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Im Jahr des Ochsen: druckt die Fotos der toten Chinesen!

Eigentlich wollte ich heute etwas Lustiges über die chinesische Ächzsprache bringen. Doch dann ereignete sich Anfang dieses Monats etwas im Westen Chinas... VON CHRISTIAN Y. SCHMIDT

IM JAHR DES OCHSEN: DRUCKT DIE FOTOS DER TOTEN CHINESEN!

VON CHRISTIAN Y. SCHMIDT

Eigentlich wollte ich heute etwas Lustiges über die chinesische Ächzsprache bringen. Doch dann ereignete sich Anfang dieses Monats etwas im Westen Chinas, das die deutsche Presse als "Unruhen" oder als "Krawall" beschrieb. Deshalb fällt das Lustige heute aus. Tatsächlich waren nämlich diese "Unruhen" in Ürümqi, der Hauptstadt der autonomen Region Xinjiang, nichts anderes als ein Massaker oder treffender: ein Pogrom. Und das wurde nicht von der chinesischen Polizei veranstaltet, sondern von den uigurischen "Demonstranten".

Allerdings brauchte auch ich zunächst ein bisschen, um das herauszufinden. Als ich die ersten Todeszahlen aus Ürümqi hörte, hatte ich die chinesische Polizei als Täter in Verdacht. Doch dann bemerkte ich aufgrund von Fotos und Propagandavideos, die offenbar uigurische Aktivisten kurz nach dem Ausbruch erster Krawalle ins Internet gestellt hatten, dass an dieser Version etwas nicht stimmen konnte. Die Polizisten, die hier den Demonstranten gegenüberstanden, machten eher einen hilflosen als aggressiven Eindruck. Auch gab es trotz der Bilderflut nur sehr wenige Fotos von uigurischen Opfern. Stattdessen waren im Netz bald ein große Zahl von Fotos zu finden, die erkennbar überwiegend Han-Chinesen zeigten, die mit zerschmetterten Schädeln und verrenkten Gliedern in ihrem Blut mitten auf der Straße lagen. Die meisten Opfer waren mittelalte bis ältere Männer und Frauen, manche waren mit dem Fahrrad unterwegs. Und ziemlich offensichtlich wurden sie nicht bei Straßenkämpfen getötet. Man hatte sie zu Tode geprügelt, erstochen oder mit Steinplatten erschlagen, offenbar nur weil sie Han-Chinesen waren.

Um von diesem furchtbaren Fund Mitteilung zu machen, verlinkte ich einige Opferfotos auf meiner Facebook-Seite. Ein Freund aus Deutschland kommentierte: "Nein, davon erfährt man aus der hiesigen Presse nichts." Dafür wurde hier der Propaganda des uigurischen Oppositionsbündnis "World Uighur Congress" um Rebiya Kadeer viel Platz eingeräumt. Der WUC behauptete unter anderem, die chinesische Polizei habe unter den Uiguren "ein Massaker ohne Beispiel" angerichtet, mit tausenden von Toten. Dass das eine ausgemachte Lüge ist, stand in den deutschen Zeitungen nicht. Das aber schrieb wenigstens zu Teilen die angelsächsischen Presse, deren Reporter in Ürümqi recherchierten. Der britische Telegraph erklärte: "Es gibt kaum Beweise, die Frau Kadeers Behauptungen stützen. Eine Serie von drastischen Fotos zeigt dagegen eine überwältigende Anzahl von han-chinesischen Leichen …" Ähnliches las man auch im Guardian, im Economist und in einer AP-Meldung.

Ich aber frage mich, wann der Tag kommt, an dem auch die deutsche Presse über Ereignisse in China ähnlich unvoreingenommen berichten wird? Einen Anfang könnte jedes Blatt damit machen, indem es wenigstens ein Foto der in Ürümqi hingemetzelten Han-Chinesen abdruckt. Zu finden sind die Fotos hier: http://news.wenxuecity.com/messages/200907/news-gb2312-882923.html.

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