messegelände lauthals von tibetischen Demonstranten begrüßt, die für ein freies Tibet skandieren. Von den Taiwanesen hingegen hört niemand etwas, stattdessen konzentrieren sie sich auf das normale Buchgeschäft in ihrem Pavillons. Bedeutet das, Taiwan könne von nun an friedlich neben China auf der internationalen Bühne koexistieren? Immerhin versucht China seit drei Jahrzehnten die "abtrünnige Provinz" Taiwan international zu isolieren.
Der taiwanesische Pavillon befindet sich in der Halle 6.1, gleich oberhalb des Chinesischen Pavillons. Schaut man sich jedoch im Chinesischen Bereich um, so fällt einem sofort auf: Es gibt dort einen weiteren taiwanesischen Pavillon, inmitten des chinesischen Bereiches, neben Hongkong und Macao. Grund dafür: Offiziell gehören alle drei als Provinzen oder Sonderverwaltungszonen zu China, deshalb kreierte China einen eigenen taiwanesischen Pavillon. Doch wirklich taiwanesische Werke sind dort nicht zu finden, nur Fachbücher über Ingenieurwesen, Architektur und chinesische Küche. Intellektuell wertvolle Bücher sucht man vergeblich.
Geht man nun die Treppen hinauf, zu dem "echten" taiwaneischen Pavillon, so wird man an einem Stand von großen Lettern begrüßt: "Ausschließlich in Taiwan veröffentlichte Bücher". In diesen Bereich befinden sich Bücher von Festlandchinesen, die allesamt nicht in China veröffentlicht werden durften. Der bekannteste der Autoren ist der Nobelpreisträger Gao Xingjian.
Der taiwanesische Pavillon wird aber nicht nur von Taiwanesen besucht. Auffallend viele festlandchinesische Verleger, Journalisten und Autoren trifft man hier. Viele von ihnen sind extra nach Frankfurt gereist, um die in ihrem Land verbotene Bücher einzusehen und über Veröffentlichungschancen auf dem Festland zu diskutieren.

Es war ein Experiment: Die taz vereinbarte erstmals eine Kooperation mit der Frankfurter Buchmesse.
Unter buchmesse.taz.de präsentierte die taz ein deutsch-chinesisches Journalistenprojekt zur diesjährigen Messe und ihrem Gastland China. Mit drei renommierten chinesischen Journalisten, fünf taz-Kollegen und Autoren sowie vier Chinesisch-Übersetzern vor Ort und der taz-Chinakorrespondentin in Peking schuf die taz eine unabhängige und meinungsstarke journalistische Plattform zur Buchmesse.
Das ganze Dossier können Sie sich auch als pdf-Textsammlung downloaden.
Die Berichterstattung leitete taz-Korrespondent Georg Blume, der viele Jahre für die taz und die Zeit aus China berichtet hat. Wie er die Bedeutung des Dialogs auf der Buchmesse einschätzt, lesen Sie im Editorial. Bei der Kooperation lud die Frankfurter Buchmesse die taz-Mitarbeiter und Autoren zur Messe ein und trug die Kosten. Die taz übernahm die redaktionelle Leitung und stellte das Portal.
Die Buchmesse startete Dienstagabend, den 13. Oktober, mit dem offiziellen Festakt, öffnete am 14. Oktober für die Fachbesucher, am Samstag für das breite Publikum und endete am Sonntagabend, den 18. Oktober. Das offizielle Programm zu China beinhaltete rund 500 Veranstaltungen. Die Buchmesse in Frankfurt ist mit 7.000 Ausstellern aus mehr als 100 Ländern die größte Messe ihrer Art.
Leserkommentare (0)
Kommentar schreiben