Griechenlands Trainer Otto Rehhagel wird im Heimspiel gegen die Ukraine überaus zurückhaltend agieren lassen. Die Mannschaft bröckelt, Rehagel sagt, ihm sei "jedes Ergebnis recht". VON FERRY BATZOGLOU
Otto Rehagel sagt, ihm sei jedes Ergebnis recht. Foto: ap
ATHEN taz Otto Rehhagel nahm sich am Donnerstagabend im Presseraum des Athener Olympiastadions diesmal etwas mehr Zeit - immerhin neun Minuten. Wer die Pressekonferenzen des mittlerweile 71-jährigen Nationaltrainers von Griechenland regelmäßig besucht, weiß, dass der eigenwillige Westfale das Frage-Antwort-Spiel mit den einheimischen Journalisten als eher lästige Pflichtübung ansieht. Doch am Sonnabend steht das Relegationshinspiel zur WM 2010 gegen die Ukraine an. Da nutzte Rehhagel, dem in Hellas angesichts der verpassten Direktqualifikation der Wind ins Gesicht bläst, seinen Auftritt dazu, die Marschrichtung darzulegen. "Uns ist jedes Ergebnis recht, das uns eine Chance für das Rückspiel offenlässt", sagte er.
Einheimische Beobachter deuteten Rehhagels Worte prompt dahin gehend, dass die Griechen vor erwarteten 45.000 Zuschauern in der nicht ausverkauften Heimstätte betont defensiv auftreten werden. Dem hatte schon zuvor Rehhagels derzeit in Bestform befindlicher Mittelfeldmann Kostas Katsouranis (Panathinaikos Athen) Nahrung gegeben, indem er demonstrativ erklärte, es werde vordringlichste Aufgabe der Gastgeber sein, "im ersten Spiel keinen Treffer zu kassieren", und dass grundsätzlich "auch ein torloses Unentschieden ein gutes Ergebnis" für die Hellenen sei.
Rehhagel plagen zudem erhebliche Personalsorgen - mit Blick auf das verbliebene Spielermaterial bleiben da kaum Möglichkeiten, mit einem riskanten Angriffsspiel für das Rückspiel vorzulegen. "Ich wollte aus dem Vollen schöpfen. Leider fehlen mir wichtige Spieler", bekannte Rehhagel. Es fehlen in Vassilis Torosidis (Piräus) und Giourkas Seitaridis (Panathinaikos) beide gesetzten Außenverteidiger, die im Spiel nach vorne deutliche Akzente hätten setzen können. Ferner fehlen Angreifer Jannis Amanatidis (Eintracht Frankfurt) und der eigentlich für die Neutralisierung von Andrej Schewtschenko vorgesehene Manndecker Patsatzoglou (Omonia Nikosia). Frustriert wegen seiner bescheidenen Einsatzzeiten in der Nationalmannschaft hatte Angreifer Nikos Liberopoulos (Frankfurt) im Oktober überraschend seinen Rücktritt erklärt. Zudem ist der Einsatz von Stammtorwart Kostas Chalkias (Paok Saloniki) nach einer Verletzungspause fraglich.
Kopfzerbrechen bereitet Rehhagel ferner, dass die neben Vassilis Pliatsikas (Schalke 04) einzigen Bundesliga-Profis im Griechen-Kader, die Angreifer Theofanis Gekas (Bayer Leverkusen) und Angelos Charisteas (Nürnberg), nach zwölf Runden in dieser Bundesliga-Saison zusammen lediglich 345 Minuten Spielpraxis aufweisen und dabei kein einziges Tor markieren konnten. Dennoch gilt der Einsatz von Gekas gegen den Angstgegner (im Juni 2005 gewann die Ukraine 1:0 in Griechenland und fuhr zur WM 2006) als sicher. In der WM-Quali avancierte der einstige Bundesliga-Torschützenkönig mit zehn Treffern zum Toptorjäger der Hellenen. Damit die Griechen trotz "aller Unwägbarkeiten, die ein Fußballspiel aufweist" (Rehhagel), den Grundstein zur WM-Teilnahme legen, appellierte Rehhagel mit fester Stimme auf eindringliche Art und Weise an seine Schützlinge: "Geht an eure Grenzen und darüber hinaus!". Zumindest Rehhagel-Liebling Charisteas zeigte sich angetan. "Man sieht, dass Otto auch unbedingt zur WM will. Wir haben im Gegensatz zur Ukraine keine Erfahrung mit Relegationsspielen. Otto wird uns aber zeigen, wie wir diese Drucksituation meistern können."
Sollte dies jedoch nicht klappen, dann würde die Ära Rehhagel nach gut acht Jahren und - nach dem Rückspiel am Mittwoch - genau einhundert Pflichtspielen im Traineramt wohl ein unrühmliches Ende finden.
FERRY BATZOGLOU
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... nicht mehr Hartz IV, so will es Ministerin von der Leyen. Der neue Name soll "von unten" kommen. taz.de macht schon mal ein paar Vorschläge.

Wie jetzt, mit 17 schon alles erreicht? Milliarden gemacht, Romane geschrieben und die Charts geknackt? Auf wen wir wirklich neidisch sind.

Ein Jahr Obama: Nicht nur die Weltpolitik ist seine Bühne. Jetzt gibt es tatsächlich ein Obama-Musical.

Wär doch schade, wir hätten sie nicht notiert...


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Leserkommentare (1)
13.11.2009, 16:25 | Christian:
Seit wann ist Otto Rehhagel Westfale? Mag ja sein, dass das schön zu seiner verm...