Ein Interview mit dem Fußballgott über den Ansturm der Nervensägen zum Saisonfinale.
taz: Herr Fußballgott, zurzeit sind Sie ja wieder ein gefragter Mann. Laufend werden Sie angerufen, nervt Sie das nicht?
Fußballgott: O ja, jetzt wollten sie wieder alle was, die Duisburger, die Nürnberger, die Cottbuser, die Lauterer, um nur mal die größten Nervensägen zu nennen.
Wer sind die Schlimmsten, die Fans von den abstiegsgefährdeten Vereinen oder von denen, die um Titel, Europacupplätze oder Aufstiege kämpfen?
Eindeutig die vom Tabellenende, da geht's um die nackte Existenz. Jedenfalls tun die immer so.
Und hinterher zweifeln wieder viele, ob es Sie überhaupt gibt. Kränkt Sie das nicht?
Also, ich sag mal, das geht mir so was von am Arsch vorbei. Zumal das Geningel doch jede Saison aus einer anderen Ecke kommt, jetzt mal abgesehen von Schalke. Was mich aber wirklich stört, ist, dass die Fans jeden Pleppospieler mit meinem Namen rufen. Das haben wir alles nur den Dortmundern zu verdanken.
Ich dachte immer, dem Reporter Herbert Zimmermann.
Ja sicher, Zimmermann hatte mich 1954 in Bern beim WM-Finale erstmals ins Spiel gebracht, als er in seiner Reportage Toni Turek zum Fußballgott erklärte. Hätte er damals den Mund gehalten, hätte ich heute wohl meine Ruhe. Das ganze Theater ging ja auch erst richtig 40 Jahre später los, als die Dortmunder Fans im Stadion begannen, den Kohler immer mit meinem Namen zu brüllen. Plötzlich schlichen überall meine angeblichen Namensvettern über den Rasen. Das geht runter bis in die dritte Liga.
Ähm, tja, bei uns im Stadion von Union Berlin, in der Alten Försterei, ist das auch üblich. Das haben Sie mitbekommen?
Ich kriege alles mit.
Schauen Sie auch immer auf die verschiedenen Tabellen?
Klar.
Müssen Sie nicht neutral sein, so als Gott für alle?
Bin ich ja immer, aber hallo! Mal neigt sich das Glück zu den einen, mal zu den anderen.
Aber am Ende gewinnen immer die Bayern, jedenfalls in Deutschland. Sind Sie eigentlich FC-Bayern-Fan?
Ich bin gar kein Fan.
Und woher kommt der berühmte Bayern-Dusel?
Unterm Strich haben die auch nicht mehr Glück als die anderen. Da kann ich den Uli Hoeneß schon verstehen, wenn der bei solchen Sprüchen stets ausflippt.
Aber Schalke haben Sie immer ganz schön hängen lassen?
Ach, die gehen mir dermaßen auf den Sack mit ihrem ewigen Gejammer. Ständig habe ich an allem Schuld. Die sollen mal vernünftige Stürmer kaufen. Mit einer blöden Stadionkapelle beeindruckst du keinen Fußballgott.
Das klingt nun aber ein wenig parteiisch. Ist das nicht Wettbewerbsverzerrung?
Wieso, ich will doch nichts von denen! Die wollen alle was von mir. So wird ein Schuh draus.
Apropos Schuh, spielen Sie eigentlich auch selbst?
Mit wem soll ich denn spielen?
Der Papst tummelt sich auch gern mal auf ihrem Terrain und empfängt Spieler zur Audienz. In Absprache mit Ihnen?
Das ist sein Ding, mehr sage ich zu Kollegen nicht.
Und wie finden Sie es, dass die Fans von Diego Maradona sogar eine eigene Kirche namens "La mano de dios", also "Die Hand Gottes", gegründet haben, um Maradona anzubeten?
Dazu fällt mir nun wirklich nichts mehr ein.
Zum Schluss bitte noch einen Tipp zum Saisonfinale. Wer wird neben Rostock und Duisburg aus der Bundesliga absteigen? Nürnberg oder Bielefeld?
Nur eine Mannschaft.
Und Europameister werden die Deutschen?
Ihr seid doch schon Papst, reicht euch das nicht?
Herr Fußballgott, wir danken Ihnen für das Gespräch.
INTERVIEW: GUNNAR LEUE
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