Banken fütterten ihre PCs mit falschen Daten, um Sicherheitslimits zu umgehen. Das hat vielleicht die Finanzkrise verursacht, so sagt eine Expertin für Risikomanagement. VON BEN SCHWAN
Damit kann man auch eine Finanzkrise verursachen. Foto: dpa
BERLIN taz
Wie viel Spielcasino war die Wall Street? Wenn man vor der Finanzkrise mit Entscheidungsträgern großer Investmentbanken gesprochen hätte, ihre Hauptaussage wäre gewesen: Der Niedergang der Geldmärkte sei schon rein aus Gründen des Risikomanagements unmöglich. Fast jeder Handel (Trade) wird über Gegenhandelsmodelle (Hedges) abgesichert, Kredite über sogenannte Credit Default Swaps "versichert". Über all den Zahlenkolonnen wachen hochkomplexe Computersysteme. Die Technik greife ein, bevor ein unausgeschlafener Händler zu spät handele, hieß es gerne.
Die Spezialisten für dieses Thema waren in den USA oft die schlauesten Absolventen jedes Uni-Jahrgangs aus Mathematik, VWL und Informatik, die nach dem Elitestudium lieber an die Wall Street zum Verdienen schnellen Geldes gingen, als sich in der schlecht bezahlten Wissenschaft zu verdingen.
Allein all die Gehirnleistung verhinderte nicht den Crash. Warum die Computer nicht so funktionierten wie vorgesehen, darüber streiten die Gelehrten noch. Es sieht aber verdammt danach aus, als ob die Wall Street ihre zur eigenen Absicherung vorgesehene Technologie beschummelte.
Modernes Risikomanagement kann eigentlich erstaunlich viel. Es durchleuchtet das gesamte von einer Institution gehaltene Portfolio und schätzt ab, was wo wann potenziell verlorengehen könnte. Ohne moderne Software ist das sowieso nicht mehr zu schaffen, sind die von den Geldhäusern gehaltenen Zockerprodukte wie etwa Derivate samt ihren Gegenpositionen heute derart komplex, dass Einzelpersonen sie eigentlich nicht verstehen können. Am Schluss herauskommen sollte eine relativ leicht zu verstehende Zahl: die des möglichen Maximalverlusts.
Das funktioniert allerdings nur, wenn man seinen Rechnern wirklich erlaubt, alle Positionen "zu sehen". Wie die New York Times berichtet, war das nicht der Fall. Die lauten Sirenen gingen demnach gar nicht an, stattdessen unterschätzten die Softwaremodelle aufgrund der ihnen gegebenen Daten das Risiko sehr, sehr deutlich. Nun mag es ja sein, dass das, was derzeit an der Börse passiert, "einer Jahrhundertflut gleicht", wie die Präsidentin eines auf Risikomanagement spezialisierten Beratungsunternehmens gegenüber der Zeitung sagte. Doch traf die nur deshalb auf unvorbereitete "Quants", weil die ihre Rechner auf Anraten des Managements mit erstaunlich optimistischen Annahmen gefüttert hatten und ihren die komplexesten Daten schlicht vorenthielten. Und so ergab sich, dass die Bankbosse ihre Computermodelle im täglichen Geschäft ganz einfach ignorieren konnten, denn da sah ja alles nach "alles im Lot" aus. Einer der Tricks, die ein Experte der New York Times verriet: Die Computermodelle betrachteten einfach mehrere Jahre der Handelsaktivität, anstatt sich den risikoreicheren letzten Monaten zu widmen. Schon sah die Statistik besser aus.
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... nicht mehr Hartz IV, so will es Ministerin von der Leyen. Der neue Name soll "von unten" kommen. taz.de macht schon mal ein paar Vorschläge.

Wie jetzt, mit 17 schon alles erreicht? Milliarden gemacht, Romane geschrieben und die Charts geknackt? Auf wen wir wirklich neidisch sind.

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Wär doch schade, wir hätten sie nicht notiert...


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Leserkommentare (1)
31.01.2009, 23:34 | Norbert:
Dass Computer und Daten nach aller Möglichkeit manipuliert werden, ist nicht ung...