Nur blöd und böse?

Nein! Guter Boulevard ist wie Bohren beim Zahnarzt: Es tut höllisch weh, aber du hast das Problem an der Wurzel gepackt, anstatt nur die Oberfläche sauber zu halten. Guter Boulevard besticht durch seine Form: Er ist kurz und klar, mitreißend und persönlich – geballte Meinungsstärke gegenüber dem seelenlosen Geschwafel des Mainstreams. Ein Risiko auf Kosten des Von-allen-gemocht-Werdens. Denn wer die Klappe aufreißt, kann nicht nur ordentlich wehtun, sondern auch aufrütteln und Dinge verändern. Im Spanischen heißt die Boulevardpresse auch periodismo del corazón: Journalismus des Herzens.

Ja! Boulevard ist blöd. Für Artikel und Recherche gilt zu oft: Grell vor hell, bunt vor rund. Boulevard-Freunde halten mit dem „starken Sport“, dem „guten Draht zu Politikern“ oder der „Nähe zu den Menschen“ dagegen. Mag sein. Aber gute JournalistInnen behandeln die Menschen, über die sie berichten, mit angemessenem Respekt. Heimlich geschossene Promi-Nacktbilder, erkennbare Minderjährige, Gewalt-, Sex- und Krankheitsstorys sind das Gegenteil. So fällt die Intimsphäre dem Profit zum Opfer. Das ist noch schlimmer als schwacher Inhalt. Denn missachtete Menschenrechte kann auch der schnellste Sportteil nicht aufwiegen.