Die Parteispitze der Grünen beteuert vor ihrem Landesparteitag, die Autobahn nicht ausbauen zu wollen. von Stefan Alberti

Beim Thema A 100 gehen alle Warnsignale an Bild: dapd
Vor dem Landesparteitag am Freitag haben führende Grüne versucht, Zweifel an ihrem Widerstand gegen die Verlängerung der A 100 auszuräumen. "Eine grüne Zustimmung zur A 100 wird es nicht geben", sagte Fraktionschef Volker Ratzmann am Donnerstag. Ähnlich äußerte sich Landesparteichef Daniel Wesener. Der Parteitag soll darüber entscheiden, ob die Grünen Koalitionsgespräche mit der SPD aufnehmen.
Die Grünen waren unter Druck, ihre Position zu klären, weil ein vermeintlicher Kompromiss zum Thema A 100 im Nachhinein von beiden Parteien unterschiedlich interpretiert wird. Der umstrittendste Satz lautet dabei: Die Verlängerung "wird nicht grundsätzlich aufgegeben". Für die SPD bedeutet das: Falls es nicht möglich ist, die für den Weiterbau vorgesehenen 420 Millionen vom Bund anderweitig zu verwenden, wird gebaut. So hatte das gegenüber der taz auch der grüne Bürgermeister von Friedrichshain-Kreuzberg, Franz Schulz, interpretiert und mit seinem Parteiaustritt gedroht, "wenn die A 100 mit grüner Unterschrift gebaut wird".
Ratzmann und Wesener wollen von einer solchen Deutung nichts wissen: Die Formulierung solle nur die Möglichkeit eröffnen, das Geld auf andere Verkehrsprojekte umzulenken. "Franz Schulz muss nicht aus der Partei austreten, da können wir ihn beruhigen", sagte Wesener.
Offen blieb zuletzt auch, wo der grüne Anteil am Kompromiss liegt, nachdem sich der Regierende Bürgermeister und A-100-Verfechter Klaus Wowereit (SPD) auf die von den Grünen erhoffte Umwidmung eingelassen hatte. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) bestreitet bislang, dass das Land Berlin die für die A 100 vorgesehenen Millionen anders nutzen könnte.
Ratzmann versuchte nun zu belegen, dass eine Umschichtung durchaus möglich ist. Er zitierte zu diesem Zweck unter anderem aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion aus dem Juli 2009, ob sich für Bundesfernstraßen eingeplante Mittel für Erhaltungs- und Lärmschutzmaßnahmen verwenden ließen: "Bei Vorliegen des entsprechenden Bedarfs ist dies grundsätzlich möglich. Dies entspricht jedoch nicht den Vorgaben des Bundesverkehrswegeplans 2003." Laut Ratzmann soll es in Baden-Württemberg möglich gewesen sein, Gelder umzuschichten. Zudem verwies er darauf, dass die Grünen mit ihrer Forderung lediglich einer Devise Ramsauers folgen würden: "Erhalt vor Neubau".
Der Sitzplan des Abgeordentenhaus soll doch kein Senatsorakel sein. Ein Mitarbeiter habe die Namen von SPD- und CDU-Politikern nur versuchsweise eingetragen, sagt die Parlamentsverwaltung. von Gereon Asmuth

Die Mieten im sozialen Wohnungsbau steigen rasant. Bewohner des Kottbusser Tors wollen bei einem Straßenfest am Samstag Lösungen suchen. von Christoph Villinger

Die Hauptstadt hat gewählt. Rot-Rot hat verloren. Der bisherige Senat hat keine Mehrheit mehr. Dafür zog am 18. September 2011 die Piratenpartei erstmals in ein Landesparlament ein. Sie bekam gleich 8,9 Prozent der Stimmen. Auch die Grünen legten ordentlich zu. Für eine Regierungsbeteiligung reichte es dennoch nicht. Denn die Koalitionsgespräche mit der SPD sind geplatzt. Die Sozialdemokraten verhandeln nun mit der CDU über die Bildung des neuen Berliner Senats.
Alle taz-Texte zur Berlinwahl 2011 finden Sie hier in der Übersicht.
Starre Rituale, öde Debatten, ein Haus der Langeweile? Nicht in der Ukraine! Hier werden Parlamentsdebatten noch mit Leidenschaft, Herzblut und handfesten Argumenten geführt!

Echte Stars, begeisterte Fans, prima Shopping-Tipps - wir freuen uns auf die Fußball-Europameisterschaft.

Weltraumtouristen, Satelliten und Versorgungsflüge zur ISS – die Raumfahrt wird privatisiert und kommerzialisiert.

Es ist ein echtes großes Drama, das sich da in Griechenland abspielt. Ein Drama über die Demokratie, die Unregierbarkeit. Dieses Wort muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Und das Drama genießen.

Leserkommentare
30.09.2011 20:04 | axel
Volker Ratzmann,Berliner Fraktionsvorsitzende Bündnis 90/Die Grünen hat vor den Wahlen gesagt, daß die Grünen keinen Koalit ...
30.09.2011 10:47 | J,C,F.
Die Grünen selbst haben den "Kompromiss" in vollem Wortlaut erst selbst auf ihrer Website veröffentlicht, dann aber schamha ...