Albanien/Kosovo

Programm der Reise

vom 31. August bis 9. September 2018

In der Altstadt von Prishtina (Kosovo) Bild: Michael Schulte

1. Tag (Kosovo)

Individuelle Anreise nach Prishtina, in die Hauptstadt des Kosovo. Am frühen Nachmittag trifft sich die Reisegruppe im Hotel. Reiseleiter Erich Rathfelder wird das Programm erläutern und ein wenig in die "albanische Frage“ einführen.

Denn gerade im letzten Jahr wurde dieses Thema wieder aktuell. Nach der Enttäuschung angesichts der stockenden Gespräche über die Integration Kosovos in die EU und angesichts des diskriminierenden Visazwangs für Kosovaren stellt sich die Frage, ob die Stimmung in der Bevölkerung in Richtung „Vereinigung Kosovos mit Albanien“ umgekippt ist. Bei der herrschenden Elite ja - zumal viele ihrer Repräsentanten befürchten müssen, vor ein Tribunal gegen Kriegsverbrechen treten zu müssen, wenn der Status so bleibt, wie er ist.

Anschließend erhalten Sie bei einem kleinen Stadtrundgang erste Eindrücke von Prishtina und der Komplexität der Gesellschaft.  Dann geht es zu dem historischen Restaurant an dem Ort, wo die demokratischen Widerstandsbewegung der Kosovoalbaner 1989 entstanden ist.

Übernachtung in Pristhina.

Im Zentrum von Prishtina Bild: Michael Schulte

2. Tag (Kosovo)

Der Sommer 2018 wird politisch sehr spannend werden, wir werden mit Vertretern der Eliten und der Opposition sowie mit Mitgliedern der Zivilgesellschaft zusammentreffen.

Vormittags treffen wir die  bekannte Journalistin und Professorin Evljana Berani, deren kritische politische Position in Kosovo eine große Rolle spielt. Mit ihr werden wir uns über den politischen Status des Kosovo und die Entwicklungen seit der staatlichen Unabhängigkeit 2008 auseinandersetzten und über die aktuellen Entwicklungen sprechen. Danach geht die Diskussion mir mit Ardijan Arifaj weiter, einem angesehenen politischen Analytiker und Berater der Regierung, der sicherlich andere Aspekte wie Berani betonen wird.

Am Nachmittag besuchen wir die berühmte Universitätsbibliothek und die große, neue katholische Kathedrale im Zentrum, die anzeigt, dass Kosovo eine multireligiöse Gesellschaft hat. Wir werden das Nationalmuseum sowie das kosovarische-Nationaltheater besuchen und (inshallah) mit Theaterleuten zusammentreffen – alternativ die Tageszeitung koha ditore.

Abendessen in einem Restaurant und Übernachtung in Prishtina.

Denkmal für die 'Befreiungsbewegung des Kosovo' UCK Bild: Michael Sclhulte

3. Tag (Kosovo)

Heute erkunden wir die Umgebung von Prishtina. Wir fahren zum Denkmal Gazimesdan, das an die historische Schlacht auf dem Amselfeld zwischen Serben und Türken im Jahr 1389 erinnert und machen einen Abstecher zu dem Grab Murats, des türkischen Eroberers, der wie der serbische König Lazar sein Leben hier verloren hat.

Die Schlacht auf dem Amselfeld hat bis heute eine wichtige Bedeutung, ihr Datum, der 28. Juni ( 1389) ist nach wie vor Nationalfeiertag in Serbien. Der Kosovo Mythos begründete im 19. Jahrhundert die serbische Nationalbewegung. Wir diskutieren Mythos und Wirklichkeit in der serbischen Geschichtsauffassung.

Hochaktuell und sinnlich erfahrbar wird der Konflikt in der Stadt Mitrovica in Nord-Kosovo. Diese Stadt ist entlang des Flusses Ibar geteilt, dem serbischen Nord- und dem albanischen Südteil. Wir werden mit Mitgliedern der Zivilgesellschaft (möglichst beider Seiten) über die Lage in Mitrovica sprechen, wir werden über die berühmte Brücke vom Süd- in den Nordteil gehen – für Ausländer geht das.

Nach einer Kaffeepause machen wir uns auf den Weg zum Zentrum der albanischen Nationalbewegung, nach dem 30 km entfernten Dokumentationszentrum über die Jashari-Familie und dem albanischen Widerstand gegen die serbische Unterdrückung. Hier in Drenica wurde auch die UCK- die Kosova-Befreiungsarmee – gegründet, deren Kampf  1999 in dem Angriff der Nato auf das serbische Militär mündete.

