Sieben Aktivisten reißen in Mecklenburg die Genkartoffel Amflora von BASF aus. Der Konzern lässt sich das nicht so einfach gefallen, schickt Polizisten und 30 Mitarbeiter. VON MARTIN KAUL
Ganz in weiß gegen Gendreck: Feldbefreier wird von Polizei abgeführt. Foto: dpa
Das hatten sie so eingeplant: Mit Strafanzeigen wegen Nötigung, Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung sehen sich sieben Gentechnik-GegnerInnen konfrontiert, die am Donnerstag in Mecklenburg-Vorpommern zu einer symbolischen Feldbefreiung angetreten sind. In weißen Schutzanzügen ernteten sie auf dem BASF-Kartoffelacker nahe dem Örtchen Zepkow Knollen der gentechnisch veränderten Kartoffelsorte Amflora. Weit kamen sie nicht - dann ging es ab zur Polizei.
Denn der Großkonzern BASF mit Sitz in Ludwigshafen sieht es nicht gern, wenn sich auf seinen Äckern Widerstand breit macht und stellte umgehend Strafantrag gegen die FeldbefreierInnen. Diese hatten zuvor einige der bedenklichen Pflanzen geerntet und insgesamt sieben Gefahrensäcke befüllt.
Die AktivistInnen sehen in dem Anbau der Gen-Knolle einen gefährlichen Eingriff in die Natur und betrachten die Auspflanzung der Gen-Kartoffel als Notstand, der auch mittels zivilen Ungehorsams zu bekämpfen sei. "Solange weder Politiker noch Gerichte Mensch und Natur vor der Gentechnik schützen, müssen wir eben selbst für den faktischen Widerruf sorgen", sagte Holger Isabelle Jänicke.
Der BASF-Konzern reagierte am Feldrand auf eigene Weise auf die Aktion: Bei einer vom Konzern angemeldeten Kundgebung durften rund 30 BASF-Mitarbeiter ihre "Wünsche für eine grüne Gentechnik" auf Kärtchen schreiben und diese mit Luftballons in den blauen Sommerhimmel steigen lassen. Eine BASF-Sprecherin sagte: "Wir setzen hiermit ein deutliches Zeichen für den Dialog und gegen Straftaten und Vandalismus." BASF wolle den Pflanzen helfen, auch mit widrigen Faktoren besser zurechtzukommen.
Was sich so selbstlos anhört, hat freilich einen wirtschaftlichen Hintergrund: Nach Angaben der Sprecherin bringt die Nutzung der Kartoffel gesamtwirtschaftliche Mehreinnahmen von ein- bis zweihundert Millionen Euro jährlich. "Es geht uns darum, gentechnisch veränderte Pflanzen nutzen zu können, um auch wettbewerbsfähig zu sein", sagte sie. Erst am Mittwoch hatte die Europäische Kommission fünf neue Sorten Genmais für den europäischen Markt zugelassen, die zwar nicht angebaut, aber verarbeitet werden dürfen. Zum Anbau sind in Europa erst zwei Gen-Pflanzen zugelassen: Amflora sowie die Genmaissorte MON 810, die alber in Deutschland bereits wieder verboten wurde.
FeldbefreierInnen wie der 55-jährige Energieberater Karl Braig waren in der Vergangenheit erfolgreich gegen diese Maissorte vorgegangen. Braig war noch am Mittwoch vom Landgericht Würzburg zu 42 Tagessätzen à 30 Euro verurteilt worden, weil er im Sommer 2008 bei einer Feldbefreiung in Kitzingen den Genmais ausgerupft hatte. Auch er stand am Donnerstag mit auf dem Feld. Im September wollen die AktivistInnen das Kartoffelfeld erneut stürmen - dann unter internationaler Beteiligung.
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Leserkommentare (16)
02.08.2010, 12:11 | maria Daubenbüchel:
warum hat man nicht vorher den dialog gesucht,statt unaugegorenes in die we...
02.08.2010, 11:09 | Jens Schlegel:
@ John Doe, es ist ja das Ziel, Aufmerksamkeit zu erregen und die ganze Sache zu...
31.07.2010, 22:45 | John Doe:
Es gab ja auch Arbeitnehmer im postdienstleistenden Unternehmen die für ihren Ar...
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