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Die Panter-Gala 2005

Foto Helga Dieter
Helga Dieter

Der taz-Panter ist keine Kuschelkatze, sondern ein Preis für Menschen, die hartnäckig sind und widerborstig: "Liebe HeldInnen des Alltags, von Ihrem Mut lebt die Zivilgesellschaft" - mit diesen Worten eröffnete die elegant in taubenblaue Seide gewandete taz-Chefredakteurin Bascha Mika die Verleihung des ersten taz-Panters.

Dank der zahlreichen Sponsoren wurde ein dem Anlass angemessener festlicher Rahmen ermöglicht. Auch die Künstler des Abends traten pro bono auf. Das ermöglichte es, den zehn übrigen Nominierten, die nicht einen der beiden taz-Preise mit nach Hause nehmen konnten, aus den Eintrittsgeldern und Spenden jeweils einen Scheck über 500 Euro zu überreichen.

Berührend die musikalische Eröffnung des Abends: Der von Moderator Jörg Thadeusz als "King of Klezmer" angekündigte Giora Feidman durchbrach die zunächst andächtige Stille mit einer Aufforderung zum Mitsingen. Seine mit mal weinender, mal lachender Klarinette vorgetragenen Gershwin-Variationen waren eine Botschaft der Grenzenlosigkeit - vor allem sein "Potpourri" aus deutscher, israelischer und palästinensischer Nationalhymne - und zugleich bestmögliche Überleitung zur Verleihung des mit 5.000 Euro dotierten Jury- Preises: Denn dieser ging an Sinan und Saithan, zwei jugendliche muslimische Deutschtürken, die der Postkartenaktion "Ehre heißt, für die Freiheit meiner Schwester zu kämpfen" ihre Gesichter verliehen haben und somit gegen Ehrenmorde und Zwangsverheiratungen kämpfen.

"Unsere Schwestern dürfen nicht unterdrückt werden. Wir stehen hinter euch!", sagten die beiden sichtlich aufgeregten Helden aus Berlin-Kreuzberg und kündigten an, einen Teil ihres Preisgeldes für den Nachdruck der Postkarte in türkischer und arabischer Sprache zu verwenden.

Foto: Sinan und Saithan
Sinan und Saithan

Nach der Suppe unterhielt zunächst das Berliner Kabarett-Trio Pigor, Eichhorn & Ulf das Publikum, darunter Jürgen Trittin, die Migrationsforscherin Necla Kelek und den Schauspieler Claude-Oliver Rudolph, bevor nach dem Hauptgang Bascha Mika den zweiten Teil des Abends eröffnete: Die taz-LeserInnen hatten der Friedensaktivistin Helga Dieter den Panter zugesprochen. "Seit 1997 hat sie mit ihrer Initiative rund 19.000 Jugendlichen Ferien vom Krieg ermöglicht, gleich ob albanischen oder serbischen, israelischen oder palästinensischen" sagte Laudatorin Bascha Mika.

Die stolze Gewinnerin des Leserpreises, dotiert mit ebenfalls 5.000 Euro, trug in der Absicht ironischer Brechung einen Lorbeerkranz und fand: "Unsere Freizeiten sind unterstützungswürdig, auch weil sich dort Liebesgeschichten ergeben - unabhängig von Nationalitäten."

Damit schloss sich der Kreis, denn es ging an diesem Abend, um es mit den Worten Giora Feidmans zu sagen, um "Menschen like us" Der Rest war Musik: Die 17 Hippies spielten auf. Weltmusik.

Der komplette Artikel aus der taz vom 31.10.05: "Menschen like us"

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