In Deutschland soll zusammenfinden, was für viele schon lange zusammengehört: Internet und Demokratie. Einige Experten sind skeptisch. VON THOMAS SALTER
So spannend das Feld ist, so handwerklich unsauber ist der Artikel geschrieben.
Wenn es eine reine Businessveranstaltung zwischen Softwareherstellern und Verwaltung war, warum wurde dazu ein Blogger interviewt, der es noch nicht einmal für nötig befunden hat, die Veranstaltung zu besuchten? Das sich Menschen und Unternehmen mit dem Thema beschäftigen die damit regelmäßig zu tun haben und nicht der Taubenzüchterverein von Hinterzarten ist denke ich eher logisch als verwunderlich. Das bei 16 Organisatoren und einer sehr heterogenen Sponorenlandschaft der Fokus auf Microsoft gelegt wird halte ich für schlicht eine engstirnige Entscheidung des Autors. Mich würde interessieren, ob der Autor und/oder Herr Beckedahl eine solche Veranstaltung aus eigener Tasche bezahlen würden - vermutlich wohl eher nicht. Dann bliebe noch die Möglichkeit, sie ausschließlich von einer Organisation unterstützen zu lassen - das widerspricht der Idee eines Barcamps. Bei der Sponsorensuche wäre ich dann doch interessiert, wen die Herrn so ansprechen würden.
Zur Frage von Microsoft und Monopolstellung. Ja Microsoft hat früher sicherlich eine sehr aggresive Strategie gefahren. Aber Microsoft hat früher auch eine dilletantische Sicherheits- und Patchpolitik gefahren. Beides hat sich meiner Meinung nach geändert. Dies geht sogar soweit, dass das aktuelle Forschungsbetriebssystem Singularity in großen Teilen im Quellcode freigegeben ist. Auch MS hat da die Zeichen der Zeit erkannt.
In diesem Sinne wünsche ich mir mehr breite Recherche für solche Artikel!
03.09.2009 07:23 Uhr:
von antjem:
Schade, dass sich Herr Salter nicht die Mühe gemacht hat, dass Organisationsteam kennen zu lernen! Wir waren insgesamt 16 Menschen im Orgateam, zu dem übrigens auch Herr Habbel gehört. Diese sehr einseitige Berichterstattung ist ein Stoss vors Knie für das Organisationsteam und auch für alle Unterstützer des Camps. Mir scheints als hätte es Taz hier extra auf eine polarisierende Berichterstattung angelegt.
02.09.2009 18:50 Uhr:
von Moritz Avenarius:
Als einer der Mitorganisatoren kann ich auch nur anmerken: Chance vertan, was die Darstellung des Charmes dieser Veranstaltung angeht. Anstatt die Vielfalt der Ideen und Macher der Veranstaltung aufzuzeigen, wird wieder mal auf einzelne "prominente" Personen und Organisationen fokussiert und verkürzt: Hier die (üblichen verdächtigen) Internet-Experten, die ja überall zu Wort kommen dürfen (und letztlich auch ihre je eigene Agenda verfolgen), dort der böse große Software-Monopolkonzern. Klischeeklischee. Das an einem Tag über 200 Anzugsträger aus den Verwaltungen sich haben anstecken lassen ein ihnen unbekanntes Veranstaltungsformat auszuprobieren und dabei spannende neue Ideen diskutiert haben - leider wenig zu Lesen. Was allein das an Veränderung bedeutet ...
02.09.2009 11:44 Uhr:
von Thomas Salter:
an Frank Nicksch: Die Kritik an Microsoft stammt nicht von mir, die haben mir Personen nahegelegt mit denen ich während der Recherche gesprochen habe. Die Kritik ist auch als Aussage anderer Personen gekennzeichnet. Zur inhaltlichen Tiefe: ich gebe gerne zu, dass der Artikel in dieser Länge das Thema Government 2.0 nicht in seiner Komplexität völlig erfasst. Einen kompletten Überblick über die amerikanische oder die englische Situation konnte und wollte ich auch garnicht leisten, was nicht heißen soll, dass die nicht wünschenswert ist. Zu keinem Zeitpunkt behaupte ich, dass Anke Domscheit einzige Organisatorin war. Ich danke für die Kritik. Das Thema ist ein spannendes Feld, über das es noch vieles zu berichten gibt.
