In der nächsten Woche tagt erneut der Umweltgipfel von Rio. Die Schlagzeilen werden die gleichen wie vor 20 Jahren sein. Würden uns gute Nachrichten überfordern?von Bernhard Pötter

Indios demonstrieren mit einer Feuerzeremonie in Rio gegen die Zerstörung des Regenwaldes. Bild: dapd
Müll sammeln und ihn wiederverwerten ist ein zentraler Baustein der „Green Economy“: Nichts wegwerfen, alles wird noch mal irgendwie gebraucht! Politik und Medien schreiten hier heldenhaft voran.
Ist Ihnen dieser Artikel etwas wert?
Da werden nicht nur Ideen geklaut und Doktorthesen plagiiert – da können wir einfach die 20 Jahre alten Überschriften aus dem Schrank holen, wenn mal wieder ein „Erdgipfel“ stattfindet: praktischerweise auch noch am gleichen Ort, in Rio de Janeiro, Brasilien.
Das ist natürlich gruselig. Immer noch (und immer wieder) bremsen die USA, immer noch will die Wirtschaft ihr Image aufpolieren, immer noch fällt der Regenwald, immer noch warnt Klaus Töpfer. Die ewig gleichen Überschriften zeigen erst einmal, dass zwar viele Menschen weniger arm sind als früher, ihre Lebensgrundlagen aber so bedroht sind wie nie zuvor.
Klimawandel, Artensterben und Wüsten machen Fortschritte, die Meere werden leer. Wer reich werden will, plündert dafür den Planeten. Das hat sich nicht geändert.
Dazu kommt, dass man bei etwas bösem Willen und mit dem schnellen Griff in die Pathoskiste jede internationale Konferenz und jede Kabinettsitzung als „Festival der Heuchelei“ oder „Triumph der Zauderer“ beschreiben kann – zumal wenn die gewaltigen Herausforderungen und die Onlinemedien so zur Eile drängen. Vor allem aber steckt hinter der lieb gewordenen Enttäuschung ein Missverständnis: dass auf diesen Gipfeln Probleme gelöst werden.
Dabei lässt sich die Welt nicht einfach retten. Oder sie lässt sich einfach nicht retten. Denn wir denken gern, es sei rational, für ein besseres Morgen die Natur zu schützen. Dabei ist es für sehr viele Menschen sinnvoll, erst mal für ein besseres Heute den Wald zu roden. Was kollektiv sinnvoll ist, muss individuell noch lange nicht klappen. Und je näher man sich mit Armut, Wachstum, Machtpolitik und Naturzerstörung beschäftigt, desto schwieriger werden die Lösungen. Das geht nicht so einfach.
Und manchmal geht es einfach nicht. Manche Gegensätze lassen sich selbst bei bestem Willen kaum auflösen: Wer sein Geld mit Kohle verdient, will die Subventionen nicht an die Solarindustrie abgeben. Vielleicht ist die Konstante ja auch tröstend: Der Euro wackelt, Familien zerbrechen, Gott ist tot, aber wir ruinieren immer noch verlässlich den Planeten. Würde eine Überschrift wie „Konsens in Rio, Ökos und Wirtschaft begeistert“ uns nicht völlig überfordern? Wir brauchen unsere Déjà-vus. Denn Vorurteile erleichtern das Leben. Dass sie das Überleben gefährden, steht auf einem anderen Blatt.
Der neue Entwurf für das Endlagersuchgesetz könnte die Prüfung von bis zu fünf Standorten vorsehen. Gorleben bleibt dabei als Atommüllhalde im Rennen.

Vom 20. bis 22. Juni findet in Rio die UN-Konferenz zur nachhaltigen Entwicklung statt. 20 Jahre nach dem „Erdgipfel“ von Rio suchen die Staaten weiterhin eine Lösung, um Umwelt, Wirtschaft und Entwicklung zu versöhnen. Hoffnungsträger ist die „Grüne Wirtschaft“. Die taz beleuchtet dieses Thema bis zum Gipfel.
Von Stierhörnern in Stierkämpfern, Zombies und menschlichen Engeln. Unsere Bilder der Woche.

Das Handy hat Geburtstag: Eine kurze Geschichte der ebenso erfolgreichen wie nervtötenden Erfindung.

Was der nordkoreanische Führerkult mit Raketen und Rammlern aus Brandenburg zu tun hat.

Schnee verpiss dich, keiner vermisst dich. Der Frühling muss kommen. Jetzt, sofort. Hau rein, Lenz!


Leserkommentare
21.06.2012 18:13 | Hans Hinrich Hatje
Die große Euphorie, um die "Welt zu retten" - 20 Jahre nach dem ersten Erdgipfel von Rio - ist verflogen. Keiner redet mehr ...
16.06.2012 23:11 | Rolle
Evtl. wäre es einfach mal an der Zeit die Sache mit den großne Plänen sein zu lassen. Früher waren es sozialistische 5 Jahr ...
16.06.2012 22:32 | Otto Pardey
Die Welt wird sicherlich nicht von Lobbyisten und korrupten Politikern ...