Vor 150 Jahren wurde der Hobrecht-Plan verabschiedet. Der brachte die Mietskasernen, aber auch die „Berliner Mischung“. Lange verpönt, wird das Werk heute gewürdigt.von Uwe Rada
"... denn auch die vielen Kieze gehen auf den Plan zurück. Hobrecht vermied es, die Stadt aufs Zentrum auszurichten ..." - im Gegensatz zu heutigen Stadtplanern und ihren hochnäsigen Politikern, die sämtliche Kulturangebote in die Mitte Berlins und in ein feudales wilhelminisches Stadtschloß pressen wollen.
Die Dahlemer Museen und vielen anderen Wissenschafts- und Forschungsstandorte sollen in Dahlem bleiben! Und die Gemäldegalerie im Kulturforum!
Soll der Pietzsch seine Sammlung doch im Flughafen Tempelhof unterbringen. Dort ist genug Platz.
30.07.2012 20:48 Uhr
von Gerda:
Was soll dieses Geschimpfe über Dahlem? Dahlem ist überhaupt kein Schandfleck dieser Stadt. Dort gibt es die Dahlemer Museen, die Domäne Dahlem, die Freie Universität Berlin, das Alliierten-Museum (ehemaliges "Outpost"), den Grunewald, den Botanischen Garten, den Thielpark und vieles mehr an historischen Stätten. All das ist schön!
Was ist dort skandalös? Wo ist dort eine Ghettoisierung?
30.07.2012 18:14 Uhr
von Fiona Flauderer:
"Diverse Bezirke oder Stadtviertel sind auf dem Weg zur Monokultur: Wohnbezirke mit homogener Sozialstruktur"
Da fällt mir doch sofort Dahlem ein, der Schandfleck dieser Stadt - absolute Monokultur, homogene Sozialstruktur - da hat das überhaupt nicht geklappt mit der sozialen Durchmischung!
Vielleicht sollten wir da mal ein Quartiersmanagement einrichten, um diese skandalösen Zustände zu beheben. Stoppt die Ghettoisierung Dahlems!
30.07.2012 15:31 Uhr
von Robert M:
@felix Na wenn Albert Schweitzer sich mit seiner fortschritssfeindlichen Haltung durchgesetzt hätte, dann müssten wir Jahr für Jahr überlegen, wie viele der Kinder und Alten, die leider von der eigenen Scholle nicht ernährt werden können, wir dem Hungertod opfern. Andererseits gäbe aus auch nicht dieses teuflische Internet, in dem Sie Ihre romantisierenden Thesen verbreiten könnten. Dann graben Sie sich doch mal ein schönes Erdloch und versorgen sich daraus selbst.
30.07.2012 08:12 Uhr
von mörff:
"...es war auch die Vorwegnahme einer Stadt der kurzen Wege – und vielleicht die Blaupause für das heutige Berlin der kreativen Klasse."
Das glaube ich wohl weniger. Es war wohl eher Pramatismus, schließlich waren die Transportmittel damals nicht so fortschrittlich bzw. gerade einfacheren Menschen zugänglich.
Aber der Artikel zeigt auch, wie fortschrittlich der Hobrecht-Plan insgesamt war: Soziale Durchmischung, kurze Wege, Dezentralisierung - Aspekte die heute nach wie vor sehr wichtig sind, aber in den letzten Jahrzehnten irgendwie abhanden gekommen sind im Berliner Stadtbild.
Die Innenstadt ist, bzw. soll weiterhin von Autobahnen zerschnitten werden, und diverse Bezirke oder Stadtviertel sind auf dem Weg zur Monokultur: Wohnbezirke mit homogener Sozialstruktur, Industriegebiete, Business-/Shopping-Viertel,...
30.07.2012 07:08 Uhr
von felix:
Albert Schweitzer verdammte die Agglomeration von Menschen in großen Städten. Er sah den Pflegenotstand für alte Menschen kommen, er sah auch die Rentenproblematik und die völlige Verarmung breiter Schichten der Bevölkerung kommen. Schuld daran ist die Aglomeration von Menschen in Städten.
Nach Albert Schweitzer dürfen Menschen nicht aus ihrem Großfamilienverband herausgerissen und in Städten kaserniert werden. Nach Albert Schwietzer muss jeder Mensch einen Anspruch auf eine eigene Scholle haben, von der er sich in Wirtschaftskrisen als Selbstversorger durchschlagen kann. Der Mensch brauch seinen Großfamilienverband, in dem die Großfamilie soziale Härtefälle abfängt. Albert Schweitzer wußte, dass es der Staat eben nicht richten kann. Und er hat bis heute recht behalten.
Heute ist man sogar soweit, dass sogar die verbliebenen Kleinfamilien zerschlagen werden. Idealtyp der kapitalistischen Wirtschaft ist der Singlehaushalt - Völlig vereinzelte Menschen, die weltweit mobil sind und bereit sind sich innerhalb weniger Tage überall dort zeitweilig niederzulassen, wo Wirtschaft und Industrie gerade Arbeitskräfte brauchen.
Vereinzelte Menschen, ohne feste soziale und geographische Bindungen, haltlos, machtlos, hilflos, verunsichert, völlig abhängig von einem Staat, leicht kontrollierbar, leicht steuerabar, gnadenlos abhängig.
Die Welt sähe anders aus, wenn jeder Mensch die Möglichkeit hätte, sich für die Selbstversorgung statt einer Erwerbs-Sklavenarbeit zu entscheiden.
