• 15.06.2007

Grünes Licht für Sinti und Roma

Treffen zwischen dem Zentralrat der Sinti und Roma und dem Kulturstaatsminister beendet Konflikte über Mahnmals-Inschrift. Karavan-Entwurf soll realisiert werden

Dem Mahnmal für die von den Nazis ermordeten Sinti und Roma steht nichts mehr im Weg. Nach jahrelangem Streit über den Standort und die Inschrift haben sich der Zentralrat der Sinti und Roma sowie der Kulturstaatsminister auf eine Variante geeinigt. Dies wurde gestern bekannt. Das Mahnmal selbst - ein kleiner kreisrunder See mit einem zwölf Meter hohen Granitobelisken in der Mitte - steht bereits kurz vor der Realisierung.

Nach einem Treffen zwischen dem Ratsvorsitzenden Romani Rose und Hermann Schäfer, Leiter der Abteilung Kultur im Hause von Staatsminister Bernd Neumann (CDU), sei über die Inschriften ein Konsens erzielt worden, sagte Rose. Er rechne damit, dass der Bund "noch vor der Sommerpause" grünes Licht für das 2 Millionen Euro teure Projekt erteilen werde.

Nach den Vorstellungen von Neumann und Rose soll es eine erklärende Inschrift und Chronologie an dem Mahnmal geben. Zugleich ist geplant, zwei Zitate von Exbundespräsident Roman Herzog und Exkanzler Helmut Schmidt anzubringen, die auf die Parallele zwischen dem rassistischen und planmäßigen Völkermord an Juden und Sinti und Roma hinweisen. Nach Schätzungen sind weit über 100.000 Sinti und Roma den Nazis zum Opfer gefallen.

Nachdem der Zentralrat der Sinti und Roma schon vor über sechs Jahren ein Mahnmal gefordert und der israelische Künstler Dani Karavan dafür die Skulptur südlich des Reichstags entworfen hatte, war es immer wieder zu Konflikten zwischen dem Zentralrat, dem Bund und der Sinti-Allianz gekommen. Diese hatte unter anderem gefordert, der Begriff "Zigeuner" sollte in der Inschrift auftauchen. Dies lehnte - und lehnt - der Zentralrat als Diskriminierung ab.

Außerdem folgten die Bundestagsfraktionen dem Zentralrat lange nicht bei dessen Vorschlägen für die Inschriften. So hatten die Sinti und Roma darauf bestanden, dass die NS-Verbrechen an ihnen von 1933 bis 1945 aus den gleichen rassistischen Gründen geschahen wie beim Holocaust. Erst mit Neumann im Amt konnte eine Annäherung erzielt werden. Dessen Büro will nun in den nächsten Wochen "abschließende" Gespräche mit den Sinti und Roma führen. ROLA