PROGRAMM DER REISE

1. Tag (Freitag)
Am Nachmittag kommt Ihr Lufthansa-Flug in Beirut an. Nach der Ankunft in Ihrem Hotel im Hamra-Viertel bleibt Zeit für einen ersten Spaziergang durch dieses umtriebige Stadtviertel, das Zentrum des (muslimischen) West-Beirut. Beim Abendessen in einem populären Restaurant erläutert die Reiseleiterin das Programm der Reise.
Für Nachtschwärmer lohnt sich noch ein Besuch im Ausgehviertel Gemayzze rund um die Rue Gouraud. Taxi fahren ist kein Problem in Beirut. Bei der Fahrt durch die Stadt und beim Bummeln durch Gemayzze mit seinen Bars, Cafés und Clubs ist auch etwas über die Beiruter Bodenspekulation zu erfahren: in Gemayzze ist sie in vollem Gange, im Hamra-Viertel hat sie schon längst gesiegt.
2. Tag (Samstag)
Gleich nach dem Frühstück Fahrt in den südlichen Vorort „Dahiye“, der von Schiiten bewohnt und von der Hisbollah kontrolliert wird. Dort besuchen wir das Projekt UMAM, das die größte Dokumentation über den libanesischen Bürgerkrieg aufgebaut hat und eine Auseinandersetzung mit dieser Geschichte durch verschiedene Aktivitäten anregt (Ausstellungen, Lesungen, Filmvorführungen, Podiumsdiskussionen u.a.). Ein brisantes Thema in einem Land, in dem die Milizführer aus Bürgerkriegszeiten auch heute führende Politiker sind – und jeder eine andere Version der Geschichte vertritt.
Wir nutzen die Gelegenheit zu einem Rundgang durch dieses schiitische Stadtviertel und brechen dann zu einer Besichtigungstour von Beirut auf: zur Uferpromenade „Corniche“, zum wieder aufgebauten „Platz der Märtyrer“ im Zentrum der Stadt, ins christliche Viertel Aschrafiye im Osten. Hier besuchen wir das Beratungszentrum der sehr aktiven Frauenorganisation „KAFA – gegen Gewalt und Ausbeutung“, eine Partnerorganisation von medico international, dem Kooperationspartner dieser Reise.
Die Tour endet im ‚Beirut Art Center‘ am nordöstlichen Stadtrand neben dem alten armenischen Viertel. Dort werden wir den Abend in einem Restaurant beschließen.

3. Tag (Sonntag)
Aufbruch zur viertägigen Libanon-Rundfahrt. Am ersten Tag fahren wir bis Bscharré, einem Zentrum der Maroniten hoch oben im Libanon-Gebirge. Die Busfahrt geht an der Küste entlang bis Tripoli. Zuvor gibt es einen Zwischenstopp in Biblos – für die Reisegruppe die erste Begegnung mit der über 7000jährigen Zivilisationsgeschichte der Region. Biblos, heute eher ein Fischerdorf, war einst eine wichtige phönizische Hafenstadt und gilt als einer der ältesten durchgehend besiedelten Orte der Welt; berühmt ist Biblos als Fundort der ältesten Alphabetschrift: auf einem Steinsarkophag wurde sie entdeckt.
Die Fahrt geht weiter auf der Küstenstraße nach Norden und dann in die Berge hinauf, in das Gebiet der Maroniten. Unten an der Küste sieht macdn Tripoli, den Hauptort des Nord-Libanons; dort leben vor allem Sunniten. Unsere Straße schlängelt sich ins Gebirge hinein. Über Ehden, einen Luftkurort, der nur im Sommer bewohnt wird, gelangen wir ins 1400 m hoch gelegene Bscharré am Abhang des Libanon-Gebirges.
4. Tag (Montag)
Bei einem Spaziergang durch den Ortskern von Bscharré gelangen wir auch zum Museum des Malers und Schriftstellers Gibran Khalil Gibran. Der 1931 Verstorbene ist in Deutschland der meist gelesene arabische Autor (er schrieb allerdings meist auf Englisch), sein bekanntestes Buch ist „Der Prophet“.
Am späten Vormittag brechen wir zu einer Wanderung durch das enge Kadischa-Tal auf. Mehrere Klöster zeugen von einer bewegten Geschichte: Das wildromantische Tal war im 7. Jahrhundert Rückzugsort christlicher Häretiker um den Mönch Maron. Daher gilt es als die Wiege der Maroniten, heute im Libanon die dominante christliche Konfession.
