Genau zu Beginn der Befragungen kongolesischer Opferzeugen bricht im Kongo der Krieg wieder aus. Nicht mal die erste Zeugin kann zu Ende befragt werden.von Bianca Schmolze

Unter diesem Wappen sollen Kongolesinnen von ihren Vergewaltigungen durch die FDLR berichten. Bild: dapd
In der Mitte des Saals steht ein großer Fernseher und eine Kamera für die audiovisuelle Befragung, auch ein Techniker ist anwesend. Vor Beginn der Sitzung ist die Kamera kurz an: man sieht das Ende eines Tisches mit einer Stuhllehne vor einer Wand mit dem Wappen des Landes Baden-Württemberg.
Ist Ihnen dieser Artikel etwas wert?
Dieser Tisch und diese Wand befinden sich an einem unbekannten Ort im Afrika der Großen Seen. Hier werden, unter strikten Ausschluss der Öffentlichkeit, die kongolesischen Opferzeugen im Prozess vor dem Oberlandesgericht Stuttgart gegen Ignace Murwanashyaka und Straton Musoni, Präsident und 1. Vizepräsident der im Kongo kämpfenden ruandischen Hutu-Miliz FDLR (Demokratische Kräfte zur Befreiung Ruandas) per Videolink befrag.
Beziehungsweise: Hier sollten sie befragt werden. Denn wenige Tage nach Beginn der ersten dieser Vernehmungen bricht der Krieg, der derzeit im Osten der Demokratischen Republik Kongo zwischen Regierung und der Tutsi-geführten Rebellenbewegung M23 (Bewegung des 23. März) herrscht, nach einigen Monaten Ruhe wieder voll auf.
Am 12., 14. und 19. November sollte die erste kongolesische Zeugin befragt werden. Ab 21. November sollte der nächste Zeuge folgen. Am 15. November brachen nördlich von Goma schwere Kämpfe zwischen Kongos Regierungsarmee und den M23-Rebellen aus. Am 17. November rückten die Rebellen bis an den Stadtrand von Goma heran. Am 19. November beschoss Kongos Armee die ruandische Grenzstadt Gisenyi mit Artillerie. Am 20. November eroberten die M23-Rebellen Goma nach schweren Kämpfen.
An ihrem ersten Tag, dem 112. Verhandlungstag, wird die erste Zeugin noch ganztägig vernommen, mit häufigen und im Laufe des Tages immer häufigeren Unterbrechungen. Am zweiten Tag wird erklärt, die Zeugin sei vom ersten Tag sehr mitgenommen, habe sich aber entschieden, doch weiter auszusagen. Doch die Befragung endet bereits nach wenigen Stunden. Am dritten Tag ist die Zeugin gar nicht erst da. Aufgrund der aktuellen Situation sei die Vernehmung nicht möglich, verkündet der Vorsitzende Richter Hettich unter Verweis auf eine E-Mail des BKA-Vertreters vor Ort.
Das wird auch so bleiben. Die Befragung der Zeugin ist bis auf weiteres nicht möglich, verkündet der Senat am 21. November. Die der weiteren Opferzeugen offenbar auch nicht. Nach wenigen Tagen gibt der Senat einen neuen Fahrplan für den weiteren Verlauf des Prozesses bis Jahresende bekannt.
Redaktion: Dominic Johnson
Enge Entscheidung: Nach der Wahl in Montenegro halten sich sowohl Antsinhaber Vujanovic als auch Herausforderer Lekic für den Gewinner. Ein amtliches Ergebnis soll am Montag vorliegen.

Die taz zieht eine Zwischenbilanz des laufenden Stuttgarter Kriegsverbrecherprozesses gegen die beiden FDLR-Milizenführer in Stuttgart und ordnet das Prozessgeschehen ein. Eine Prozessreportage aus Stuttgart; eine Analyse der Arbeit der Bundesanwaltschaft weltweit; ein Hintergrund zu Kriegsverbrecherermittlungen im Kongo und ein Interview mit Amnesty International-Expertin Leonie von Braun.
Von Stierhörnern in Stierkämpfern, Zombies und menschlichen Engeln. Unsere Bilder der Woche.

Das Handy hat Geburtstag: Eine kurze Geschichte der ebenso erfolgreichen wie nervtötenden Erfindung.

Was der nordkoreanische Führerkult mit Raketen und Rammlern aus Brandenburg zu tun hat.

Schnee verpiss dich, keiner vermisst dich. Der Frühling muss kommen. Jetzt, sofort. Hau rein, Lenz!


Für alle, die mitreden wollen
Der lange Abschied vom Wachstum, Kriminalität ohne Grenzen, der Kampf um die richtige Landwirtschaft, Sozialpolitik gegen den sozialen Fortschritt, die überfällige Reform der UN: Der neue Atlas der Globalisierung von Le Monde diplomatique veranschaulicht auf 176 Seiten und in über 150 neuen Karten und Infografiken in welchem Tempo die Globalisierung voranschreitet und die Welt verändert.