Ohne größeres Aufsehen wird im Bremer Einzelhandel seit etwa sechs Jahren eine ganz spezielle Klientel bedient: Läden wie der "Sportsfreund" im Faulenquartier, "Sieg oder Spielabbruch" in Hastedt, die Versandhändler "90 Minuten" und "Heimdall-Shop" bedienen unaufällig die Konsumwünsche der rechten Szene. Von der Öffentlichkeit wurden sie dabei bisher kaum bemerkt.
Dagegen richtet sich nun die "Ladenschluss"-Kampagne, organisiert von einem Zusammenschluss antifaschistischer Gruppen in Bremen. Mit einer Veranstaltungsreihe wollen sie über die rechten Geschäftsstrukturen in Bremen informieren. "Die neuen Marken des rechten Lifestyles sollen ein bisschen aussehen, als könne man sie auch bei H & M kaufen", sagt Carsten Neumann vom Rechtsextremismus-Archiv "Standpunkt Bremen".
Die rechte Bildsprache sei unauffälliger geworden, bediene sich neuerdings der Symbole verschiedener Jugendkulturen. Immer häufiger kopieren Neonazis auch Kennzeichen der linken Szene. Häufig gesehenes Beispiel: Che-Guevara-T-Shirts, versehen mit dem Schriftzug "Che wäre einer von uns gewesen".
Der rechte Hintergrund der vermeintlichen Sportläden sei oftmals erst auf den zweiten Blick zu erkennen. "Man braucht schon Wissen über die Hintergründe und Codes", sagt Neumann.
Durch dieses Versteckspiel funktioniere der rechte Einzelhandel überhaupt: "Man kann kein Geld verdienen, wenn man in der Öffentlichkeit als Nazi auftritt." Der größte Teil der Kundschaft der Bremer Läden stamme aus der Fußballfan- und Hooliganszene, aber auch Bodybuildernahrung werde dort vertrieben. Nach Neumanns Einschätzung ist ihr kommerzieller Erfolg insgesamt jedoch überschaubar: "Den Betreibern geht es eher darum, dass sie selbst davon leben können", meint er. "Man bleibt in der Szene, kann sich und seine Gesinnung offen zeigen und verschafft vielleicht noch einem Kameraden einen Job."
Das rechte Geschäftstreiben werde in Bremen bislang jedoch "nicht so wirklich" wahrgenommen, so Neumann. "Es ist überfällig, dass da eine Öffentlichkeit hergestellt wird."
Teresa Havlicek

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