29. Juli - 6. Aug. 2017

Polen

Reiseleitung: Gabriele Lesser

Kulturpalast in Warschau Bild: Archiv

Warschau - Bialystok - Bialowieza-Urwald -  Lublin - Zamosc - Krakau

Nach der Wende von 1989 spuckten die Polen in die Hände, krempelten die Ärmel auf und sprachen sich selbst Mut zu: „Polak potrafi“ – „Der Pole kann das!“. Seitdem verwandeln sie das Land in geradezu atemberaubenden Tempo in eine funktionierende Demokratie und Marktwirtschaft.

PROGRAMM

PREISE UND LEISTUNGEN

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PREIS: ab 1.290 Euro (DZ/HP/ohne Anreise)

VERANSTALTER:

Ventus Reisen, Berlin,

Tel. 030-39 74 92 94, office@ventus.com

Die Reise kann nur beim Veranstalter gebucht werden.

Dass dabei mitunter auch Wege eingeschlagen werden, die sich später als Sackgassen oder Irrwege entpuppen, gibt immer wieder Anlass zu hitzigen Debatten. Sarkastisch sagen dann die einen „Madry Polak po szkodzie“ – „Aus Schaden wird der Pole klug“, während die anderen nur den Kopf schütteln und weiter werkeln: „Jakos to bedzie“ – „Irgendwie wird das schon werden.“

ist Gabriele Lesser, Historikerin und taz-Auslandskorres-pondentin n Polen

Großen Anteil am Wandel Polens haben die zahlreichen Bürgerinitiativen, Vereine und Stiftungen, die nach 1989 wie Pilze aus dem Boden schossen. Erst zaghaft, dann immer selbstbewusster meldeten sich auch die nationalen, ethnischen und religiösen Minderheiten zu Wort. Heute gehören ihre Stimmen wie selbstver-ständlich zum gesellschaftlichen Diskurs.

Unsere Reise startet in der polnischen Hauptstadt Warschau, geht dann in den Osten bis an die weißrussische Grenze heran und endet in der südpolnischen Kulturmetropole Krakau. Die Themen "Zivilgesellschaft, Geschichte und Gegenwart, System- und Mentalitätswandel" begleiten uns die ganze Reise über und werden viel Stoff zu Diskussionen geben.

Warschau - In der wieder aufgebauten Altstadt Bild: Ventus Reisen

Warschau wurde 1944, nach dem niedergeschlagenen Warschauer Aufstand vom 1. August, von den Nazis in die Luft gejagt. Spezielle Sprengkommandos verwandelten die Stadt innerhalb von drei Monaten in einen Berg von Schutt und Asche. In diese vollkommen leere und zerstörte Stadt zogen dann die sowjetischen "Befreier" ein und errichteten eine neue Schreckensherrschaft.

Doch Warschau ist wie ein "Phönix aus der Asche" wiedererstanden, die aufgebaute Altstadt schaffte es sogar auf die Unesco-Liste des Weltkulturerbes. Viele Warschauer engagieren sich heute, obwohl häufig Zugereiste, ganz besonders für „ihre Straße“ oder „ihren Stadtteil“. Wir werden eine Stadtinitiative („Die Stadt gehört uns“) und die Stiftung „Multiocalenie“ kennenlernen, die sich um die Probleme und das Wohlergehen von alteingesessenen und Neu-Warschauern kümmern. Außerdem besuchen wir das 2013 eröffnete Museum der Geschichte der polnischen Juden, 'Polin' genannt, das einen Besuch unbedingt lohnt.

Dann geht es weiter Richtung weißrussische Grenze. In Bialystok und dem werden wir uns mit Minderheitenfragen und Fragen von Rassismus und Diskriminierung beschäftigen. Eine kleine Gruppe von Aktiven wird uns erzählen, was sie gegen Ausländerfeindlichkeit und Rassismus in der Stadt tun, wie der Bürgermeister gegen den Ruf von Bialystok als Polens „Hauptstadt des Rassismus“ ankämpft.

Im Bialowieza-Nationalpark an der polnisch-weißrussischen Grenze Bild: Archiv

Außerdem besuchen wir den Bialowieza-Urwald, ein Naturschutzgebiet, was sich bis nach Weißrussland erstreckt und in dem man auch mit etwas Glück noch Wisente (Europäisches Bison) sehen kann, das lange Zeit akut vom Aussterben bedroht war und nur noch hier in Polen vorkam.

In Lublin werden wir das ehemalige Konzentrationslager Majdanek besuchen, uns aber auch mit Vertretern der Stiftung „Brama Grodzka“ in der Altstadt treffen und erfahren, wie aufwendig, mühsam, aber auch beglückend es sein kann, eine verloren geglaubte Welt wieder in Erinnerung zu rufen und für kommende Generationen zu bewahren. Noch weiter südlich werden wir die Zamosc besuchen. Zamosc war einst Zentrum der jüdischen Aufklärungsbewegung Haskala  und ist eine noch heute gut erhaltene Renaissance-Stadt, die wegen ihrer Architektur den Beinamen "Padua des Nordens" trägt.

Lublin und Zamosc liegen im von den Kommunisten über Jahrzehnte völlig vernachlässigten Ostpolen, dem sogenannten „Polska B“. Aus eigener Kraft hätten es die beiden Städte wohl nicht geschafft, sich nach 1989 noch einmal neu zu erfinden. Die Strukturmittel der EU bewirkten hier geradezu Wunder. Lublin hatte es mit seinen beiden Universitäten – einer konservativ-katholischen und einer sozialistisch-liberalen – leichter, da die ständige Diskussion unter den Eliten die Eigeninitiative und das Engagement gesellschaftlicher Gruppen förderte.

Von der einstigen Vernachlässigung ist heute kaum noch etwas zu spüren. Dies hat viel mit mit der Wiederentdeckung einer lange verschwiegenen und fast vergessenen Vielvölker-Vergangenheit. Der wiederentdeckte kulturelle Reichtum zeigt sich mehr und mehr auch im Stadtbild.

Blick auf Lubliner Schloss Bild: Gaby Coldewey

Die alte Königsstadt Krakau, wo wir die kleine Rundreise in den Osten Polens beenden werden, gilt seit dem Mittelalter als Kulturmetropole Polens. Krakau ist bei heute eine der intellektuell faszinierendsten Städte Polens. So wählen die eigentlich durch und durch konservativen Krakauer seit Jahren einen Linken zum Oberbürgermeister, Feministinnen wählten Krakau zum Sitz ihrer Stiftung eFKa, und auch die erfolgreiche Umweltschutz-Initiative „Smog-Alarm“ hat hier ihren Sitz.

Auch Krakau entdeckt seine Geschichte neu. So ist Kazimierz, das alte jüdische Viertel, nach vollkommener Vernachlässigung in der kommunistischen Zeit, inzwischen wieder ein Magnet für ausgehlustige junge Krakauer. Jazz und Klezmer, die wiederentdeckte jüdisch-galizische Küche und das Flair des nach wie vor mittelalterlich anmutenden Viertels locken aber auch viele Touristen nach Kazimierz. Die spätere Schönheitskönigin Helena Rubinstein stammte ebenso aus Kazimierz wie der berühmte Filmregisseur Roman Polanski.