5. Tag (Dienstag)
Am Morgen brechen wir zur Weiterfahrt ins Gebirge auf; an einem der letzten Zedernhaine vorbei geht es auf den „Zedern-Pass“ in 2650 Meter Höhe. Eine grandiose Aussicht zum Mittelmeer auf der einen und in die Bekaa-Ebene auf der anderen Seite lädt zum Verweilen ein. Schließlich fahren wir in die Bekaa-Ebene hinab, bis zum Dorf Deir Al-Ahmar.
Dort angekommen treffen wir im neu erbauten „Entwicklungszentrum“ die Frauen der landwirtschaftlichen Kooperative WADA, die nach dem Bürgerkrieg und dem Verbot des Haschisch-Anbaus in diesem christlichen Dorf eine neue Lebensgrundlage aufbauen mussten. Sie erzählen uns von ihren Bemühungen, die Landwirtschaft zu entwickeln und ihre Produkte zu vermarkten. Beim Mittagessen in der Frauen-Kooperative kosten wir einige ihrer Produkte.
Danach fahren wir weiter ins Tal hinunter nach Baalbek, den Hauptort der Bekaa-Ebene. Schon von Weitem sehen wir die Ruinen der römischen Tempelanlage. Wir nehmen uns die Zeit, die relativ gut erhaltenen und beeindruckend großen Tempel näher zu besichtigen.
Nach einem Mittagsimbiss geht die Busfahrt weiter durch das Bekaa-Tal bis nach Zahlé. Dort beziehen wir ein Hotel und besuchen anschließend ein Weingut im nahe gelegenen Ort Ksara, Namensgeber für viele libanesische Weine. Das Abendessen nehmen wir in einem traditionsreichen Restaurant in Zahlé.
6. Tag (Mittwoch)
Am letzten Tag der Rundreise fahren nach Beirut zurück und von dort an der Küste entlang bis kurz vor Sidon zum Ort Wardaniyeh. Auf diesem Weg machen wir noch vor Beirut einen längeren Halt in Aley, einer von Drusen bewohnten Stadt am Rande des Schuf-Gebirges. Hier treffen wir die Schriftstellerin Iman Humaydan Younis, die uns zu einer Fraueninitiative gegen häusliche Gewalt begleitet.
In Wardaniyeh können wir uns am Abend in unserem neuen Hotel, der Begegnungsstätte Daressalam, auf einer Veranda mit Meeresblick ausruhen und mehr über dieses Projekt und seine Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen Gruppen in Beirut und Umgebung erfahren. Abendessen im Hotel.
7. Tag (Donnerstag)
Der Vormittag (bei Interesse auch der ganze Tag) steht für individuelle Aktivitäten zur Verfügung: Baden im Mittelmeer oder Spaziergänge durch Beirut (20 Minuten per Bus oder Taxi) oder Lesen auf der Veranda oder….
Mittags geht es nach Beirut. Dort besuchen wir Al-Jana, ein kreatives Projekt mit palästinensischen Jugendlichen aus den Flüchtlingslagern, deren Berufs- und Bewegungsfreiheit im Libanon eingeschränkt ist. Das Projekt wird seit Jahren mit viel Erfolg von der NGO „Arab ressource collective for the popular art“ (ARCPA) organisiert, einem weiteren Partner von medico international. Nach einer Diskussion im ARCPA-Büro begleitet uns der Leiter des Projekts, der Künstler Mo’ataz al-Dajani, auf einem Rundgang durch Sabra und Chatila, das palästinensische Stadtviertel („Flüchtlingslager“), das im Jahr 1982 durch ein Massaker traurige Berühmtheit erlangte.
Wir beschließen den Nachmittag im Trend-Viertel Gemayzze direkt neben dem wieder aufgebauten Zentrum. Hier gibt es noch Häuser aus der Kolonialzeit, die allerdings gerade von Spekulanten ins Visier genommen werden. In der Hauptstraße reiht sich seit ein paar Jahren ein Restaurant ans andere. Mitten darin befindet sich in einem Altbau mit Jugendstil-Elementen das Büro der Heinrich-Böll-Stiftung. Deren Leiterin wird uns einige Eigentümlichkeiten der libanesischen Gesellschaft erläutern: vor allem die problematische Abschottung der verschiedenen religiös-sozialen Gemeinschaften, die vielfach staatliche Funktionen übernehmen, aber in der Regel nur für die jeweils eigene Gemeinschaft.
Die Leiterin der Stiftung kennt auch die Arbeit vieler libanesischer NGO’s sowie deren rechtlichen und politischen Arbeitsbedingungen. Es gibt also genügend Stoff für Gespräche, auch später während des Abendessens in einem benachbarten Restaurant – ehe wir wieder nach Wardaniyeh zurück fahren.
