1. - 12. Oktober 2017 (fällt aus)

Marokko (Nord)

Reiseleitung: Thomas Hartmann

Der Ort Moulay Idriss bei Meknès hat sich zur populärsten Pilgerstätte Marokkos entwickelt. Bild: Dagmar Lemke

Casablanca - Chefchaouen -  Meknès - Fès - Rabat

Zwei Aspekte stehen im Fokus dieser Reise zwischen der modernen Metropole Casablanca und dem traditionellem Zentrum Fès: die Muslime Marokkos leben nebeneinander recht unterschiedliche Auffassungen vom Islam und in Sachen Zivilgesellschaft ist das Land eines der dynamischsten in der arabischen Welt.

PROGRAMM

PREISE UND LEISTUNGEN

LITERATUR ZUM EINLESEN

 

PREIS: ab 2.050 € (DZ/HP/Flug)

VERANSTALTER:

Marokko erleben, Hamburg,         Tel: 040 – 43 19 07 52 info@marokkoerleben.de

 

Die Reise kann nur beim Veranstalter gebucht werden

Beide Aspekte lernen Sie auf der Reise kennen. Dazu gehören in Rabat und Casablanca Frauen- und Menschen- rechtsgruppen sowie Teilnehmer des 'arabischen Frühlings' von 2011, aber auch die lebendige Tradition von Volksislam und Sufismus, insb. in Fès; und Sie erfahren, wie der Staat bzw. die Monarchie, aber auch wie kulturell oder sozial engagierte Menschen mit den verschiedenen islamischen Strömungen umgehen. Abgerundet wird die Reise durch einen Abstecher ins malerische Chefchaouen (Rif-Gebirge).

Thomas Hartmann, früher taz-Nahost-Redakteur; seit 2008 Leiter der "Reisen in die Zivilgesellschaft"

 

Für die gesellschaftliche Entwicklung Marokkos der letzten 25 Jahren hatte die breite, gut vernetzte Frauenbewegung eine große Bedeutung; sie war ein wichtiger Faktor für die außergewöhnliche gesellschaftliche Öffnung in diesem islamischen Land. Mehrere Gesprächspartnerinnen auf der Reise können davon berichten.

Einer ihrer wichtigsten Erfolge war eine weitgehende rechtliche Gleichstellung von Männern und Frauen, die nach einer zehn Jahre andauernden Kampagne von Frauengruppen 2004 durchgesetzt wurde, als das Parlament die Reform des Familienrechts verabschiedete.

Demonstation wähend des "arabischen Frühlings" im Frühjahr 2011 Bild: Archiv

Eingeleitet wurde diese Öffnung Mitte der 1990er Jahre durch die Aufarbeitung der "bleiernen Zeit", der staatlichen Repressionen in den 30 Jahren zuvor unter König Hassan II. Dies war verbunden mit der Freilassung der damaligen linken politischen Gefangenen, sie erhielten sogar Entschädigung - allerdings gibt es inzwischen neue politische Gefangene, vor allem Salafisten bzw. Dschihadisten.

Überall in Marokko entstanden seit Mitte der 1990er Jahre Initiativen und Gruppen, die sich für die Verbesserung ihrer Lebensbedingungen sowie für soziale und politische Belange engagieren. Am Anfang waren es vor allem Frauen- und Menschenrechtsgruppen sowie gewerkschaftliche Initiativen, inzwischen gibt es Gruppen zu allen Themen.

Mit der Reform des Familienrechts waren die vielfältigen sozialen und ökonomischen Probleme natürlich nicht alle beseitigt. Die neuen Rechte der Frauen müssen auch heute noch im Alltag durchgesetzt, in der Verwaltung und vor Gericht angewandt werden und auch z.B. die Pressefreiheit muss immer wieder verteidigt werden.

Zudem fordert die Frauenbewegung längst gesetzliche Nachbes- serungen, z.B. zum Schutz vor Gewalt in der Familie. Doch insgesamt entstand ein in der arabischen Welt beispielloses Spektrum zivilgesellschaftlichen Engagements mit Hunderten von Initiativen, Gruppen und Projekten. Einige werden die TeilnehmerInnen dieser Reise kennenlernen, etwa das Projekte-Netzwerk "Réseau associative" in Fès.

Im Innenhof eines tradtionellen Hauses ("Riad") in der Altstadt von Fès. Bild: Thomas Hartmann

Diese Zivilgesellschaft musste sich im Rahmen staatlicher Strukturen entwickeln, die letzte Entscheidungen dem König zugesteht und seine Monarchie besitzt eine lange, autoritäre Herrschaftstradition. Aber die lebendige Zivilgesellschaft ermöglicht es, autoritären und patriarchalen Traditionen immer wieder neu entgegenzutreten.

Kultuelle Vielfalt gibt es in mehrerer Hinsicht in Marokko und viele Marokkaner sind stolz darauf; sie gehört auch zum Selbstverständnis der Monarchie und spiegelt sich in den vielen unterschiedlichen Auffassungen vom Islam wieder, die nebeneinander gelebt werden: der zweite Focus dieser Reise.

Sie werden dies erleben beim Besuch von volkstümlichen Pilgerstätten an Heiligengräbern, bei einer Tour "auf den Spuren des Sufismus" durch die Altstadt von Fès sowie in Gesprächen mit Journalisten und Wissenschaftlern, die sich in der islamischen Szene auskennen.

Vor allem lernen Sie muslimische Intellektuelle kennen, die dabei sind, ein zeitgemäßes Islam-Verständnis zu entwickeln, u. a. in Rabat Asma Lamrabet, Direktorin eines hoch offiziellen Zentrums für eine Art gender-orientierten Neuinterpretation der religiösen Quellen des Islam („Centre d’études féminines en Islam“) oder in Casablanca Sghir Janjar, Co-Direktor einer großen privaten Stiftung für Islamstudien und Geisteswissenschaften, der einen aufgeklärten Islam propagiert.