13.10.2016

"Arisierung". taz.bremen lädt zum öffentlichen Symposium am 3. November.

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Der Umgang mit dem „Unrechts-Erbe“, der Aneignung jüdischen Besitzes in der NS-Zeit, ist Thema eines öffentlichen Symposiums am 3. November 2016 in Bremen. Bremen als Hafen- und Logistikstandort profitierte insbesondere vom Transport geraubten jüdischen Eigentums. Die taz.bremen und die Bremische Bürgerschaft veranstalten das Symposium zusammen mit dem Institut für Geschichtswissenschaft der Universität Bremen. HistorikerInnen stellen den jeweiligen Forschungsstand in Bezug auf die Profit-Trias Fiskus, Firmen und Privatleute dar. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Frage, wie sich der heutige Umgang mit den NS-Erbschaften gestaltet. Hilde Schramm, die Tochter Albert Speers, stellt in diesem Kontext die Arbeit der von ihr mit gegründeten Stiftung „Zurückgeben“ vor.

Das Symposium fokussiert sich dabei nicht nur auf die Enteignung wertvoller Kunstwerke oder den Zwangsverkauf von Immobilien, sondern fragt auch nach Verbleib und Bedeutung der weit weniger im Fokus stehenden „arisierten“ Möbel und Alltagsgegenstände. Deren oft vergessene Existenz in vielen deutschen Haushalten verweist sowohl auf die Totalität der „Verwertung“ jüdischen Eigentums, als auch die Schwierigkeit, einen angemessen Umgang mit diesem Erbe zu finden.

Vorausgegangen war eine vielbeachtete Initiative der taz.bremen für ein Bremer „Arisierungs“- Mahnmal. Anlass war die Weigerung des in Bremen gegründeten Logistik-Konzerns Kühne + Nagel, seine zentrale Rolle bei der „Verwertung“ jüdischen Eigentums aufzuarbeiten. Im Zuge der Recherchen wurde deutlich, dass Bremen darüber hinaus als Hafen- und Logistikstandort überproportional von der Ausplünderung der jüdischen Bevölkerung profitierte, auch im Rahmen der Auswanderung.

Ein überragend erfolgreiches Crowdfunding zum Kauf eines Grundstücks für das Mahnmal erbrachte bislang über 27.000 Euro. 8.000 Euro wurden der jüdischen Gemein-de Bremens zur Unterstützung ihrer älteren und bedürftigen Mitglieder gespendet. In einem Ideenwettbewerb wurden Entwürfe für das Mahnmal ausgewählt. Und in einer Ausstellung in der Bremer Bürgerschaft im vergangenen Sommer wurden die Entwürfe vorgestellt sowie Möbel und Hausrat gezeigt, der aus den damaligen „Juden-Auktionen“ stammt.

Informationen zum Stand der Mahnmal-Initiative und weitere Artikel zum Thema finden Sie unter www.taz.de/denkmal

Die taz.bremen veranstaltet das Symposium zusammen mit der Bremischen Bürgerschaft und dem Institut für Geschichtswissenschaften der Universität Bremen. Kooperationspartner sind die Landeszentrale für politische Bildung Bremen, die Heinrich-Böll-Stiftung Bremen, die Rosa-Luxemburg-Stiftung Bremen und die Friedrich-Naumann-Stiftung.

Ort: Festsaal der Bremischen Bürgerschaft, Am Markt 20, 28195 Bremen

 

Termin: 3. November 2016, 14 bis 21.30 Uhr, anschließend Möglichkeit zum Get-together.

Mit Johannes Beermann, Fritz Bauer Institut Frankfurt/M., Dr. Stefanie van de Kerkhof, Universität Heidelberg, Dr. Hilde Schramm, Stiftung Zurückgeben Berlin und Prof. Dr. Constantin Goschler, Professor für Zeitgeschichte an der Ruhr-Universität Bochum.

Grußworte halten Christian Weber, Präsident der Bremischen Bürgerschaft/ Landtag, Karoline Linnert, Bürgermeisterin und Finanzsenatorin der Freien Hansestadt Bremen und Prof. Dr. Martina Winkler, Direktorin des Instituts für Geschichtswissenschaft der Universität Bremen.

Der Eintritt ist frei.

Weitere Informationen zum Symposium und Anmeldung sind möglich bei Henning Bleyl, bleyl@taz.de.

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