Der TV-Sender CNN startet seine eigene internationale Nachrichtenagentur. CNN Wire setzt vielmehr auf ein Prinzip, das sich schon in der Musikindustrie bewährt hat. VON DANIEL BOUHS
Das nationale und internationale Geschehen abdecken: CNN-Berichterstattung über Terrorattacken in London 2005. Foto: dpa
Seit Jahren mühen sich Dienstleister wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) und ihr Pendant in den USA, die Associated Press (AP), ihren Kunden mehr zu bieten als nur reine Meldungen. Sie starten Videodienste, teils mit Erfolg (AP), teils ohne (dpa). Und während sich die Vorreiter im Textgeschäft noch immer damit quälen, Zeitungen und Onlineportalen Multimediales zu servieren, dreht ein Fernsehsender den Spieß einfach um: CNN hat gerade eine eigene Nachrichtenagentur gestartet.
Der Clou an der Sache ist, dass Redaktionen, die Exklusivmaterial des neuen Angebots "CNN Wire" übernehmen wollen, diesen Dienst gar nicht abonnieren müssen, wie das bei den etablierten Agenturen der Fall ist. CNN Wire setzt vielmehr auf ein Prinzip, das sich schon in der Musikindustrie bewährt hat: Wie bei Apples iTunes können Redakteure die CNN-Geschichten im Netz anlesen und mit einem Mausklick kaufen. Der einzige Unterschied: Statt 99 US-Cent werden 199 US-Dollar fällig. Ein Modell, bei dem sich Qualität und nicht Quantität durchsetzt und das damit den Druck auf die Mitbewerber erhöht, die auf Abos für viel Einheitsbrei setzen.
Und CNN schickt sich an, den Markt massiv umzukrempeln. Denn als der in Atlanta beheimatete Sender im Dezember etwa 30 Chefredakteure zu seinem ersten "CNN Newspaper Summit" rief, erklärte CNN den Kollegen, mit seinen weltweit etwa 4.000 Mitarbeitern sowohl das nationale als auch internationale Geschehen abdecken zu wollen. Und das zu einem günstigeren Preis, als es AP je könne.
In Zeiten, in denen sich Auflagen und Werbeeinnahmen der Zeitungen quasi im Sturzflug befinden, hören Verlagsleute solche Angebote gern. So wie hierzulande mit der WAZ-Gruppe ein erster Großverlag damit begann, der von den Verlagen einst selbst aufgezogenen und von ihnen noch immer getragenen dpa den Rücken zu kehren, weil ihnen andere das Nötigste schlicht billiger bieten, ist das auch in den USA denkbar. AP gehört ebenfalls Zeitungshäusern - etwa 1.400 sind es noch.
Ihnen bietet CNN nun also an, mit einem Klick sowohl die Breaking News des Senders zu kaufen als auch aufwändigere Recherchen und Finanzanalysen. Damit das klappt, hat sich der Sender neu aufgestellt: Das Netz an eigenen Korrespondenten wuchs so weit, dass der US-Kanal neuerdings auf das Material der britischen Reuters verzichtet. Einer Agentur, die vor allem in Krisenregionen Präsenz zeigt. Das wiederum ist ein journalistisches Feld, indem sich sich CNN mit seiner Exklusivberichterstattung über den Golfkrieg schon Anfang der Neunziger weltweit einen Namen machte.
Der gerade gestartete Dienst CNN Wire ist für die Reporter des Senders übrigens nichts Neues. Sie arbeiten seit fast zwanzig Jahren mit dieser Technik, bisher allerdings nur intern: Über das Agentursystem sorgen die Nachrichtenprofis von jeher dafür, dass alle Mitarbeiter auf dem gleichen Stand sind.
Ein Trick, den inzwischen andere Sender adaptieren. Sogar beim ZDF haben sie in diesem Sommer intern eine eigene Agentur gestartet, die dasselbe Ziel verfolgt, nämlich alle Redakteure über die eigenen Recherchen auf dem Laufenden zu halten. Bloß müssen die Nachrichtenagenturen hierzulande nicht zittern: CNN plant bisher keinen deutschen Dienst. Und das ZDF hat schon genug zu kämpfen, selbst im Internet unterwegs sein zu dürfen. Von einem Verkauf der eigenen Recherchen ganz zu schweigen.
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