Das Bundesverfassungsgericht urteilt, dass der Jesus-Zweifler Gerd Lüdemann seinen Lehrstuhl für das Neue Testament zu Recht verloren hat. VON CHRISTIAN RATH
Die Grenzen der Wissenschaftsfreiheit bestimmt: ein Verfassungsrichter. Foto: dpa
FREIBURG
taz Der Theologieprofessor Gerd Lüdemann, der die christlichen Lehre anzweifelt, darf zu Recht keine Pfarrer mehr ausbilden. Das entschied jetzt das Bundesverfassungsgericht. "Die Wissenschaftsfreiheit von Hochschullehrern findet ihre Grenzen am Selbstbestimmungsrecht der Religionsgemeinschaften", heißt es in der Entscheidung der Karlsruher Richter.
Seit 1993 lehrt Lüdemann evangelische Theologie an der Uni Göttingen. Doch schon bald veröffentlichte er Thesen, an der die Kirche Anstoß nahm. Jesu sei nicht durch den heiligen Geist gezeugt worden, vermutet der Wissenschaftler, sondern bei einer Vergewaltigung Marias durch einen Unbekannten. Auch sei Jesu nach seinem Tode nicht gen Himmel gefahren: "Das Grab war nicht leer, sondern voll. Jesu Leichnam ist verwest", schrieb Lüdemann. Die Auseinandersetzung spitzte sich zu, als Lüdemann 1998 das Buch "Der große Betrug" veröffentlichte.
Die evangelische Kirche forderte umgehend, Lüdemann aus der Ausbildung von Pfarrern und Religionslehrern zu entfernen. Die Uni folgte diesem Wunsch und entzog dem Religionskritiker den Lehrstuhl für das prüfungsrelevante Fach "Neues Testament". Statt dessen erhielt er eine Professur für "Geschichte und Literatur des frühen Christentums".
Lüdemann klagte gegen diese Maßnahme, verlor aber durch alle Instanzen, jetzt auch beim Bundesverfassungsgericht. Die Karlsruher Richter stuften zwar die Umsetzung von einem Kernfach in ein Randgebiet als "Eingriff in die Wissenschaftsfreiheit" ein. Dieser Eingriff sei aber durch die Interessen der Kirche gerechtfertigt.
Dabei mussten die Bundesverfassungsrichter zunächst erklären, warum an staatlichen Universitäten überhaupt ein glaubensgebundenes Fach wie Theologie gelehrt wird. Im Grundgesetz ist dies nämlich nicht vorgesehen. Das Gericht sieht hier aber ein "Angebot des Staates" an die Religionsgemeinschaften, ihren Nachwuchs nicht an eigenen Institutionen auszubilden, sondern zusammen mit anderen Studenten und auf wissenschaftlichem Niveau.
Wenn es aber theologische Fakultäten gebe, so Karlsruhe, dann müssten die Kirchen bei der Auswahl der Professoren mitsprechen können, denn in Glaubensfragen dürfe sich der Staat nicht einmischen. Die Umsetzung sei für Lüdemann auch zumutbar, entschied das Gericht, da er ja den Status als Professor behalte und das neue Fach eng an seine bisherige Forschung anknüpfe.
Ähnliche Fälle hatte es bisher vor allem in der katholischen Kirche gegeben, wo die Professoren Hans Küng, Eugen Drewermann und Uta-Ranke-Heinemann ebenfalls auf konfessions-ungebundene Lehrstühle wechseln mussten. Jüngst wurde Muhammad Sven Kalisch an der Uni Münster von der frisch begonnenen Ausbildung muslimischer Religionslehrer entbunden, weil er an der Existenz des Religionsstifters Mohammed zweifelt.
Am Münchner Hauptbahnhof gibt es eine Schule, die keine Schule ist, die kein Geld vom Land bekommt – und die mit Jugendlichen lernt, die kein Recht auf Bildung haben.von FELIX MÜLLER

... nicht mehr Hartz IV, so will es Ministerin von der Leyen. Der neue Name soll "von unten" kommen. taz.de macht schon mal ein paar Vorschläge.

Wie jetzt, mit 17 schon alles erreicht? Milliarden gemacht, Romane geschrieben und die Charts geknackt? Auf wen wir wirklich neidisch sind.

Ein Jahr Obama: Nicht nur die Weltpolitik ist seine Bühne. Jetzt gibt es tatsächlich ein Obama-Musical.

Wär doch schade, wir hätten sie nicht notiert...


LE MONDE diplomatique ist die größte Monatszeitung für internationale Politik. Sie erscheint weltweit in 61 Ausgaben – und liegt am 2. Freitag im Monat der tageszeitung bei.>

Element of Crime ist auf Tour durch Mitteleuropa. Sänger Sven Regener erzählt von seinen Erlebnissen im tazblog "Männer mit Spielplan". >

Nach 15 Jahren wechselt unsere Frankreich-Korrespondentin in die USA. Wie es ihr dabei ergeht, beschreibt sie im tazblog "Paris-Washington, Transit".>
Leserkommentare (1)
13.03.2009, 06:05 | Michael Paschko:
Im Zusammenhang mit der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts drängt sich m...