• 30.05.2009

Bieterstreit treibt Kosten hoch

In Bremerhaven habe die Politik "einen Bezug zum Geld, wie ihn auf musikalischem Gebiet ein Bohlen zu Beethoven hat" ätzte eine große Bremer Tageszeitung, als vor zwei Wochen die Nachricht bekannt wurde: Die ohnehin völlig überschuldete Seestadt würde sich 22 Millionen Euro mehr als geplant leihen müssen, um ihre "Ankerattraktion" Klimahaus zu Ende bauen zu können.

Auf Anfrage hatte Oberbürgermeister Jörg Schulz (SPD) eingeräumt, dass die Kosten für die Ausstellung erheblich über den ursprünglichen Kalkulationen liegen: 100 Millionen Euro werden bis Ende Juni in dem Science-Center verbaut sein - rund 30 Millionen als am Anfang gedacht.

Die Bremerhavener Opposition aus Grünen und FDP fordert seitdem einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss: "Die Warnungen waren schon lange deutlich," sagte der grüne Fraktionschef Ulf Eversberg. Nun müssten "alle Fakten auf den Tisch, statt Bauernopfer zu suchen."

Beim Klimahaus gibt man den schwarzen Peter derweil an die Kommune: "Der Bau ist Sache der öffentlichen Hand," sagt Klimahaus-Sprecher Wolfgang Heumer. "Die Abmachung war: Wir machen das Konzept, die Stadt baut und anschließend pachten wir von ihnen und tragen auch das Betriebsrisiko," sagt Heumer - was unter anderem die Verantwortung für 130 Arbeitsplätze einschließe. Den Preisanstieg erklärt Heumer so: Nach einem Vergaberechtsstreit hätte einem zunächst unterlegenen Bieter der Auftrag für eine Beteiligung an der Klimahaus-Fassade erteilt werden müssen. In der Zwischenzeit sei der Preis für die 1.200 Tonnen Spezialstahl aber "explodiert"; außerdem habe sich dann herausgestellt, dass der neue Auftragnehmer gar nicht genug Stahl habe liefern können - was weitere Verzögerungen und Teuerungen bedeutet hätte. cja