• 09.11.2009

Schleppend aus der Insolvenz

WIRTSCHAFTSKRISE Der insolvente Bremer Kunststoffhersteller Molan könnte sich berappeln - wenn Gläubiger wie das Finanzamt mitspielen. Dort sträubt man sich aber, weil man nicht mehr an Besserung glaubt

Heute ist Stichtag für die etwa 100 Beschäftigten des Bremer Kunststoffherstellers Molan im Industriegebiet am Bremer Kreuz. Denn heute läuft die Widerspruchsfrist im Insolvenzverfahren ab. Das Finanzamt Bremen-Mitte hatte sich Ende Oktober bei einer Gläubigerversammlung des zahlungsunfähigen Unternehmens dazu entschlossen, beim Insolvenzgericht Widerspruch gegen die Fortführung des Verfahrens einzulegen - dabei war die Firma, die im Mai Insolvenz angemeldet hatte, gerade auf dem Wege der Besserung.

Von der Vernichtung von Arbeitsplätzen will man bei der Senatorin für Finanzen allerdings nichts wissen. "Das ist doch absurd", sagt Sprecherin Dagmar Bleiker. Zu den Gründen, die zu der Entscheidung der Behörde führten, will sie aber nichts sagen. Außer dem Finanzamt saßen noch zwei weitere Gläubiger mit im Boot des Finanzamtes: Auch die AOK und die Bremer Aufbaubank hatten sich gegen die Fortsetzung gesperrt. AOK-Sprecher Günther Janke will sich ebenfalls nicht äußern. "Ich sage nur etwas zu unserem allgemeinen Vorgehen in solchen Fällen: Eigentlich schreibt die Insolvenzordnung ein Insolvenzplanverfahren vor," so Janke.

Ein solches Verfahren war aber laut dem Insolvenzverwalter Dirk Oelbermann nie angestrebt. "Das ist dummes Zeug und hätte in diesem Fall auch überhaupt nichts gebracht, da auch dann für die Gläubiger nicht mehr zu holen gewesen wäre", meint Oelbermann.

14 Tage hat das Insolvenzgericht ab heute Zeit, um eine Entscheidung zu fällen. Oelbermann sieht dem gelassen entgegen. Auch, weil die dritte Partei, die auf die Bremse trat, die zur Bremer Wirtschaftsförderung gehörende Aufbaubank, mittlerweile zurückgerudert ist. "Wir wollten sicher sein, dass die Alteigentümer nicht wieder mit drinnen sitzen", sagt Holger Bruns, Sprecher des Senators für Wirtschaft und Häfen. Doch seitdem klar ist, dass sich die ehemaligen Besitzer, die Firmengruppe Dittrich aus Molan zurückgezogen haben, habe das Ressort seine "Haltung revidiert", so Bruns.

Zwei, drei Interessenten hat Insolvenzverwalter Oelbermann nach eigenen Angaben mittlerweile an der Angel, allerdings noch nichts Konkretes. Der Hauptgläubiger, ein Konsortium, das die Produktionsstätte in Mahndorf an Molan vermietet, hält die Füße still. "Für mich ist das Verhalten der Gläubiger nicht nachvollziehbar", erklärt Jörg Richter, Betriebsratsvorsitzender bei Molan. Geschäftsführer Götz Domke vermutet, dass die vielen Zuschüsse, die schon an Molan geflossen sind, dafür gesorgt haben, dass beim Finanzamt der Geduldsfaden gerissen ist. "Trotzdem kann man doch nicht einfach 100 Arbeitsplätze ausradieren", sagt Domke. NEL

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