Das orthodoxe Kloster in Pec/Peja Bild: Claudia Schmidt/Peter Jaeger

Auf dem Weg zurück nach Pristhina fahren wir in die serbische Enklave Gracanica, wo wir in einem serbischen Restaurant mit einem serbischen Gast den Tag ausklingen lassen.

4. Tag (Kosovo)

Schon früh brechen wir nach Westkosovo nach Pec/Peja aus, wo wir das orthodoxe Kloster und Sitz des Patriarchats besuchen. Es wurde von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt und gehört zu den schönsten orthodoxen Klöstern Europas.

Das Kloster ist eine Insel in einer heute albanischen Stadt. Die Verletzungen sind auf beiden Seiten tief, das Gefängnis war während der serbischen Zeit bis 1999 als Folterstätte berüchtigt, nach 1999 flüchteten die meisten Serben aus der Stadt.

In Gjakova wurde die albanische Bevölkerung bis 1999 schwer malträtiert und die historische Altstadt beim Abzug der serbischen Truppen niedergebrannt. Die berühmte Bibliothek der Bektaschi-Sekte wurde von serbischen Extremisten ausgeraubt, alte Folianten und Schriftrollen wurden verbrannt oder geraubt. Die Bektaschi-Gemeinde ist angefragt, uns in der wieder aufgebauten Tekke zu empfangen.

Am Nachmittag fahren wir dann entlang dem Fuße der bis 2500 m aufsteigenden albanischen Alpen weiter in die größte Stadt der Region, nach Prizren; Dort gibt es nicht nur während des Sommers „die längste Theke des Balkan“, sondern eine bemerkenswerte, von den Osmanen, von Serbien und Albanien geformte Altstadt, die am Abend voller Leben ist.

Prizren Bild: Michael Schulte

Wir können die jüngste Bevölkerung Europas bewundern – die in drei Sprachen kommuniziert, Albanisch, Serbisch, auch Türkisch ist offizielle Stadtsprache.

Wir beziehen unsere Zimmer in einem Hotel im Zentrum  und gehen zum Abendessen in ein traditionelles türkisches Restaurant, das malerisch am historischen Hauptplatz gelegen ist und das der Reiseleiter schon seit 1987 kennt.

5. Tag (Von Prizren nach Tirana)

Nach dem Frühstück fahren wir nach Albanien. Immerhin gibt es jetzt eine Autobahn, die frühere Passstraße war sehr mühsam zu überwinden. Gegen Mittag kommen wir in der Hauptstadt Tirana an und checken gleich in dem Hotel International ein, das am Skenderbeg-Platz im Zentrum der Stadt gelegen ist. Die im italienischen Stil erbauten  Häuser des Zentrums bilden eine sehr interessante Kulisse.  Ein Stadtführer wird uns durch die Stadt begleiten und uns einige der angesagten Cafes und Restaurants zeigen, die wichtigsten Sehenswürdigkeiten nahe bringen.

Im alten Zentrum von Tirana Bild: Ventus-Reisen

Am späten Nachmittag treffen wir sicherlich trotz der Urlaubszeiten einen Vertreter der Friedrich-Ebert-Stiftung, der Heinrich-Böll-Stiftung oder der deutschen Botschaft, der uns eine Einführung in die politische Lage Albaniens geben kann. Alle werden ja nicht gleichzeitig weg sein.

Es geht dabei auch um die deutsche Politik. Welchen Einfluss haben denn die Deutschen auf den Gang der Dinge? Wie sieht die europäische Perspektive Albaniens aus?

Abendessen im Hotel.

6. Tag (Albanien)

Vormittags treffen wir zunächst die Schriftstellerin und Historikerin Ilda Mara, eine Ikone der albanischen Kultur. Mit ihr werden wir in die Kulturgeschichte der Albaner eintauchen. Als jemand, der noch die kommunistische Zeit kennt, der lange in Paris gelebt und als Kunsthistorikerin gearbeitet hat, kann Ilda Mara den Bogen von damals bis heute sehr plastisch ziehen.

Anschließend werden wir im Hotel einen Repräsentanten der Umweltschutzorganisation „Eco-Albania“ treffen und über die „modernen“ Bewegungen in Albanien sprechen. Ist es überhaupt möglich, Themen wie den Schutz der Flüsse in dieser immer noch von Traditionen geprägten Gesellschaft in der Öffentlichkeit durchzusetzen?

Beide Diskussionen finden im Hotel statt. Nach einer längeren Mittagspause werden wir mit dem Bus zum "Tempel" der Sufi-Bruderschaft der Bektashi fahren und danach eine der schönsten Moscheen Tiranas besuchen, in einem Park Kaffee trinken und dann, wer noch mag, das albanische Nationalmuseum, das neben dem Hotel gelegen ist, besuchen.