Leserkommentare
30.07.2012 21:14 Uhr
von Gerda:
"... denn auch die vielen Kieze gehen auf den Plan zurück. Hobrecht vermied es, die Stadt aufs Zentrum auszurichten ..." - im Gegensatz zu heutigen Stadtplanern und ihren hochnäsigen Politikern, die sämtliche Kulturangebote in die Mitte Berlins und in ein feudales wilhelminisches Stadtschloß pressen wollen.
Die Dahlemer Museen und vielen anderen Wissenschafts- und Forschungsstandorte sollen in Dahlem bleiben! Und die Gemäldegalerie im Kulturforum!
Soll der Pietzsch seine Sammlung doch im Flughafen Tempelhof unterbringen. Dort ist genug Platz.
30.07.2012 20:48 Uhr
von Gerda:
Was soll dieses Geschimpfe über Dahlem? Dahlem ist überhaupt kein Schandfleck dieser Stadt. Dort gibt es die Dahlemer Museen, die Domäne Dahlem, die Freie Universität Berlin, das Alliierten-Museum (ehemaliges "Outpost"), den Grunewald, den Botanischen Garten, den Thielpark und vieles mehr an historischen Stätten. All das ist schön!
Was ist dort skandalös? Wo ist dort eine Ghettoisierung?
30.07.2012 18:14 Uhr
von Fiona Flauderer:
"Diverse Bezirke oder Stadtviertel sind auf dem Weg zur Monokultur: Wohnbezirke mit homogener Sozialstruktur"
Da fällt mir doch sofort Dahlem ein, der Schandfleck dieser Stadt - absolute Monokultur, homogene Sozialstruktur - da hat das überhaupt nicht geklappt mit der sozialen Durchmischung!
Vielleicht sollten wir da mal ein Quartiersmanagement einrichten, um diese skandalösen Zustände zu beheben. Stoppt die Ghettoisierung Dahlems!
30.07.2012 15:31 Uhr
von Robert M:
@felix
Na wenn Albert Schweitzer sich mit seiner fortschritssfeindlichen Haltung durchgesetzt hätte, dann müssten wir Jahr für Jahr überlegen, wie viele der Kinder und Alten, die leider von der eigenen Scholle nicht ernährt werden können, wir dem Hungertod opfern.
Andererseits gäbe aus auch nicht dieses teuflische Internet, in dem Sie Ihre romantisierenden Thesen verbreiten könnten.
Dann graben Sie sich doch mal ein schönes Erdloch und versorgen sich daraus selbst.
30.07.2012 08:12 Uhr
von mörff:
"...es war auch die Vorwegnahme einer Stadt der kurzen Wege – und vielleicht die Blaupause für das heutige Berlin der kreativen Klasse."
Das glaube ich wohl weniger. Es war wohl eher Pramatismus, schließlich waren die Transportmittel damals nicht so fortschrittlich bzw. gerade einfacheren Menschen zugänglich.
Aber der Artikel zeigt auch, wie fortschrittlich der Hobrecht-Plan insgesamt war: Soziale Durchmischung, kurze Wege, Dezentralisierung - Aspekte die heute nach wie vor sehr wichtig sind, aber in den letzten Jahrzehnten irgendwie abhanden gekommen sind im Berliner Stadtbild.
Die Innenstadt ist, bzw. soll weiterhin von Autobahnen zerschnitten werden, und diverse Bezirke oder Stadtviertel sind auf dem Weg zur Monokultur: Wohnbezirke mit homogener Sozialstruktur, Industriegebiete, Business-/Shopping-Viertel,...
30.07.2012 07:08 Uhr
von felix:
Albert Schweitzer verdammte die Agglomeration von Menschen in großen Städten. Er sah den Pflegenotstand für alte Menschen kommen, er sah auch die Rentenproblematik und die völlige Verarmung breiter Schichten der Bevölkerung kommen. Schuld daran ist die Aglomeration von Menschen in Städten.
Nach Albert Schweitzer dürfen Menschen nicht aus ihrem Großfamilienverband herausgerissen und in Städten kaserniert werden. Nach Albert Schwietzer muss jeder Mensch einen Anspruch auf eine eigene Scholle haben, von der er sich in Wirtschaftskrisen als Selbstversorger durchschlagen kann. Der Mensch brauch seinen Großfamilienverband, in dem die Großfamilie soziale Härtefälle abfängt. Albert Schweitzer wußte, dass es der Staat eben nicht richten kann. Und er hat bis heute recht behalten.
Heute ist man sogar soweit, dass sogar die verbliebenen Kleinfamilien zerschlagen werden. Idealtyp der kapitalistischen Wirtschaft ist der Singlehaushalt - Völlig vereinzelte Menschen, die weltweit mobil sind und bereit sind sich innerhalb weniger Tage überall dort zeitweilig niederzulassen, wo Wirtschaft und Industrie gerade Arbeitskräfte brauchen.
Vereinzelte Menschen, ohne feste soziale und geographische Bindungen, haltlos, machtlos, hilflos, verunsichert, völlig abhängig von einem Staat, leicht kontrollierbar, leicht steuerabar, gnadenlos abhängig.
Die Welt sähe anders aus, wenn jeder Mensch die Möglichkeit hätte, sich für die Selbstversorgung statt einer Erwerbs-Sklavenarbeit zu entscheiden.