Bei der französischen Tageszeitung "Le Monde" soll die Redaktion Opfer massiver Stellenstreichungen werden - nun will sie streiken. Erstmals in 64 Jahren. VON DOROTHEA HAHN
"Adieu chérie" - jedenfalls für ein paar Tage. Foto: ap
PARIS taz Es wird ein Dienstag ohne Le Monde. Erstmals in der 64-jährigen Geschichte des Qualitätsblatts will auch die Redaktion streiken. So haben es die Beschäftigten beschlossen. Anlass für die ungewohnt radikale Reaktion der AristokratInnen des französischen Journalismus ist ein Umstrukturierungsplan, der es in sich hat. Zwar sind die schlechten Wirtschaftszahlen allgemein bekannt. Doch 130 geplante Stellenstreichungen sowie der Verkauf mehrerer externer Beteiligungen, übertreffen die schlimmsten Befürchtungen.
Erstmals soll in Le Monde auch die Redaktion Opfer von massiven Stellenstreichungen werden. Zwei Drittel der Personaleinsprungen in den kommenden zwei Jahren sind im redaktionellen Bereich vorgesehen. Der im Januar gewählte neue Präsident des Direktoriums der Gruppe, Ex-Redakteur Eric Fottorino, begründet seinen Plan mit der hohen Verschuldung und den Verlusten der Gruppe. Le Monde hat Schulden in Höhe von 150 Millionen Euro akkumuliert. Im vergangenen Jahr, dem siebten Verlustjahr in Folge, machte die Gruppe 20 Millionen Euro Miese. Spätestens im Geschäftsjahr 2010 will Fottorino wieder im positiven Bereich sein. Dazu sieht sein Plan nicht nur "freiwillige Abgänge" sondern ausdrücklich auch "Entlassungen" vor.
Bei Entlassungen jedoch will die "Intersyndicale", der Zusammenschluss der in Le Monde vertretenen Gewerkschaften, auf keinen Fall mitspielen, erklärt Romain Altmann von der Infocomm, CGT. "Wir haben keinen derart drastischen Plan erwartet", sagt Nicole Morelli von der CFDT. Viele GewerkschafterInnen halten Einsparungen für unvermeidlich. Auch wenn sie kritisieren, dass damit die Beschäftigten für Fehler des Managements büßen sollen - vor allem für die massiven Fremdbeteiligungen, die Le Monde in den vergangenen Jahren akquiriert hat. Beschäftigte meinen, dass der Plan allein den Wünschen der beiden Hauptaktionäre der Gruppe entgegen kommt: der spanische Medienkonzern Prisa und der französische Mischkonzern Lagardère.
Le Monde belegt mit täglich 317.000 verkauften Exemplaren weiterhin Platz fünf der kostenpflichtigen Tageszeitungen in Frankreich. Hinter dem Regionalblatt Ouest France (770.000), dem Boulevardblatt Parisien (340.000), dem konservativen Figaro (330.000) und der Sportzeitung Equipe (323.000). Die Auflage der kostenpflichtigen Tageszeitungen in Frankreich geht seit Jahren zurück. Dieser Trend war im vergangenen Jahr - auch ein Resultat der Präsidentschaftswahlen - leicht gebremst. Aber er ging mit 0,63 Prozent Verkaufsrückgang weiter. Gleichzeitig feiert die Gratispresse in Frankreich, in die auch die Gruppe Le Monde investiert hat, eine ständig steigende Verbreitung.
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Wär doch schade, wir hätten sie nicht notiert...


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