Der SPD-Minister will dafür sorgen, dass Praktika angemessen bezahlt werden. Laut einer Studie bekommt über die Hälfte der Praktikanten kein oder zu wenig Geld. VON CHRISTIAN SIEPMANN
Scholz als Praktikant bei der Polizei Foto: dpa
BERLIN taz
Arbeitsminister Olaf Scholz (SPD) will die Situation derjenigen verbessern, die im Anschluss an eine berufsqualifizierende Ausbildung ein Praktikum absolvieren. "Wir wollen dafür sorgen, dass Praktikanten ordentlich behandelt werden", sagte Scholz.
Eine wissenschaftliche Studie hatte ergeben, dass Praktika für einen Berufseinstieg durchaus hilfreich sein können. Gleichzeitig klagten jedoch viele PraktikantInnen über keine oder schlechte Bezahlung und gaben an, in mehr als der Hälfte der Praktikumszeit faktisch normale Arbeitskraft im Betrieb zu sein. Scholz will diese Missstände mit rechtlichen Klarstellungen beheben.
Die Studie hatte noch sein Vorgänger Franz Müntefering (SPD) in Auftrag gegeben. Das Internationale Institut für Empirische Sozialforschung befragte mehr als 2.000 Berufseinsteiger zwischen 18 und 34 Jahren mit abgeschlossener Berufsausbildung. JedeR Fünfte gab an, nach der Ausbildung mindestens ein Praktikum absolviert zu haben. 31 Prozent dieser Praktikanten hatten zuvor eine schulische Ausbildung absolviert, 19 Prozent eine betriebliche und 24 Prozent waren Hochschulabsolventen.
Scholz sagte zwar, dass es eine "schlaue Entscheidung" sein könne, nach einer Ausbildung ein Praktikum zu absolvieren. Und die Studie belegt, dass ein Drittel der Befragten im Anschluss an ein Praktikum nahtlos in eine reguläre Beschäftigung wechseln konnte. Mehr als die Hälfte der freiwilligen Praktikanten wurde in ihrem ersten Praktikum jedoch überhaupt nicht und mehr als 10 Prozent nach eigener Einschätzung unangemessen bezahlt. Gleichzeitig gaben über 80 Prozent der Befragten an, sie hätten in mehr als der Hälfte ihrer Praktikumszeit die Arbeit geleistet, welche normalerweise eine reguläre Arbeitskraft tun würde. Dabei sollen Praktika eigentlich keine Stellen ersetzen.
Der Arbeitsminister plant nun Klarstellungen im Zivilrecht. Der Paragraf 612 im Bürgerlichen Gesetzbuch, der die Vergütung von Dienstverträgen regelt, soll künftig auch bestimmen, dass Praktika grundsätzlich bezahlt werden. Reguläre Arbeit soll angemessen vergütet werden. Dies ist zwar schon jetzt die Rechtslage nach dem Berufsbildungsgesetz, die Wirklichkeit ist laut Studie jedoch eine andere. Scholz erwägt außerdem vorzuschreiben, dass Praktikumsverträge schriftlich abgefasst werden müssen.
Der Minister, der selbst Fachanwalt für Arbeitsrecht ist, will mit der Gesetzesänderung nur das "lösen, was man vernünftigerweise lösen kann". Insbesondere plane er "keinen Mindestlohn für Praktikanten". Die Lohnhöhe regele der Markt.
SPD-Mann Scholz zeigte sich überzeugt, den Koalitionspartner CDU für sein Vorhaben zu gewinnen. "Da wir etwas Vernünftiges wollen, sollte eine Einigung möglich sein", sagte er.
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Leserkommentare (2)
22.02.2009, 17:53 | Irina:
Heißt es wirklich „der Kopf“ weiss nicht was die „Füße“ tun? Sehr geehrter H...
19.03.2008, 11:09 | stefan:
Es ist im übrigen interessant, das Praktikanten beim Bundesministerium für Arbei...