01.09.2009 20:14 Uhr:
von Frank Nicksch:
Da bedient die taz bzw. der Autor offensichtlich vor allem seine eigenen Klischees: hier Microsoft – böse –, da Freie Software – gut. Als sei Frau Domscheit die einzige Organisatorin gewesen. Das waren doch etliche Leute aus verschiedenen Organisationen, mit verschiedenen Hintergründen, auch aus dem Wissenschaftsbetrieb, von Fraunhofer zum Beispiel. Vielleicht hätte der Autor Thomas Salter besser mit denen gesprochen, statt die zweite Hälfte seines Beitrags einem (hier ja lediglich von ihm unterstellten) Interessenkonflikt Domscheits zu widmen. Letzteres ist ja noch legitim, und eine gewisse Grundskepsis erwartet man ja auch von der taz und guten Journalisten, aber im Beitrag geht es leider voll auf Kosten inhaltlicher Tiefe. Und wirkt irgendwie arg konstruiert. Hat halt einfach irgendwie schreiberisch gepasst nach dem Absatz von den Softwareunternehmen und der (ja durchaus richtig erkannten) „Privatisierung des öffentlichen Datenschatzes“.
Beispiele? Es fehlt etwa ein Blick über den Teich – die taz könnte ausführlicher erklären, was hinter data.gov steckt, andere Initiativen der Obama-Administration vorstellen –, eine Zusammenfassung, was in anderen Ländern vorbildlich ist, welche konkrete Initiativen es in Deutschland gibt, wo sie Kritikern zufolge fehlen, woran es in Deutschland auf Regierungs- und Verwaltungsseite sowie womöglich auch bei der Industrie scheitert.
01.09.2009 15:21 Uhr:
von BillyBoy:
"Anke Domscheit wiegelt ab. Microsoft sei strategisch nicht darauf ausgelegt, eine Monopolstellung zu gewinnen."
Ich lach mit tot. MS hat zwar seit Jahrzehnten EU-Verfahren am Hals weil es mit seinem Betriebssystem eine Monopolstellung hat und die auch missbraucht, aber das ist sicher keine Strategie von MS gewesen. Niemals nie.
Leserkommentare
03.09.2009 07:55 Uhr:
von solick:
So spannend das Feld ist, so handwerklich unsauber ist der Artikel geschrieben.
Wenn es eine reine Businessveranstaltung zwischen Softwareherstellern und Verwaltung war, warum wurde dazu ein Blogger interviewt, der es noch nicht einmal für nötig befunden hat, die Veranstaltung zu besuchten?
Das sich Menschen und Unternehmen mit dem Thema beschäftigen die damit regelmäßig zu tun haben und nicht der Taubenzüchterverein von Hinterzarten ist denke ich eher logisch als verwunderlich. Das bei 16 Organisatoren und einer sehr heterogenen Sponorenlandschaft der Fokus auf Microsoft gelegt wird halte ich für schlicht eine engstirnige Entscheidung des Autors. Mich würde interessieren, ob der Autor und/oder Herr Beckedahl eine solche Veranstaltung aus eigener Tasche bezahlen würden - vermutlich wohl eher nicht. Dann bliebe noch die Möglichkeit, sie ausschließlich von einer Organisation unterstützen zu lassen - das widerspricht der Idee eines Barcamps. Bei der Sponsorensuche wäre ich dann doch interessiert, wen die Herrn so ansprechen würden.
Zur Frage von Microsoft und Monopolstellung. Ja Microsoft hat früher sicherlich eine sehr aggresive Strategie gefahren. Aber Microsoft hat früher auch eine dilletantische Sicherheits- und Patchpolitik gefahren. Beides hat sich meiner Meinung nach geändert. Dies geht sogar soweit, dass das aktuelle Forschungsbetriebssystem Singularity in großen Teilen im Quellcode freigegeben ist. Auch MS hat da die Zeichen der Zeit erkannt.
In diesem Sinne wünsche ich mir mehr breite Recherche für solche Artikel!
03.09.2009 07:23 Uhr:
von antjem:
Schade, dass sich Herr Salter nicht die Mühe gemacht hat, dass Organisationsteam kennen zu lernen! Wir waren insgesamt 16 Menschen im Orgateam, zu dem übrigens auch Herr Habbel gehört.
