Die Gender-Theoretikerin Judith Butler erhält den Adorno-Preis. Das gefällt dem Zentralrat der Juden nicht. Mit der Auszeichnung werde „Israelhass“ prämiert.von Philipp Gessler

Die Preisbegründung nennt sie eine „maßgebliche Denkerin unserer Zeit“: Judith Butler (Archivbild). Bild: imago/gezett
BERLIN taz | Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat seine Kritik an der anstehenden Ehrung der US-amerikanischen Philosophin Judith Butler mit dem „Theodor-W.-Adorno-Preis“ der Stadt Frankfurt bekräftigt. „Ich finde das unmöglich“, sagte der Präsident des Zentralrats, Dieter Graumann, der taz. Dass „Israelhass“ prämierungswürdig sei, könne er „nicht nachvollziehen“.
Ist Ihnen dieser Artikel etwas wert?
Der Zentralrats-Generalsekretär Stephan Kramer hatte die 56-jährige Butler schon zuvor eine „bekennende Israel-Hasserin“ genannt. Es sei empörend, dass mit Butler jemand geehrt werde, der zum Boykott gegen Israel aufrufe und die muslimischen Organisationen Hamas und Hisbollah als legitime soziale Bewegungen bezeichnet habe.
Butler gehört zu den weltweit führenden Köpfen in der feministischen und politischen sowie der Sprach- und Diskurs-Theorie. Sie wurde 1956 als Tochter jüdischer Einwanderer in Cleveland, Ohio, geboren. In einem Interview mit der Zeit hat sie 2008 betont: „Für mich heißt Judesein, Teil einer Welt zu sein, in der Diskriminierung aufgrund von Religion oder Nationalität inakzeptabel ist.“
In Deutschland sorgte sie 2010 für Furore, als sie bei der Verleihung eines Zivilcourage-Preises am Christopher-Street-Day in Berlin diesen ablehnte. Sie verkündete dabei, sie wolle sich so von „Rassismus, einschließlich antimuslimischem Rassismus“ distanzieren. Dies warf sie den Veranstaltern des CSD vor. Auch wolle sie so gegen den kommerziellen Charakter dieser Veranstaltung protestieren.
Butler ist eine von über hundert Gelehrten, die die „US-Kampagne für einen akademischen und kulturellen Boykott Israels“ unterstützen. Zum 60. Jahrestag der Gründung Israels gehörte sie 2008 zu 54 Intellektuellen, die in der Herald Tribune eine Art Todesanzeige schalteten. Die Überschrift lautete: „Kein Grund zu feiern“. Butler und die anderen gedachten darin der „60 Jahre palästinensische Vertreibung“.
Im Jahr 2006 hatte sie auf einer Veranstaltung in der US-Universität Berkeley gesagt: „Es ist extrem wichtig, Hamas und Hisbollah als soziale Bewegungen zu sehen, die progressiv, auf der Linken und Teil der globalen Linken sind. Das hindert uns nicht, kritisch gegenüber bestimmten Dimensionen beider Bewegungen zu sein. Das hindert nicht die unter uns, die an gewaltloser Politik interessiert sind, die Frage zu stellen, ob es andere Optionen neben der Gewalt gibt.“
In einem Interview mit der jungle world sagte Butler 2010, diese „schrecklich missverstandene Aussage“ werde benutzt, „mich in Zeitungen und auf Websites zu diskreditieren“. Sie habe in Berkeley lediglich gesagt, „dass – deskriptiv gesehen – diese Bewegungen in der Linken zu verorten sind, doch wie bei jeder Bewegung muss jeder für sich selbst entscheiden, ob er sie unterstützt oder nicht. Ich habe keine der genannten Bewegungen jemals unterstützt, und mein eigenes Engagement gegen Gewalt macht es unmöglich, das zu tun.“
Der Theodor-W.-Adorno-Preis ist mit 50.000 Euro dotiert. Er wird alle drei Jahre von der Stadt Frankfurt vergeben. In der Preisbegründung wird Butler „eine der maßgeblichen Denkerinnen unserer Zeit“ genannt. Sie soll den Preis am 11. September in der Paulskirche erhalten. Bisherige Preisträger waren unter anderen die Soziologen Norbert Elias und Jürgen Habermas. Zuletzt wurde 2009 der Filmemacher Alexander Kluge geehrt.
Am Samstag finden sich mehrere Hundert Neonazis zu einem Konzert in Ostbrandenburg zusammen. Es gibt Proteste von Anwohnern. von Plutonia Plarre

David Beckham beendet seine Fußballer-Karriere. Wird er jetzt etwa Vollzeitpapa, Model oder Frührentner? Ach, uns fallen da noch ein paar andere Sachen ein...

Ein echt fieser Augapfel, ein Harley-Davidson-Skelett, Buddha hat Geburtstag und jede Menge Quallen. Unsere Bilder der Woche.

14 Jahre war Thomas Schaaf Trainer bei Werder Bremen – genug Zeit, seinen trockenen Humor in vielen Interviewantworten unter Beweis zu stellen.

Am Samstag ist es wieder so weit: Im schwedischen Malmö kämpfen 39 Länder um den ersten Platz beim ESC. Wir wissen, auf welche Teilnehmer Sie besonders achten können.

Für alle, die mitreden wollen
Der lange Abschied vom Wachstum, Kriminalität ohne Grenzen, der Kampf um die richtige Landwirtschaft, Sozialpolitik gegen den sozialen Fortschritt, die überfällige Reform der UN: Der neue Atlas der Globalisierung von Le Monde diplomatique veranschaulicht auf 176 Seiten und in über 150 neuen Karten und Infografiken in welchem Tempo die Globalisierung voranschreitet und die Welt verändert.