Das geheime Tagebuch der Carla Bruni

  • 24.03.2009

die wahrheit

Labsal der Liebe

Das geheime Tagebuch der Carla Bruni. Heute: der Papst und andere Unheilmännlein. VON SILKE BURMESTER

Die Schlange Rachida und die Première Dame zahnen arglistig. Foto: ap

Mon cher journal intime …

Montag, 16. 3. 2009

Ich habe die Hormone abgesetzt. Ich konnte das Nici nicht mehr zumuten. Von mir aus hätte mein körperlicher Eifer ja noch eine Weile fröhlich weitergehen können, aber mein armer Muckelhase hat sich schon gefühlt wie ein Preisrammler. Völlig leer. Das ist natürlich blöd, so mittendrin aufzuhören, aber wenn seine Lebensenergie dafür draufgeht, dass es bei mir etwas fruchtet - das kann es ja auch nicht sein.

Dienstag, 17. 3. 2009

Dieser Schmierlappen Roland Koch hat sich wieder gemeldet. Wieder ein Billette. Erneut "möchte ich dem Entzücken Ausdruck geben, in das Sie, Verehrteste, mich versetzen, und bitte Sie um die Gunst eines Diners." Wenn ich erlaube, so schreibt er weiter, holt ein Wagen mich "heute um 12 Uhr ab".

Sag mal, liebes Tagebuch, tickt der noch ganz richtig? Wie stellt er sich das vor? Dass ich hier alles stehen und liegen lasse, nur weil ich heute noch nichts Richtiges gegessen habe? Ich weiß von Nici, dass er seinen Druck auf den deutschen Fernsehsender zurückgefahren hat und im Gegenzug darauf drängt, eine eigene Sendung zu bekommen. Er hatte angerufen und wollte Tipps haben, ob er mehr mit einem Tier-Quiz oder einer Polit-Sendung beim Volk punkten könne. Und ob man vertraglich festlegen könnte, dass Ausländer und politische Gegner nicht länger als zwei Sekunden gezeigt werden. Außerdem fragte er, ob Nici einen Fotografen für eine Home-Story empfehlen könne.

Ich bin von meinem kleinen Präsidenten ja einiges gewohnt. Aber dieses Maß an Eingebildetheit überrascht mich dann schon. Zumal es in keinem Verhältnis zum Format steht. Das ist gerade so, als würde man eine Mückencreme in einem Tiegel von La Prairie abfüllen. Und während Koch quasi vorn Nici auspresst, macht er mir hinter dessen Rücken seine Aufwartung. So ein Widerling! Also, wenn der noch mal anruft, kann ich ihm schon mal mit einem Titel für seine Sendung helfen: Arsch-TV.

Mittwoch, 18. 3. 2009

Ich weiß, liebes Tagebuch, ich hab gesagt, ich jammere nicht mehr. Sieben Wochen lang. Aber jetzt muss ich. Nur ganz kurz. Also: Ich werde überhaupt nicht mehr beachtet! Kein Schwein schreibt über mich. Mexiko war nur ein Tropfen Labsal auf meine wunde Seele. Aber was ist schon die Aufmerksamkeit von ein paar Kakteenzüchtern gegen die Beachtung der Grande Nation!

Donnerstag, 19. 3. 2009

Also, liebes Tagebuch, auch, wenn ich nicht zu den Auserwählten zählte, sondern nur eine normale Frau wäre, eine Büroangestellte etwa, eine Lehrerin oder eine Hausfrau, die ihre Lebenszeit mit nichtsnutziger Deppenarbeit verplempert, für die sie nicht einmal Anerkennung, geschweige denn Lohn erntet, also wenn ich eben ganz normal wäre, würde ich mich jetzt sehr aufregen. So aber, als Aids-Aktivistin, als Stimme des Schwarzen Kontinents, als Mama Afrika quasi, habe ich auch die moralische Legitimation, ja sogar die Verpflichtung, mich ganz entschieden zu echauffieren.

Es geht um Folgendes: Der Papst torpediert meine Arbeit! Diese Grauzone des Menschlichen, dieser Bruder der Fahlnis, scheint nun endgültig von allen guten Geistern verlassen. Schon, als wir ihn im Sommer trafen, hatte ich den Eindruck, der ist nicht nur von all dem Weihrauch lull und lall. Seine aktuelle Behauptung, der Gebrauch von Kondomen verschlimmere die Aids-Problematik, bestärkt mich jetzt in der Annahme, dass der schlichtweg senil ist. Schon damals habe ich mich gewundert, dass er sich meinen Namen nicht merken konnte und Nici und mich mit dem Namen seiner Geschwister Maria und Georg ansprach und die ganze Zeit "Vater, Mutter, Kind" spielen wollte. Auch, dass er zur Tea-Time die Sandwiches auf seinen Spann legte, bevor er die Schuhe darüberzog, damit "die nicht so drücken", hat mich arg irritiert. Und jetzt das!

Ich weiß gar nicht, wie ich das wieder gutmachen soll, was der da jetzt mit seinen wirren Worten angerichtet hat. Der bringt so viel Unheil über die katholische Welt wie George W. Bush über die westliche. Es ist ja nicht nur so, dass der Schwarze gern schnackselt, der ist in der Regel ja auch etwas naiv und glaubt, was ein Weißer sagt. Je weißer, desto mehr Anerkennung. Deswegen hängen die dem Aschemännlein so an den Lippen. Und ich kann nun zusehen, dass ich die wieder auf die Spur bringe. Aber wie? Ich kann ja nicht beim Petting danebensitzen und, wenn's ans Pimpern geht, das Gummi aus der Umhängetasche holen. Vielleicht sollte ich ein Konzert geben und über die Gefahren singen. "Carla for Afrika" oder so.

Freitag, 20. 3. 2009

Alle protestieren gegen Nici. Alle Straßen sind voll. Das ist so peinlich. Nicht nur, weil sie ihn durchschaut haben und seine Machenschaften, die Unternehmer zu begünstigen und das Volk darben zu lassen, benennen, nein, vor allem, weil es nicht schön ist, an der Seite eines Geächteten zu stehen. Ich bin froh, dass ich die Hormone abgesetzt habe und nun nicht mehr so rollig bin. Die Vorstellung, Sex mit einem Mann zu haben, währenddessen draußen das Volk vor dem Balkon steht und seinen Kopf fordert, macht mich nicht gerade heiß.

Samstag, 21. 3. 2009

Wochenende, endlich. Bloß raus hier aus dem Affentheater. Irgendwohin aufs Land. Nici will sehen, ob er seine alte Vespa wieder flottbekommt. Könnte ja auch ein Mechaniker machen. Aber nein, "da muss ein Mann ran". Aha.

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