Diese sehr einseitige Berichterstattung ist ein Stoss vors Knie für das Organisationsteam und auch für alle Unterstützer des Camps. Mir scheints als hätte es Taz hier extra auf eine polarisierende Berichterstattung angelegt.
02.09.2009 18:50 Uhr:
von Moritz Avenarius:
Als einer der Mitorganisatoren kann ich auch nur anmerken: Chance vertan, was die Darstellung des Charmes dieser Veranstaltung angeht. Anstatt die Vielfalt der Ideen und Macher der Veranstaltung aufzuzeigen, wird wieder mal auf einzelne "prominente" Personen und Organisationen fokussiert und verkürzt:
Hier die (üblichen verdächtigen) Internet-Experten, die ja überall zu Wort kommen dürfen (und letztlich auch ihre je eigene Agenda verfolgen), dort der böse große Software-Monopolkonzern. Klischeeklischee.
Das an einem Tag über 200 Anzugsträger aus den Verwaltungen sich haben anstecken lassen ein ihnen unbekanntes Veranstaltungsformat auszuprobieren und dabei spannende neue Ideen diskutiert haben - leider wenig zu Lesen. Was allein das an Veränderung bedeutet ...
02.09.2009 11:44 Uhr:
von Thomas Salter:
an Frank Nicksch:
Die Kritik an Microsoft stammt nicht von mir, die haben mir Personen nahegelegt mit denen ich während der Recherche gesprochen habe. Die Kritik ist auch als Aussage anderer Personen gekennzeichnet.
Zur inhaltlichen Tiefe: ich gebe gerne zu, dass der Artikel in dieser Länge das Thema Government 2.0 nicht in seiner Komplexität völlig erfasst. Einen kompletten Überblick über die amerikanische oder die englische Situation konnte und wollte ich auch garnicht leisten, was nicht heißen soll, dass die nicht wünschenswert ist.
Zu keinem Zeitpunkt behaupte ich, dass Anke Domscheit einzige Organisatorin war.
Ich danke für die Kritik. Das Thema ist ein spannendes Feld, über das es noch vieles zu berichten gibt.
01.09.2009 20:14 Uhr:
von Frank Nicksch:
Da bedient die taz bzw. der Autor offensichtlich vor allem seine eigenen Klischees: hier Microsoft – böse –, da Freie Software – gut. Als sei Frau Domscheit die einzige Organisatorin gewesen. Das waren doch etliche Leute aus verschiedenen Organisationen, mit verschiedenen Hintergründen, auch aus dem Wissenschaftsbetrieb, von Fraunhofer zum Beispiel. Vielleicht hätte der Autor Thomas Salter besser mit denen gesprochen, statt die zweite Hälfte seines Beitrags einem (hier ja lediglich von ihm unterstellten) Interessenkonflikt Domscheits zu widmen. Letzteres ist ja noch legitim, und eine gewisse Grundskepsis erwartet man ja auch von der taz und guten Journalisten, aber im Beitrag geht es leider voll auf Kosten inhaltlicher Tiefe. Und wirkt irgendwie arg konstruiert. Hat halt einfach irgendwie schreiberisch gepasst nach dem Absatz von den Softwareunternehmen und der (ja durchaus richtig erkannten) „Privatisierung des öffentlichen Datenschatzes“.
Beispiele? Es fehlt etwa ein Blick über den Teich – die taz könnte ausführlicher erklären, was hinter data.gov steckt, andere Initiativen der Obama-Administration vorstellen –, eine Zusammenfassung, was in anderen Ländern vorbildlich ist, welche konkrete Initiativen es in Deutschland gibt, wo sie Kritikern zufolge fehlen, woran es in Deutschland auf Regierungs- und Verwaltungsseite sowie womöglich auch bei der Industrie scheitert.
01.09.2009 15:21 Uhr:
von BillyBoy:
"Anke Domscheit wiegelt ab. Microsoft sei strategisch nicht darauf ausgelegt, eine Monopolstellung zu gewinnen."
Ich lach mit tot. MS hat zwar seit Jahrzehnten EU-Verfahren am Hals weil es mit seinem Betriebssystem eine Monopolstellung hat und die auch missbraucht, aber das ist sicher keine Strategie von MS gewesen. Niemals nie.