Lawrence Lessig ist der Popstar der Webszene:Kämpfer gegen das starre Urheberrecht, Guru und Gründer der "Creative Commons"-Bewegung - und das erste Highlight der re:publica. VON Meike Laaff
Appelliert an die geneigten Zuhörer, gegen das traditionelle Urheberrecht aufzubegehren: Lawrence Lessig. Foto: lessig.org
Lawrence Lessig kommt. Das erste klare Highlight der Re:publica. Schon über eine Stunde vorher wird gewarnt, dass es voll werden wird und man doch pünktlich kommen solle. Eine aufgeregte Organisatorin stürmt die Treppe zum recht überschaubaren Vortragssaal hinauf mit den Worten "Ich muss dem Meister Kaffee holen". Und als Lessig hinters Rednerpult tritt, verbreitet sich nicht nur andächtige Stille – viele packen sogar ihre Rechner und iPhones weg.
Kein Wunder. Denn Lessig ist ein Popstar in der Webszene: Ein Kämpfer gegen das alte starre Urheberrecht, Guru und Gründer der "Creative Commons"-Bewegung, die sich für ein verändertes, auf die Bedürfnisse des Internet zugeschnittenes Copyright einsetzt.
Kinder dürften nicht kriminalisiert werden, weil sie Musik- und Filmschnipsel zum Remixen nutzen, meint Lessig. Er regt sich eher darüber auf, dass Lehrer, Feuerwehrleute, Leute, die die Infrastruktur aufbauen, nur ein einziges Mal für ihre Arbeit bezahlt werden. Musiker aber noch Jahrzehnte lang nach der Leistung, die sie erbracht haben.
Die US-Prohibition von Alkohol in den 1920ern habe auch versucht, einen politisch nicht gewollten Vorgang (nämlich das Trinken) zu verbieten und zur Durchsetzung dieses Verbotes Überwachungsmaßnahmen genutzt, die in Konflikt mit der Verfassung gerieten. Viel Geld habe das gekostet – und am Ende nicht verhindern können, dass einfach weitergetrunken wurde. Ebenso wie beim Filesharing – wo schärfere Gesetzgebung ebenfalls die Nutzerzahlen nicht verringert hat. Die Prohibition sei irgendwann einfach eingestellt worden.
Anders beim Verwenden von Musik und Film im Netz. "Wir sind in der Mitte eines Kulturkampfes. Angezettelt von Künstlern und Industrie, die Angst haben vor Veränderung", sagt Lessig. Er appelliert an die geneigten Zuhörer, gegen das traditionelle Urheberrecht aufzubegehren, Copyrights an die tatsächliche Entwicklung anzupassen, in der es die kreativsten, innovativsten Jugendlichen sind, die bestehende Songs oder Filmschnipsel neu zusammenfügen – und so etwas Neues, Kreatives schaffen. Denn Nutzen heisst im Netz heute automatisch kopieren, und dadurch würden Jugendliche tagtäglich in die Illegalität getrieben.
Lessig ist ein Profi, weiss, wie er sein Publikum kriegt. Routiniert und pointiert trägt er vor, gekleidet in ein schwarzes Steve-Jobs-Gedenk-Outfit und kontrollierter Gestik. Seine Powerpoint-Präsentation knallt im Sekundentakt über die Leinwand. Wird aufgelockert mit Youtube-Videoschnipseln. Wollen wir auf solche gelungene kreative Mashups verzichten? Rhetorische Frage, natürlich.
Derzeit stehe es nicht gut um einen zeitgemäßeren Umgang mit Copyrights in Europa, meint Lessig. "Three strikes and you're out"-Regelungen sollen wiederholt abgemahnten Filesharern den Internetzugang abdrehen, Prozesse soll Peer2Peer-Verbreitung von Inhalten einschränken. Und noch im April steht eine wichtige Entscheidung an: die Fristen für Copyrights könnten sich um 45 Jahre verlängern und damit fast verdoppeln. Für Lessig ein Albtraum – denn davon würden keine kleineren, jungen Künstler, nur eine Handvoll schwerreicher Etablierter und die Industrie profitieren. Man hört praktisch das Kopfnicken im Raum.
"Tiefe Verbeugung", "mitreißender Vortrag", "Highlight", "jetzt bin ich Fan": Schon während Lessigs Vortrags twittern die Begeisterungsstürme los. Und reißen den ganzen Abend lang nicht mehr ab. Einer traut sich zu twittern, Lessig "könnte auch locker als Führer einer durchgedrehten Religionsgruppe durchgehen". Und einer fragt, ob man Lessig nicht "bitte mit Herrn Gorny für ein Wochenende auf eine einsame Almhütte einsperren" könne. Eine interessante Idee. Hoffentlich steckt ihnen jemand eine Kamera zu.
... nicht mehr Hartz IV, so will es Ministerin von der Leyen. Der neue Name soll "von unten" kommen. taz.de macht schon mal ein paar Vorschläge.

Wie jetzt, mit 17 schon alles erreicht? Milliarden gemacht, Romane geschrieben und die Charts geknackt? Auf wen wir wirklich neidisch sind.

Ein Jahr Obama: Nicht nur die Weltpolitik ist seine Bühne. Jetzt gibt es tatsächlich ein Obama-Musical.

Wär doch schade, wir hätten sie nicht notiert...


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