8. Tag (Freitag)
Auf dem Programm steht ein Ausflug ins Schuf-Gebirge, in die Region der Drusen; bis ins 19. Jahrhundert waren sie die eigentlichen Herren der Region, von Beit-ed-Dine und Deir El-Qamar aus. Sie haben beeindruckende Paläste hinterlassen, die auch schon Napoléon gefallen haben.
Unsere Tour geht bis zu einem südlichen Ausläufer des Libanon-Gebirges, zum knapp 2.000 Meter hohen Djebel el-Barouk. An dessen Abhang wandern wir etwa eine Stunde durch einen Zedernwald, der von einer Umwelt-Initiative gepflegt und für Besucher unterhalten wird – mit herrlichen Blick auf den südlichen Teil der Bekaa-Ebene.
Zurück in unserem Hotel könnte noch Zeit für einen Sprung ins Mittelmeer sein: das Meer liegt in Sichtweite, etwa 5 km entfernt, und genau an der Kreuzung mit der Küstenstraße gibt es eine gute Badeanlage.
Bei Einbruch der Dunkelheit essen wir wieder auf der Veranda der Begegnungsstätte zu Abend. Als Gäste sind Mitarbeiter einer Projektgruppe aus der Umgebung eingeladen, die bei ihren Aktivitäten die besondere Situation des Südlibanon berücksichtigen müssen.

9. Tag (Samstag)
Am letzten Tag ist eine Fahrt in den von der Hisbollah beherrschten Südlibanon vorgesehen. In einem neuen Museum der Hisbollah erfahren wir deren Selbstverständnis und Selbstdarstellung: siegreich im Kampf gegen die israelische Besatzung im Südlibanon. Weniger martialisch geht es später in der Hafenstadt Sidon beim Treffen mit Madschid Hamatto zu: er arbeitet in einer NGO, die Flüchtlinge unerstützt, derzeit vor allem syrische.
Da inzwischen alle Mitreisenden schon gelernt haben, locker auch alleine mit dem Sammeltaxi zwischen Beirut und der Begegnungsstätte in Wardaniye hin und her zu fahren, kann der Tag auch genutzt werden, individuell noch einmal nach Beirut zu fahren. Optional kann im Zico-Haus, dem Sitz mehrerer Projektgruppen und Vereine im Hamra-Viertel, ein Besuch mit der Umwelt-Gruppe „greenline“ arrangiert werden.
Am späten Nachmittag treffen wir uns beim Abendessen noch einmal auf der Veranda der Begegnungsstätte Daressalam und können die Erfahrungen und Erlebnisse der Reise untereinander austauschen.
10. Tag (Sonntag)
Der letzte Vormittag steht der individuellen Gestaltung zur Verfügung: sei es für einen letzten Besuch in Beirut, sei es zum Baden am Strand.
Gegen 14 Uhr ist Abfahrt zum Flughaben. Die Lufthansa bringt Sie gegen 20 Uhr nach Frankfurt/M, bis 23.00 Uhr auch in andere Heimatstädte.
Umstellungen und Änderungen im Detail sind möglich. Stand: 1.1.2013
Der Rückflug kann individuell auch später erfolgen. Näheres beim Veranstalter.
Preise und Leistungen dieser Reise sowie Literatur zum Einlesen
Termin:
4. - 13. Oktober 2013
Preis:
1.890 Euro (DZ / HP / inkl. Flug)
EZ-Zuschlag: 180 Euro
Flug mit Lufthansa ab/bis Frankfurt;
über Bahnzubringer (Rail&Fly) bzw. Flüge aus anderen Städten Deutschlands (Österreichs / der Schweiz) gibt Ihnen der Veranstalter gerne Auskunft.
Reisegruppe: mindestens 10, max. 15 Personen
Veranstalter:
via cultus Studienreisen, Stutensee
Tel. 0721 - 9684 773, info@via-cultus.de
Die Reise kann nur beim Veranstalter gebucht werden.
Artikel zur Situation der Frauen im Libanon von Ralf Leonhard, Teilnehmer der taz-Reise vom Oktober 2012
Bei allen taz-Reisen in arabische Länder ist der demokratische Aufbruch ein Thema. Wir gehen zwar nicht zu Demonstrationen, treffen aber in jedem Land auch Aktivisten - und da wir uns gut auskennen, brauchen Sie auch keine Sorge vor Demonstrationen bzw. Auseinandersetzungen zu haben: da geraten wir garantiert nicht rein.
Einige grundlegende Artikel zum Arabischen Frühling sowie wichtige online-Adressen, in denen fortlaufend über die aktuelle Entwicklung berichtet wird, haben wir für Sie HIER zusammengestellt.
Thomas Hartmann/Gaby Coldewey
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