Das "Freak-Folk"-Aushängeschild Devendra Banhart ist jetzt beim Major Label und immer noch gut. Das opulente Album "What we will be" zeigt seine multikulturelle Musikbildung. VON ERIC LEIMANN
Weniger Haar, mehr Promo für seine Kunst: Devendra Banhart. Foto: lauren dukoff/warner
Die Hippies werden auch immer kommerzieller - könnte man Devendra Banhart in vereinfachender Stammtisch-Huberei vorwerfen. Sechs Alben lang sang der 28-jährige Kalifornier impressionistische Naturweisen zur Wandergitarre. So wurde er zum Aushängeschild eines etwas hilflos als "Freak Folk" bezeichneten Musikgenres. Das neue Werk "What Will We Be" ist nicht nur Banharts Debüt bei einem großen Unterhaltungskonzern. Der guruhafte Künstler und seine hervorragend groovende Band haben sich auch erstmals entschlossen, Unterhaltung auf höchstem Niveau abzuliefern.
Zunächst fällt auf: weniger Haar. Devendra Banhart, Sohn eines texanische Vaters und einer Mutter aus Venezuela, verbarg sein hübsches Gesicht bislang unter einem sanft gelockten Vorhang aus schwarzer Matte und rasputinhaftem Vollbart. Das passende Outfit für jenen hoch gebildeten Universalkünstler, der in einem Holzhaus der mythischen Hippie-Gemeinde Topanga westlich von L.A. lebt. Einer, der sich bis vor kurzem zwecks Psychohygiene nie mehr als einen Journalisten pro Tag zum Gespräch leistete.
Beim Berliner Promo-Tag seines neuen Labels ist nun alles anders. Ein fast glatt rasierter Barde kommt jammernd von der Toilette des "Ramones"-Museums zu seinem heute zwölften oder fünfzehnten Interview. Gerade hat er im tiefen Nass einen Knopf seiner sündhaft teuren Designer-Strickjacke verloren. Man bedenke - einen Knopf der Premium-Version jenes fast mantellangen Kleidungsstücks, für das eine schwedische Modekette in großformatigen Anzeigen mit Männer-Models wirbt, die Devendra Banhart verdammt ähnlich sehen. Nein, der Mann ist alles andere als ein weltvergessener Kauz. Sein Typ ist genauso "in", wie es seine Musik vielleicht noch werden könnte.
Es täte Devendra Banhart Unrecht, ihm ruppige, dem Erfolg nachjagende Kurswechsel seiner urorganischen Musik vorzuwerfen. Die ersten Alben bestanden aus intimen, irgendwie aber auch unfertigen Songskizzen; hallige Hauchstimme zur akustischen Gitarre. "Smokey Rolls Down Thunder Canyon" (2007), Banharts erste und durchaus opulente Bandplatte, zeigte erstmals dessen multikulturelle Musikbildung. Von Folk über Psychedelia bis hin zum gewaltigen Einfluss südamerikanischer Rhythmen. Das Skizzenhafte blieb seiner Musik allerdings erhalten.
"What Will We Be" ist dagegen nun geradezu unverschämt fokussierte Musik. Der entspannte Folk-Shuffle "Cant Help But Smiling" bildet den Auftakt dieses "sehr optimistischen Albums" (O-Ton Banhart), bevor ein Stück wie "Angelika" den Weg von Fleetwood Mac zu Caetano Veloso und wieder zurück findet. "Baby" erscheint dagegen wie ein unwirklich gelungener Hybrid aus naivem Sixties-Popsong und beschwingt rollendem Afrobeat.
Im Alter von drei Jahren zog Devendra Banhart mit seiner Mutter nach Caracas, wuchs mit der spanischen Sprache und Kultur Venezuelas auf und übersiedelte mit 13 Jahren nach Kalifornien. Längst ist der ehemalige Kunststudent der "San Francisco Art Academy" wie ein kultureller Schwamm mit dadaistischem Ausgabe-Mechanismus. Interviews mit ihm sind selten kohärent. Vor allem Fragen nach Einflüssen seiner Kunst oder dem Stil seiner polyglott verschwurbelten Musik verwendet Banhart als Stichwortgeber dadaistisch improvisierter Antwortketten: "Wir sind die fünfte Generation des Ska-Revivals, ein samtener afrikanischer Revolver, die mikronesischen ,Blues Traveler' oder die Shania Twain von Usbekistan." Tatsächlich folgen auf Banharts neuem, wunderbar luftig arrangiertem Weltmusik-Wunderwerk für Hipster hallizugene Folk-Installationen, die einem ob ihrer melodiösen Zeitverlorenheit Glücksgefühle auf die Seele zaubern ("First Song für B", "Last Song For B"). Es darf eine Roxy-Music-("16th & Valencia") neben einer Doors-Hommage ("Rats") stehen bleiben und sogar von einem wundersam erhabenen Song in einer ausgestorbenen Indianersprache ("Walilamdzi") gefolgt werden. Sogar das Ska-Revival kommt noch - am Schluss mit dem sonnigen Endlos-Offbeat von "Foolin".
Eine Menge Stoff, die das Popgeschehen vergangener Jahrzehnte wie mit einem Weitwinkel-Objektiv fotografiert zusammenträgt. Verrückt oder nicht, Devendra Banhart und seine hochbegabte Hippieband schaffen es, dass man über problematische Begriffe wie Weltmusik oder Retropop wippend den Mantel des beseelten Lächelns hüllen möchte. Es kommt eben immer darauf an, was man aus seinen sperrigen Gedanken macht.
Charlotte Knobloch geht, und erstmals wird kein Holocaust-Überlebender an der Spitze stehen. Die jüdische Stimme wird leiser werden.von PHILIPP GESSLER
... nicht mehr Hartz IV, so will es Ministerin von der Leyen. Der neue Name soll "von unten" kommen. taz.de macht schon mal ein paar Vorschläge.

Wie jetzt, mit 17 schon alles erreicht? Milliarden gemacht, Romane geschrieben und die Charts geknackt? Auf wen wir wirklich neidisch sind.

Ein Jahr Obama: Nicht nur die Weltpolitik ist seine Bühne. Jetzt gibt es tatsächlich ein Obama-Musical.

Wär doch schade, wir hätten sie nicht notiert...


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Leserkommentare (1)
27.11.2009, 14:42 | Monita:
Noch habt Ihr die Gelegenheit- am 3.12 isser in Hamburg. Yayy!