Der Tag klingt mit einem Bummel den angesagten Stadtteil Blok und einem Abendessen in einem Restaurant dort aus.

Alte Kirche in Berat Bild: Nadja Moussa

7. Tag

Heute beginnt unsere Rundfahrt durch die albanische Bergwelt, wir fahren nach Süden, vorbei an Elbasan bis nach Berat. Gegen Mittag kommen wir in Berat an, beziehen unsere Zimmer im Hotel und können bei einem Spaziergang durch die Altstadtviertel den Charme des Ortes auf uns wirken lassen; danach Abendessen im Hotel.

Die „Stadt der tausend Fenster“ wurde 2008 in UNESCO-Liste des Weltkulturerbes aufgenommen, insbesondere wegen der Architektur ihrer drei Altstadt-Viertel aus osmanischer Zeit. Jeder, der jemals in Berat war, ist von dieser Stadt begeistert. Wir werden mit einem lokalen Führer diese Stadt durchqueren, ergründen, sie uns aneignen.

Abendessen gibt es dann im Hotel, wer danach in Kneipen gehen will, für den gibt es eine große Auswahl.

8. Tag

Auf einer staubigen, aber kurvenreichen, Pässe und Täler überwindenden, teilweise nur einspurigen Straße werden wir an diesem 8. Tag im wahrsten Sinne des Wortes durch die Schluchten des Balkan reisen. Die Dauer dieser knapp 180 km zu überwindenden Fahrt ist kaum kalkulierbar, fünf bis sechs Stunden jedoch sind schon gut gerechnet, mit einer oder mehreren Pausen müssen bis zu acht Stunden kalkuliert werden.

Gebirgstal in der Nähe von Gjirokastra, Südalbanien Bild: Erich Rathfelder

Aber dafür ist es ein einmaliges Erlebnis durch eine faszinierende Landschaft Zentralalbaniens zu gurken. Für Trinken und Sandwiches wird gesorgt, aber jeder kann auch noch selbst tätig werden.

Wenn wir dann am Horizont die Bergfestung von Gjirokastra ausmachen, haben wir fast schon das nächste faszinierende Ziel erreicht. Die historische Altstadt Gjirokastras zu erwandern ist ein eigenes Erlebnis.

Zuerst jedoch werden wir in einem Hotel neben der Altstadt einchecken. Nach einer Ruhepause schlendern wir an diesem Abend nur durch die unteren Gassen.

Gjirokastra verdankt seinen Beinamen „Stadt der Steine“ einem einzigartigen Stadtbild. Die kleinen, Trutzburgen ähnelnden Häuser der Altstadt-Viertel um die Burg, die auf einem steilen Felsen thront, sind mit Steinplatten aus den nahen Gebirgen bedeckt. Diese Dächer dienen dazu, die Innentemperatur der Häuser zu regulieren.

Nach dem Abendessen im Hotel gibt der Reiseleiter eine Einführung in die Geschichte der Stadt und in das Buch "Die Festung" von Ismail Kadaré, des berühmtesten albanischen Schriftstellers, der in Gjirokastra geboren wurde und hier sehr verehrt wird.

In der Altstadt von Gjirokastra, UNESCO-Weltkulturerbe als "gut erhaltene Stadt aus der Zeit der Osmanen" Bild: Ludo Kuipers

9. Tag (Albanien)

Am nächsten Morgen steigen wir mit einem lokalen Führer - einem jungen Mann, der zur jüdischen Bevölkerungsgruppe in Gjirokastra gehört - zur Burg hinauf und besuchen die Festung. Der Blick von oben über das Gebirge, die Täler, die mit Schiefer gedeckten Dächer entschädigen für die Anstrengung, nach oben gestiegen zu sein. Auch das dort befindliche Museum.

Danach werden wir in den Gärten der Restaurants, die das Hotel umgeben, etwas essen können. Dann geht es über die Schnellstraße zurück nach Tirana, wo wir am späten Nachmittag eintreffen werden.

Wenn die Zeit es zulässt, werden wir noch ein Gespräch mit einer interessanten und dem Reiseleiter gut bekannten Persönlichkeit über den Kampf gegen die Korruption und die Modernisierung der Gesellschaft sprechen. Oder auch über andere Themen. Dieser Gast wird uns auf jeden Fall zum Abschieds-Abendessen in einem Gartenrestaurant im Stadtteil Blok begleiten.

10. Tag

Nach einem gemeinsamen Frühstück, bei dem auch Gelegenheit sein wird, die Erfahrungen der Reise untereinander auszutauschen, ist die Reise beendet. Die Reiseteilnehmer schließen einen eigenen Urlaub an oder treten individuell die Heimreise an.

Umstellungen und Änderungen im Detail sind möglich. Stand: 11.1.2018